Eintracht: Das steckt hinter dem Höhenflug

aus Eintracht Frankfurt

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Geschlossen, locker und souverän: So wie die Eintracht in Gänze präsentieren sich hier auch (v.l.) Martin Hinteregger, Filip Kostic und Daichi Kamada. Foto: dpa

Die Frankfurter Eintracht präsentiert sich seit Wochen auf und neben dem Platz souverän und locker - ein stimmiges Gesamtbild. Und doch zieht eine Wolke am Horizont auf.

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FRANKFURT. Von Luka Jovic gibt es nur Fotos, die ihn mit strahlendem Gesicht zeigen. Timothy Chandler ist sowieso eine Frohnatur und lacht eigentlich immer. Und Sebastian Rode gibt nach den Spielen lächelnd Interviews und lobt die Kollegen. Was das Besondere an diesen glücklichen Frankfurter Fußballprofis ist: Sie sind aktuell nur zweite Wahl, können ihren Teil zum Erfolg erst dann beitragen, wenn der Trainer sie mal früher oder mal später einwechselt. Es ist diese Harmonie, die die Frankfurter Eintracht auszeichnet in diesen Tagen und Wochen. Ein bemerkenswerter Satz: „Der Schlüssel für den Erfolg liegt auch darin, dass alle bescheiden bleiben und niemand Starallüren hat.“ Das hat nicht etwa Trainer Adi Hütter gesagt, sondern Mittelfeldspieler Amin Younes und angefügt: „Jeder ist für den anderen da.“

Es ist dieses Gemeinschaftsgefühl, das die Mannschaft trägt. Genauso wie die individuelle Klasse vieler Spieler, wie die Eingespieltheit in einem System, das dem Team auf den Leib geschneidert wurde. Und vor allem das Selbstvertrauen, das vom Trainer in die richtigen Kanäle gelenkt wird. Die Erfolgsserie ist beeindruckend, zwar immer auch von glücklichen Umständen abhängig, aber ganz grundsätzlich durch Spielweise und Auftreten gerechtfertigt: Platz vier nach zuletzt neun Spielen ohne Niederlage bei sieben Siegen, die beste Mannschaft im Jahr 2021, die in der gesamten Saison überhaupt nur zweimal geschlagen wurde.

Spieler sind selbstbewusst aber nicht großspurig

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So souverän die Siege errungen werden, zuletzt 3:1 in Hoffenheim, so souverän gehen die Spieler mit den Verlockungen in den verbalen Nachspielen der Begegnungen um. Der Begriff „Champions League“ steht nicht auf dem Index, wird nicht etwa krampfhaft vermieden. Nach den Niederlagen von Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach am Samstag, hatte sich den Frankfurtern am Sonntag eine große Chance geboten. Die haben sie genutzt. Vier Punkte liegen die Frankfurter schon vor den beiden Borussen-Teams, das ist vierzehn Spiele vor Schluss nicht viel, nichtsdestotrotz ein kleines Statement. „Wir registrieren die Tabelle und die anderen Ergebnisse und waren uns bewusst, dass wir in Hoffenheim einen großen Schritt machen können“, sagte Martin Hinteregger, „das ist uns gelungen.“ Kein Understatement, aber auch keine Großspurigkeit, der Eintracht gelingt aktuell auch dieser Spagat. Angeführt von einem Trainer, dessen Ruhe geradezu ansteckende Wirkung verbreitet. „Platz vier ist bemerkenswert, wir haben Leichtigkeit und Selbstvertrauen und nach dem 1:1 hatten wir auch Souveränität“, sagte Hütter, dachte aber gleich schon an den nächsten Sonntag. Das Heimspiel gegen den 1.FC Köln könne „möglicherweise sehr schwer werden für uns“, ließ er in die Euphorie ein paar mahnende Worte fallen.

Was wird aus Fredi Bobic?

Nicht nur auf dem Spielfeld stimmt seit Wochen die Taktik, auch das Taktieren auf dem eingeschränkten Transfermarkt hat in der winterlichen Transferperiode geklappt. Paradox: Die Verknappung der personellen Ressourcen hat das Team weitergebracht. Danny da Costa und Dominik Kohr, zwei potentielle Stammspielerkandidaten, versuchen nun, Mainz 05 im Abstiegskampf zu helfen. Für den Frankfurter Trainer heißt das, er muss seitdem weniger schmerzhafte Entscheidung fällen. Der Kader ist auf 22 Spieler geschrumpft, allen bietet sich die Chance, in das jeweilige Spieltagsaufgebot zu kommen. Ein Kader ohne „Abgehängte“ fördert das Gemeinschaftsgefühl.

Im Laufe dieser Woche soll nun auch ein Gespräch zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden Philipp Holzer und Sportvorstand Fredi Bobic stattfinden. Im Idealfall wird da die weitere Zukunft von „Baumeister“ Bobic bei der Eintracht festgezurrt und die Gerüchte um einen Wechsel zu Hertha BSC im nächsten Sommer beendet. Kommt es anders und Bobic verkündet seinen Abschied oder entscheidet sich für ein nervenraubendes „Zeitspiel“, wäre das ein erster Riss in der Fassade und könnte die so gewinnbringende Eintracht stören. Siehe Borussia Mönchengladbach. Dort ist Erfolgstrainer Marco Rose nach einer Niederlage gegen Köln, vor allem aber wegen seines Flirts mit Borussia Dortmund, bei den Fans schnell in Ungnade gefallen.

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Von Peppi Schmitt