Mainzer Klima-Aktivist: „Protest hat sich verändert“ 

Der Mainzer Klima-Aktivist Maurice Conrad engagiert sich seit Jahren für den Klimaschutz.

Maurice Conrad engagiert sich seit Jahren fürs Klima. Im Interview spricht er über Lützerath, Protestaktionen und erklärt, warum er sich nicht auf einer Straße festkleben würde.

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Herr Conrad, ist Ihnen Klima-Protest so wichtig, dass Sie sich genauso wie Klima-Aktivisten während der Räumung von Lützerath tagelang in einem Tunnel verschanzen würden?

Das wäre nicht die Aktionsform, die ich wählen würde, aber ich habe großen Respekt davor, wenn Menschen für friedlichen Klima-Protest körperliche Belastungen auf sich nehmen. Aber am Ende bin ich doch eher die Person, die sich im Bereich der Versammlungen und Demonstrationen engagiert. 

Sie haben gerade von „friedlichem Protest“ gesprochen. Während der Räumung und der Demonstration von Lützerath ist es am vergangenen Wochenende zu teils heftigen Ausschreitungen gekommen. Polizei-Beamte wurden mit Molotow-Cocktails, Silvester-Raketen und Flaschen angegriffen. Was ist daran friedlich? 

Der größte Teil des Protests in Lützerath ist friedlich gewesen. Auch wenn es einzelne Ausschreitungen gab. Vereinzelt haben Menschen zu Raketen gegriffen. Und auch ein Molotow-Cocktail wurde geworfen. Das sind Protest-Formen, die nicht mit meinem Verständnis von Protest übereinstimmen. Das ist nicht zu rechtfertigen. Da wurden Grenzen überschritten. Wer Steine oder Gegenstände durch die Gegend wirft, gefährdet Menschenleben. Allerdings gab es auch 8.000 bis 10.000 Menschen, die sich in Lützerath friedlich versammelt und gegen das Ausheben der Kohle demonstriert haben. Da muss man klar trennen. 

Der Mainzer Klima-Aktivist Maurice Conrad engagiert sich seit Jahren für den Klimaschutz.
Der Mainzer Klima-Aktivist Maurice Conrad engagiert sich seit Jahren für den Klimaschutz. (© Cedric Büchling)

Überschatten die Bilder der Ausschreitungen die Sache an sich – nämlich gegen die Kohleförderung von RWE zu demonstrieren? 

Das ist immer die Gefahr, wenn man eine größere Veranstaltung anmeldet. Ich kenne das von Fridays for Future. Da geht man immer das Risiko ein, dass dort Menschen auftauchen oder Dinge passieren, die man sich nicht wünscht. Politische Anliegen können durch gewaltvolle Szenen in den Hintergrund rücken. Hier muss sich die Klima-Bewegung klar positionieren und sehr deutlich machen, dass das nicht das gewollte Bild ist. 

Auch in Richtung Polizei gibt es unter anderem vonseiten der Aktivisten den Vorwurf, dass sie zu hart durchgegriffen hat. Wie bewerten Sie das? 

Genauso wie aufseiten der Aktivisten. Wenn es dort Fehlverhalten gab, muss das benannt werden und entsprechende Konsequenzen haben. Der Großteil der Polizisten in Lützerath hat sich meines Erachtens an Regeln gehalten. Schwere Kopfverletzungen und härtere Maßnahmen als sie sein müssten, gehören da allerdings nicht dazu. Es gab Bilder, in denen man sehen konnte, dass beide Seiten über die Stränge geschlagen haben. 

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Das Frankfurter Museum für Architektur hat in dieser Woche angekündigt, ein von Aktivisten in Lützerath gebautes Baumhaus ausstellen zu wollen. Wird Klima-Protest zum Hype? 

Es zeigt zumindest, dass Klimaschutz eine gesellschaftliche Resonanz hat und Aktivisten ernst genommen werden. Was nicht heißt, dass politisch schon alle Erfolge erzielt wurden. Aber es zeigt meiner Ansicht nach, dass die Menschen, die sich im Klima-Protest engagieren, nicht einfach nur irgendwelche Chaoten sind. Für die Bewegung ist das etwas Gutes.

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Jetzt liegt Lützerath ja nicht gerade um die Ecke von uns. Warum sind Sie dennoch gefahren? 

Ich bin dort hingefahren, da sich in Lützerath der Teil der Gesellschaft versammelt hat, der sagt, dass wir keine Kohle mehr aus dem Boden holen dürfen. Ich denke, dass Lützerath der Ort war, an dem sich die Klima-Bewegung strategisch noch mal neu finden kann. In gewisser Weise ein Ort des Widerstands. Meiner Meinung nach ist es die Aufgabe der Zivilgesellschaft, zu zeigen, dass wir den weiteren Kohleabbau nicht mehr wollen. 

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Sie haben gerade die Zivilgesellschaft angesprochen. Holt man die Zivilgesellschaft dadurch ab, dass man sich auf Straßen festklebt? Stichwort „Letzte Generation“ und Straßenblockade. 

Vorneweg: Ich bin kein großer Befürworter der Proteste der „Letzen Generation“. Ich organisiere Proteste anders. Grundsätzlich möchten die betreffenden Aktivistinnen und Aktivisten durch ihre Aktionen aber auch keine Sympathien erregen. 

Sondern? 

Man holt die Menschen definitiv nicht ab, wenn man sich auf die Straße setzt und Fahrbahnen blockiert. Bei Menschen Sympathien zu erregen, damit auch sie kollektiv hinter dem Klimaschutz stehen – das ist nicht die Strategie. Die „Letzte Generation“ möchte die Menschen nerven. Das ist definitiv Teil des Ziels. Jeder ist genervt, wenn er nicht zur Arbeit kommt. 

Und das bezweckt was?

Dass Menschen sich Gedanken machen über das Thema Klimaschutz. Selbst wenn sie im ersten Moment genervt sind. Was der „Letzten Generation“ ja oft vorgeworfen wird ist, dass sie dem Klimaschutz durch ihre Aktionen schaden, weil die Menschen abgeschreckt sind.

Ob ich jemanden nett finde, der sich für mehr Klimaschutz einsetzen möchte – was ja viele Menschen wollen – ist also egal?

Das Vorgehen ist zumindest ein ganz anderes als beispielsweise bei Fridays for Future. Hier fanden uns viele Menschen zunächst knuffig, ja fast schon süß. Da waren sich viele einig. Natürlich kann es mal funktionieren, dass man sich denkt: „Och, das ist ja ein süßes Kind. Das will, dass wir den Planeten retten“. Sympathie ist in puncto Klimaschutz aber gar nicht so wichtig. 

Was ist Ihrer Meinung nach wichtiger?

Dass wir als Gesellschaft verstehen, dass wir etwas verändern müssen. Der Protest rüttelt die Veränderung wach. Dadurch werden Menschen dazu bewegt sich in einem ersten Schritt mit Veränderungen zu befassen. Der Weg der „Letzten Generation“ ist eine von mehreren Möglichkeiten das Thema Klimaschutz auf die Agenda zu bringen. 

Trotzdem würden Sie sich nicht auf einer Straße festkleben? 

Nein, mein Engagement sieht anders aus und ich habe andere Fähigkeiten. Ich kann mir aber vorstellen, die „Letzte Generation“ organisatorisch zu unterstützen. Ich bin nicht die geeignete Person dafür, mich irgendwo anzukleben. Auch, weil mir schnell kalt wird. 

Was glauben Sie, wie sich der Klima-Protest entwickeln wird?

Der Klima-Protest hat sich in den vergangenen zwei Jahren verändert. Es gibt eine größere Bereitschaft zu solchen Gruppierungen wie der „Letzten Generation“ zu gehen. Ich denke, solche Aktionsformen werden weitergehen. Ich glaube nicht, dass der Klima-Protest und die damit zusammenhängenden Aktionen schwächer werden. Da wird meiner Meinung nach noch einiges kommen.

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