Anti-Kriegsprotest auf dem Roten Platz – virtuell

aus Krieg in der Ukraine

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So präsentierte sich der virtuelle Rote Platz am 7. Mai. Bis zu den geplanten Feierlichkeiten soll sich der Platz noch weiter füllen. Screenshot: VRM / Memorial

Russische Menschenrechtler haben zum Protest gegen den Angriffskrieg in der Ukraine aufgerufen – auf einem virtuellen Roten Platz.

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MOSKAU. Vor den Feierlichkeiten und Militärparaden auf dem Roten Platz hat die Menschenrechtsorganisation „Memorial“ zu Protesten gegen den Krieg Russlands in der Ukraine aufgerufen. Die in Russland seit vergangenem Jahr verbotene Menschenrechtsorganisation Memorial hat daher einen virtuellen Roten Platz gestaltet, auf dem Menschen sich dem Protest anschließen können. Unter der Adresse redsquareprotest.org kann man sich mit einem Klick an der virtuellen Kundgebung beteiligen und damit seinen Protest gegen den Angriffskrieg Putins in der Ukraine symbolisch zum Ausdruck bringen.

Tausende Unterstützer klicken

Am Samstag hatten sich innerhalb kurzer Zeit mehrere Tausend Unterstützer eingefunden und ihren Protest hinterlassen. Wenn man sich beteiligt, erscheint auf der Grafik der Website ein Avatar für jeden Unterstützer. So füllt sich der Rote Platz zusehends, sodass für militaristische Aufmärsche in Kriegszeiten kein Platz bleibt – zumindest virtuell. Die ansonsten detailgetreue Animation des Roten Platzes ziert links neben dem Lenin-Mausoleum an der Kreml-Mauer der kyrillische Schriftzug „Нет войне“ – Nein zum Krieg.

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Mit der Aktion wollen die Menschenrechtler den Roten Platz zumindest virtuell besetzen und die Parade zum 9. Mai blockieren, an dem Russland den Sieg der Sowjetunion über Nazideutschland feiert. In diesem Jahr wird allerdings damit gerechnet, dass Putin den symbolträchtigen Tag nutzen will, um seinen völkerrechtswidrigen und von der UN verurteilten Angriffskrieg auf die Ukraine zu rechtfertigen.

Putins Aufmarsch auf dem Roten platz will Memorial seinen Protest entgegensetzen. „Die russische Regierung unterdrückt jede freie Meinungsäußerung – und verletzt damit die eigene Verfassung“, schreibt die international hoch angesehene Organisation auf der Seite. „Jeder Protest gegen die Invasion ist ein strafbares Verbrechen. Darum haben wir den Roten Platz digital wiedererschaffen, um alle einzuladen zu einem friedlichen und sicheren Protest gegen den russischen Angriffskrieg in der Ukraine und die Unterdrückung der Rede- und Meinungsfreiheit in Russland“.

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In Russland drohen Protestlern hohe Haftstrafen

Für russische Teilnehmer weisen die Macher von Memorial darauf hin, dass man auf der Seite seinem Protest anonym Ausdruck verleihen könne. Allerdings seien in der echten Welt die Konsequenzen drastisch für all jene, die ihre Stimme gegen die Invasion erheben. Seit Inkrafttreten eines neuen Gesetzes am 4. März riskiere jeder, der ein Ende der Aggression der russischen Regierung fordere, die Verurteilung zu einer Haftstrafe zwischen drei und 15 Jahren. Dennoch fordern die Aktivisten der unter anderem mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichneten Organisation Memorial: „Bleibt stark, bleibt optimistisch.“

Am Samstag hat die deutsche Theodor-Heuss-Stiftung Memorial als älteste russische Menschenrechtsorganisation wegen ihres Einsatzes für die Meinungsfreiheit mit dem Theodor-Heuss-Preis ausgezeichnet.