Auswärtssieg: Eintracht schlägt West Ham

aus Eintracht Frankfurt

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Tomas Soucek (li.) von West Ham United und Djibril Sow von Eintracht Frankfurt im Zweikampf. Foto: dpa/ Arne Dedert

Der Traum vom Europa-League-Finale rückt für die Frankfurter Eintracht näher: Die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner schlägt im Hinspiel West Ham United 2:1.

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LONDON. Die Frankfurter Eintracht steht mit einem Bein im Finale der Europa-League. Vor 60.000 Zuschauern im ausverkauften „London Stadium“ besiegten die Frankfurter West Ham United mit 2:1 (1:1). Es war der dritte Auswärtssieg im dritten K.o.-Spiel in diesem Jahr, zuvor hatten die Frankfurter schon in Sevilla 2:1 und in Barcelona 3:2 gewonnen. Im gesamten Wettbewerb sind sie in dieser Saison weiter ungeschlagen, eine eindrucksvolle Bilanz. Ansgar Knauff mit einem Blitztor in der ersten Minute und Daichi Kamada in der 54. Minute erzielten die Treffer für die Frankfurter. Für West Ham glich Michail Antonio zwischenzeitlich aus.

Die Frankfurter zeigten vor ihren 3000 Fans eine großartige Leistung, standen in der Abwehr stabil, hatte mit Daichi Kamada einen überragenden Mittelfeldspieler, der schon seinen fünften Treffer im laufenden Wettbewerb erzielte, und konnten über weite Strecken auch gute Konter setzen. Eine der besten war diesmal auch Stürmer Rafael Borré, der neben seiner unglaublichen Lauffreude auch eine tolle Vorarbeit zum Knauff-Tor einbrachte. In einer Woche würde den Frankfurtern nun schon ein Unentschieden reichen, um am 18. Mai im Endspiel in Sevilla zu stehen. Der Traum vom großen Triumph lebt also mehr denn je weiter.

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Touré für Ndicka in der Abwehr

Geht's um Aufstellungen, arbeitet der Frankfurter Trainer eher konservativ. Für den gesperrten Evan Ndicka brachte er Almamy Touré in die Dreier-Abwehr. Also wieder nicht Makoto Hasebe. In dieser Formation hat die Frankfurter Defensive in der gesamten Saison noch nicht ein einziges Mal zusammengespielt. Auch alle anderen Positionen wurden wie erwartet besetzt. Für den gesperrten Kristijan Jakic kehrte nach überstandener Verletzung Djibril Sow zurück.

Das Spiel begann mit einem echten Paukenschlag, mit dem schnellsten Tor der Eintracht in ihrer Europacupgeschichte. Nach 45 Sekunden lag der Ball im Tor der Engländer. Vom Anstoß weg hatte Daichi Kamada Rafael Borré eingesetzt, der Mittelstürmer ganz weit auf die rechte Seite hinter die West Ham-Abwehr geflankt. Ansgar Knauff war eingestartet und hatte den Ball völlig frei aus acht Metern ins lange Eck geköpft. Für ein paar Sekunden war es im sonst so stimmungsvollen Stadion still. Nur die Eintracht-Fans feierten, allerdings wieder einmal mit dem völlig unnötigen Pyro.

Ansgar Knauff bejubelt seinen Treffer zur 1:0-Führung in der ersten Minute. Foto: Arne Dedert / dpa
Ansgar Knauff bejubelt seinen Treffer zur 1:0-Führung in der ersten Minute. (© Arne Dedert / dpa)
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West Ham brauchte aber nur zehn Minuten, um den Schock zu verdauen,. Nach und nach erkämpften und erspielten sich die Londoner ein Übergewicht im Mittelfeld und trugen immer wieder Angriffe vor. Da lag auch daran, dass die Frankfurter ein paar Fouls zu viel machten und dadurch dem Gegner zu viel Standards ermöglichten. Auch der holländische Schiedsrichter mit dem interessanten Namen Serdar Gözübüyük tat seinen Teil dazu, pfiff vor allem gegen die Eintracht sehr kleinlich. Die erste Ausgleichschance hatten die Gastgeber in der 14. Minute, Jarrod Bowen hatte einen Pass aufnehmen können, war alleine vor Trapp, schoss aber an den Pfosten. Das 1:1 gelang West Ham in der 21. Minute.

Die Spieler von West Ham feiern den Ausgleichstreffer von Antonio. Foto: Arne Dedert / dpa
Die Spieler von West Ham feiern den Ausgleichstreffer von Antonio. (© Arne Dedert / dpa)

Bei einem Zweikampf zupfte Jesper Lindström seinen Gegenspieler, es gab Freistoß. Der Ball flog hoch nach innen, der „riesige“ Kurt Zouma setzte sich im Kopfballduell gegen Martin Hinteregger durch, brachte den Ball parallel zur Torlinie, das war dann nicht mehr zu verteidigen. Michail Antonio drückte den Ball über die Linie.

Und die Eintracht hatte selbst immer wieder ein paar Räume, um gefährliche Angriffe zu starten. Nur schade das Lindström nicht an die Leistungen seiner Angriffskollegen herankam. Dafür spielte Knauff nach seinem Tor wie aufgedreht und hatte in der 39. Minute eine „Hundertprozentige“ zur Führung. Wieder war die Vorarbeit von Borré gekommen, Torwart Alphonse Areola hatte unglücklich agiert, der Ball war zu Knauff gesprungen, der aus der Drehung aber drüberschoss.

Kamada trifft in der 54. Minute

Auch nach dem Wechsel hatte die Eintracht den besseren Start. Die Frankfurter ergriffen die Initiative, setzten nun ihrerseits West Ham unter Druck. Und sie gingen zum zweiten Mal in Führung. Es war ein wunderbarer Doppelpass zwischen Sow und Lindström, der den Schweizer Nationalspieler in Schussposition brachte.

Kamada jubelt über das 2:1, die West-Ham-Spieler wollen ein Abseits erkannt haben. Foto: Arne Dedert / dpa
Kamada jubelt über das 2:1, die West-Ham-Spieler wollen ein Abseits erkannt haben. (© Arne Dedert / dpa)

Den Flachschuss von Sow konnte Torwart Areola noch zur Seite abwehren, doch da stand Frankfurts „Mister Europacup“ Daichi Kamada. Der Japaner schob den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Und dann ging's ab zum Jubel in die eigenen Kurve. Die Eintracht führte nach 54 Minuten 2:1.

Lindström musste dann kurz darauf vom Platz, offensichtlich mit einer muskulären Verletzung. Für ihn kam Jens-Petter Hauge. Auch West Ham wechselte und kam nun mit allem, was sie hatten. Und die Eintracht konnte kontern. Aber sie konnte es nicht so richtig. Häufig wurde der „letzte Ball“ zu unpräzise gespielt. Aber auch die Londoner zollten dem hohen Tempo Tribut. Es war nun ein echter Abnutzungskampf, viel Zweikämpfe, viele Fouls, gelbe Karten für Sow und Hinteregger, auch Verletzungspausen. Bei der Eintracht fehlte die Kraft für den vielleicht entscheidenden Konter. Kamada freilich hatte einmal Pech, als er nach einem dieser Konter nur den Pfosten traf. Dumm auch, dass Hauge nach seiner Einwechslung so überhaupt nicht ins Spiel fand. Und dann war da die zweite Minute der Nachspielzeit. Bowen gelang ein fantastischer Fallrückzieher aus sechs Metern, der Ball prallte von der Unterkante der Latte zurück ins Spielfeld. Da hatte die Eintracht einmal richtiges Glück. Den Rest besorgte dann Torwart Kevin Trapp, der mit großer Sicherheit die letzten Flanken abfing.

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Von Peppi Schmitt