Eintracht Frankfurt: Nach dem 4:1 gegen Rom zwischen...

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Die Ouvertüre für einen Abend, den der Trainer „nie vergessen wird“: Die Fans tragen ihren Teil mit einer Choreografie bei. Foto: Jan Hübner

Eine magische Nacht: Die Frankfurter Eintracht feiert den zweiten Sieg in der Europa League. Am Sonntag wartet in der Bundesliga TSG Hoffenheim, aber ohne Mittelfeldspieler Torró.

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FRANKFURT. Es war eine „magische Nacht“ (Vorstand Axel Hellmann), die die Mannschaft der Frankfurter Eintracht, die Fans und die Fernsehzuschauer erlebt haben. Der 4:1 (2:1)-Erfolg gegen Lazio Rom wird in die Annalen des Klubs eingehen. Es war eine Nacht voller Emotionen, Begeisterung, aber auch Trauer. Es war ein Spiel mit ganz vielen Facetten, mit glücklichen und traurigen Helden, mit sportlichen wie wirtschaftlichen Auswirkungen. Nach den Erfolgen gegen die Gruppenfavoriten Marseille und Rom hat die Eintracht allerbeste Chancen, die Gruppenhase zu überstehen und in der Europa League zu überwintern. „Wir haben einen fantastischen Abend erlebt, den ich nie vergessen werde“, sagte Trainer Adi Hütter, der persönlich zum ersten Mal die ganze Wucht dieses Vereins gespürt hat.

Aber Hütter hat gleich auf die Euphorie-Bremse getreten. „Wir sind auf einem ordentlichen Weg, aber wir haben noch nichts erreicht“, sagte er. Das ist natürlich untertrieben, denn die Eintracht hat neben sportlichem Renommee und der Aussicht auf viele Millionen Euro auch die Herzen ihrer Fans gewonnen. „So etwas kann man mit Geld nicht kaufen“, sagte Vordenker Hellmann, „die Mannschaft wurde von den Fans getragen“. Geld gibt es trotzdem. Neben der Startprämie von 2,92 Millionen Euro bringt jeder Sieg von der Uefa 590 000 Euro. 1,18 Millionen Euro sind also bereits zusätzlich eingespielt.

Das Spiel: Der Sieg der Eintracht war verdient. Die Frankfurter haben leidenschaftlich gekämpft und mit dem Publikum im Rücken phasenweise auch überragenden Fußball gespielt. Im Sog der Mannschaft haben sich viele Spieler zur eigenen Höchstform gepusht. Makoto Hasebe sei „Weltklasse“ gewesen, wie der Trainer schlicht feststellte. Danny da Costa hat sich mit zwei Toren für seine kaum noch steigerbare Laufleistung belohnt. Sébastien Haller präsentiert sich weiter in der Form seines Lebens, hat die Römer Abwehr gemeinsam mit Luka Jovic rund um die Uhr beschäftigt. Jovic ist ein Traumtor gelungen, als er den Ball zum 3:1 über den Torwart lupfte. Der Trainer bezeichnete dieses Tor als „grandios“. Filip Kostic war im Adler-Trikot noch nie so gut wie gegen Rom.

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Der Trainer: Adi Hütter ist ein anderer Typ als sein Vorgänger Niko Kovac, hat andere Vorstellungen vom Fußball. Er lässt risikofreudiger spielen, mutiger, nicht ganz so kontrolliert. Er versucht tatsächlich, alle Spieler auf den Weg mitzunehmen. Die vor Wochen noch Aussortierten sind fast alle zurück. Simon Falette spielt wieder, Marco Fabián hat wieder gespielt. Und jetzt hat Hütter sogar Marc Stendera eingewechselt. Das Publikum hat mit Begeisterungsstürmen auf diese Geste reagiert. Für Hütter war es das Normalste auf der Welt. „Ich war nie derjenige, der gesagt hat, dass ich mich nicht mehr mit ihnen beschäftige“, sagte er mit Blick auf die zu den Akten gelegte „Trainingsgruppe 2“. Hütter zeigt Emotionen, Empathie, Menschlichkeit.

Die Trauer: Das Gefühl für den Spieler als Menschen hat er auch nach dem Abpfiff bewiesen. Am Mittelkreis hatten die Frankfurter einen Kreis gebildet, zum ersten Mal in der Saison. Hütters Erklärung machte betroffen: „Der Bruder von Lucas Torró ist in der Nacht zum Donnerstag überraschend verstorben. Wir hatten Lucas freigestellt zu spielen, er wollte spielen. Nur die Trainer wussten Bescheid, vor der Mannschaft haben wir es geheim gehalten. Das habe ich im Kreis den Spielern erklärt. Darum war die Freude auch gedämpft.“ Torró hatte bei den Jubelstürmen der Fans Tränen in den Augen, emotional seien „alle Dämme gebrochen“. Am Freitag ist er nach Spanien zur Familie gereist, am Sonntag in Hoffenheim wird er nicht im Kader stehen. „Der unerwartete Tod von Lucas Bruder hat uns getroffen, der Junge war nicht mal 30 Jahre alt“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic, „wir hoffen nun sehr, dass Lucas genug Kraft hat. Wir als Verein sind für ihn da.“

Die Geste: Eintracht-Kapitän Marco Russ tauschte sein Trikot mit Roms Francesco Acerbi. Die beiden verbindet eine besondere Geschichte – Acerbi und Russ haben den Krebs besiegt, der Italiener sogar zweimal binnen eines Jahres. „Ich hatte schon vor, mit ihm das Trikot zu tauschen“, erklärte Russ nach der Partie den besonderen Moment.

Von Peppi Schmitt