Fredi Bobic: Alle tragen Schuld nur ich nicht

aus Eintracht Frankfurt

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Fredi Bobic wird Eintracht Frankfurt verlassen.  Foto: dpa/ Thomas Frey

Das große Nachtreten bei der Eintracht hat begonnen: Noch-Sportvorstand Fredi Bobic teilt in einem Interview gegen Vorstand, Aufsichtsrat und Spieler aus.

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FRANKFURT. Jetzt hat das große und grobe Nachtreten begonnen. Eintracht Frankfurts Noch-Sportvorstand Fredi Bobic, der zu Hertha BSC wechselt, hat ein Interview mit der Sport-Bild genutzt, um Spieler, Vorstand und Aufsichtsrat der Eintracht direkt oder indirekt anzugreifen. Fakten haben bei der Abrechnung von Bobic mit seinem ehemaligen Arbeitgeber nur noch am Rande eine Rolle gespielt.

Bobic selbst war in den Medien, in den sozialen Netzwerken und zuletzt auch bei seinem Vorstandskollegen Axel Hellmann in die Kritik geraten und hat nun gekontert. Jeden Anflug von Selbstkritik hat der 49 Jahre alte ehemalige Nationalspieler dabei in den 332 Zeilen des Interviews konsequent vermieden. Motto: Alle tragen Schuld nur ich nicht. „Ich habe geliefert, ich habe Wort gehalten, was ich zu Beginn meines Engagements bei der Eintracht gesagt habe“, war einer der Kernsätze.

Öffentliche Kritik von Hellmann

Bobic kann nicht einmal Ansätze für Kritik an sich oder dem Trainer erkennen, nachdem die Eintracht innerhalb von einem Monat sieben Punkte auf Borussia Dortmund und die Teilnahme an der Champions-League und damit rund 20 Millionen Euro sichere Einnahmen verspielt hat. „Mit Champions-League wäre es eine 1 plus gewesen, so ist es eine glatte 1“, benotet er die Saison, „die lasse ich mir nicht kaputtreden.“ Was im Übrigen auch keiner getan hat.

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Die öffentlich geäußerte Kritik von Vorstandssprecher Axel Hellmann war durchaus differenziert ausgefallen. „Natürlich ist ein fünfter Platz für die Eintracht immer ein sehr gutes Ergebnis“, hatte Hellmann gesagt, „aber nicht, wenn man mit Spielen gegen Mainz, Schalke und Freiburg die Chance hat, die Champions-League aus eigener Kraft zu erreichen. Da gibt es nichts schön zu reden.“

Bobic schlägt zurück

Bobic sieht das anders. Er hat zu einem Rundumschlag ausgeholt. Gegen seine Vorstandskollegen: „Ich hätte mir in den letzten zwei, drei Wochen von allen, aber insbesondere von denen, die bei der Eintracht dazu berufen sind, mehr Rückendeckung gewünscht – vor allem für Adi Hütter.“

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Gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden Philip Holzer: „ Ich bin froh, dass mit Markus Krösche ein Nachfolger für mich gefunden wurde. Aus meiner Sicht hat dieser Prozess aber zu lange gedauert und dadurch ist der künftige Trainer auch noch nicht verkündet.“ Vergessen zu erwähnen hat Bobic, dass alleine der lange Poker um seine Vertragsauflösung die Verhandlungen mit Nachfolgern hinausgezögert hatte.

Gegen den Spieler Sebastian Rode, der einen Zusammenhang zwischen Misserfolg und dem Trainer-Abgang bejaht hatte: „Ich finde diese Aussage nicht professionell. Auch als Spieler muss man immer zuerst auf die eigene Leistung schauen.“ Genau dies hat Rode in dem TV-Interview vor dem Trainer Satz allerdings getan. „Wie haben alle versagt“, hatte er gesagt.

Sportliches Versagen

Gegen die Medien, das Umfeld, den ganzen Klub: „Die Verkündung meines Weggangs, die ja nicht von mir, sondern durch eine Indiskretion aus dem Verein erfolgte, auf die ich reagieren musste, und dann der Abschied von Adi Hütter hat einige auf den Plan gerufen, die schlechte Stimmung verbreiten wollten. Die bekommen jetzt natürlich Wasser auf die Mühlen, können die Saison schlecht reden.“ Auch in diesem Fall unterschlägt Bobic wichtige Fakten. Denn sein Abgang aus Frankfurt mit dem Ziel Berlin wurde keineswegs von der Eintracht öffentlich gemacht, sondern von Berliner Quellen über den TV-Sender „Sky“. Und schließlich von ihm selbst in einem Interview bei der ARD.

Selbstverständlich hat der Sportvorstand das Recht sich selbst und sogar die Pflicht den mit ihm in die Kritik geratenen Trainer zu verteidigen. Und ebenso selbstverständlich wird es bei all diesen Fragen unterschiedliche Meinungen und Einschätzungen geben. Was aber bleibt ist ein sportliches Versagen im Endspurt der Liga. Das ist durch Ergebnisse und die Tabelle belegt. Genauso übrigens wie die Erfolge der letzten Jahre und der fünfte Platz in diesem Jahr. Doch mit solchen Aussagen hinterlässt Bobic verbrannte Erde.

Von Peppi Schmitt