Eintracht: Gutes Ende mit einem Wermutstropfen

aus Eintracht Frankfurt

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Marco Russ (Mitte) verabschiedet sich nach dem Spiel gegen Paderborn von Mitspielern, Trainern und Betreuern. Frankfurt gewann 3:2, Russ kam nicht mehr zum Einsatz. Foto: Arne Dedert/dpa

Nach klarer Führung gibt Eintracht Frankfurt gegen den SC Paderborn fast noch den Sieg aus der Hand. Die Schwäche bringt Marco Russ zum Karriereende um den erhofften Kurzeinsatz.

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FRANKFURT. Die Frankfurter Eintracht hat die Saison zu einem erfolgreichen Ende gebracht. Der 3:2 (2:0)-Sieg gegen den SC Paderborn sicherte den neunten Platz ab und gibt der Mannschaft und dem Klub für den nun beginnenden vierwöchigen Urlaub ein gutes Gefühl. „Ein einstelliger Tabellenplatz und gute Cupspiele waren unser Saisonziel, das haben wir geschafft“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, „und wir haben ja die Europa League noch vor der Brust.“

Auch der Trainer machte gute Miene zum nicht mehr ganz so guten Abschlussspiel. „Wir haben Krisen gemeistert, haben in den letzten acht Spielen 17 Punkte geholt und sind souverän Neunter geworden“, sagte Adi Hütter, „wir hoffen, dass wir in einem guten Monat gegen Basel frisch sein werden und es noch einmal spannend machen können." Gegen den Schweizer Rekordmeister müsste die Eintracht ein 0:3 aufholen, um ins Viertelfinale einzuziehen. Das Spiel gegen den Absteiger aus Paderborn hatte noch einmal alle Stärken und Schwächen der Mannschaft gezeigt. Und es hat vor allem deutlich gemacht, dass die Frankfurter Spieler und ihr Trainer urlaubsreif sind. „Wir sind froh, dass es rum ist“, stellte Boss Bobic fest, „die Saison hat vor zwölf Monaten begonnen, die Jungs haben sich den Urlaub jetzt verdient.“

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Die Eintracht hatte sich gerade so ins Ziel gerettet, auch weil der Trainer bei seinen Einwechslungen nach einer klaren Führung diesmal danebengegriffen hatte. Ohne wirklich zu glänzen hatte die Eintracht drei wirklich schöne Tore erzielt. Sebastian Rode profitierte von einem Zusammenprall der Paderborner Abdelhamid Sabiri und Laurent Jans und schlenzte den Ball zum 1:0 ins Tor (9. Minute). Danny da Costa und Daichi Kamada bereiteten mit einem Doppelpass den zwölften Saisontreffer von André Silva vor (33.). Und Bas Dost schoss sein siebtes Saisontor nach präziser Vorarbeit von Rode und Dominik Kohr (52.). So weit, so gut. Doch dann ließen Kräfte und Konzentration nach. Der Trainer reagierte, nachdem Mohamed Dräger für die Gäste zum 1:3 getroffen hatte (55.) und schickte Djibril Sow neben Goncalo Paciencia und Johnny de Guzman ins Spiel. Der Schweizer aber war ein Totalausfall, verdaddelte den Ball leichtfertig und ermöglichte Paderborn den Anschlusstreffer durch Sven Michel (75.).

Ins Ziel gezittert

Mit seinem Fehler brachte Sow nicht nur Unsicherheit in Spiel, sondern verhinderte auch, dass Gelson Fernandes und Marco Russ, die beide ihre Karrieren beenden, die verdienten letzte Minuten auf dem Platz erhielten. Der Trainer machte im Bemühen, unbedingt zu siegen, da auch keine gute Figur. Er verzichtete selbst in der Nachspielzeit auf die Einwechslungen und zitterte sich mit den anderen ins Ziel. „Ich wollte die Partie unbedingt gewinnen, da wurde ich leider zum Spielverderber“, sagte Hütter, „ich hoffe, sie nehmen es mir nicht böse.“ Für ihn sei diese unglückliche Episode ein „Wermutstropfen“. Den Frankfurter Trainer plagte ganz offensichtlich ein schlechtes Gewissen. Nach dem Abpfiff hatte er noch auf dem Spielfeld alle in einem Kreis zusammengerufen, Spieler, Trainer, Betreuer Das mache er „sonst nie“, sagte der 50 Jahre alte Österreicher, „aber diesmal wollte ich in die Gelegenheit nutzen, allen Danke zu sagen.“ Das tat er ausführlich, fast zwanzig Minuten nach dem Spiel standen und hüpften die Frankfurter noch auf dem Rasen.

Besondere Worte hatte Hütter für De Guzman, Fernandes und Russ gefunden. „Es war sehr emotional, ich hatte ein paar Tränen in den Augen“, räumte der Trainer ein. Russ, Fernandes und de Guzman wurden auch von den Kollegen mit langem Beifall auf dem Rasen verabschiedet, ehe sie selbst ein paar Worte an die Mannschaft richteten. So sieht dann Abschied in Corona-Zeiten aus. Marco Russ war trotz des verpassten letzten Bundesligaeinsatzes bester Laune. Er sei „nicht enttäuscht“, auch wenn er gerne „noch zwei, drei Minuten“ gespielt hätte. „Es war ein guter Abschluss für mich, auf den ich mich in den vergangenen Wochen vorbereiten konnte“, sagte der 34 Jahre alte Abwehrspieler, „ich bin gesund, das zählt und ab morgen fängt ein neuer Abschnitt an.“

Party für Russ kommt noch

Nach dem Achillessehnenriss in seinem letzten Spiel, am 15. August gegen Vaduz in der Europa-League, habe er gemerkt, „dass es mir immer schwerer fällt, mitzuhalten. Es macht körperlich keinen Sinn mehr.“ Der in Hanau geborene Russ kann sich noch auf eine große Party freuen. „Wenn wir wieder Zuschauer im Stadion haben, wird er einen gebührenden Abschied bekommen“, hat Sportchef Bobic angekündigt. Russ gerührt: „Ich bin mit dem Verein groß geworden, habe alles miterlebt, war schon Balljunge hier. Nach meiner Familie ist die Eintracht das Größte“. Er wird in Zukunft in der Analyseabteilung der Eintracht mithelfen.

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Nach dieser Saison wird einiges zu analysieren sein. „Wir hätten vielleicht mehr rausholen können, aber wir hatten zwei schlechte Phasen“, sagte Bobic, „heute war es ein Sommerkick, wir haben nach dem 3:0 komplett das Gas rausgenommen.“ Der Trainer war milde gestimmt. „Ich muss die Jungs in Schutz nehmen, das war das 54. Saisonspiel und es war sehr heiß“, sagte Adi Hütter, „irgendwann muss man ein Auge zudrücken.“

Von Peppi Schmitt