Wirtschaft fordert Rheinbrücken-Bau

Ziehen an einem Strang: Die IHK-Vertreter Robert Malzacher (Gießen-Friedberg), Daniel Theobald (Darmstadt), Sabine Meder (Wiesbaden) und Günter Jertz (Mainz, von rechts nach links) wollen die Rhein-Main-Region länderübergreifend nach vorne bringen. Foto: Sascha Kopp

Mit länderübergreifenden Initiativen wollen die Industrie- und Handelskammern einen Verkehrskollaps im Rhein-Main-Gebiet verhindern.

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MAINZ. Rhein-Main. Eine Metropolregion. Mehrere Bundesländer. Rapide steigende Wohnungspreise. Fehlende Gewerbeflächen. Verkehrssysteme kollabieren angesichts von rund zwei Millionen Berufspendlern und Tonnen von Transportgütern. Vertreter der Industrie- und Handelskammern (IHK) Mainz, Wiesbaden, Darmstadt und Gießen-Friedberg fordern vor diesem Hintergrund einen gemeinsamen Kraftakt über Länder- und Verkehrsverbundgrenzen hinweg. Rheinbrücken, neue Verkehrsticketangebote, länderübergreifende Entwicklung von Wohn- und Gewerbeflächen – das alles müssten die Ministerpräsidenten zur Chefsache machen. „Die Landesregierungen in Hessen und Rheinland-Pfalz sollten sich jährlich zu gemeinsamen Kabinettssitzungen treffen, um ihr Interesse an einer gemeinsamen Entwicklung der Region zu demonstrieren“, fordert der Hauptgeschäftsführer der IHK Rheinhessen, Günter Jertz, in einer von der VRM initiierten Gesprächsrunde der regionalen Kammer-Vertreter.

„Die Zeiten, in denen es wirtschaftlich gut läuft, sollten für den dringend notwendigen Ausbau der Infrastruktur genutzt werden“, sagte die Wiesbadener IHK-Hauptgeschäftsführerin Sabine Meder. Dazu zählten Investitionen in Brücken, Straßen und Schienen. Darüber hinaus sollte nach Ansicht von Daniel Theobald, Leiter Standort der IHK Darmstadt, nach dem Vorbild Londons ein Nahverkehrsticket für die Metropolregion geschaffen werden. Entsprechende Gespräche auf politischer Ebene, die auf gutem Weg sein sollen, unterstützen die Kammern.

„Die politischen Parteien in den Bundesländern haben kein großes Interesse daran, dass Frankfurt/Rhein-Main stark wird“, kritisiert Theobald. Eine regionale Arbeitsteilung könnte die vor Ort vorhandenen Konflikte zwischen Gewerbe- und Wohnungsnutzung entschärfen. „Es muss entschieden werden, wo welche Flächenentwicklung stattfinden soll.“ Das Regierungspräsidium Darmstadt habe mit Speer_+_Partner ein Planungsbüro beauftragt, ein regionales Entwicklungskonzept zu entwerfen. Auch das von den Kammern initiierte länderübergreifende Strategieforum sei ein sinnvoller Schritt. „Die Region muss sich stärker als Einheit begreifen“, sagte Robert Malzacher, Leiter Recht und Steuern der IHK Gießen Friedberg.

Fehlende Akzeptanz der Industrie beklagt

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„Die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Hessen müssen eine Task Force ‚Rheinbrücken‘ einberufen“, ergänzt der Mainzer IHK-Vertreter Jertz. Gerne werde die Gewerbesteuer mitgenommen, aber wenn es um die Ausweisung von Gewerbeflächen geht, werde zu wenig getan. „Das hat auch etwas mit der fehlenden Akzeptanz von Industrie zu tun“, kritisiert der Kammerchef.