Ändert die Abschaffung des Paragrafen 219a etwas?

Seit dem Prozess der Gynäkologin Kristina Hänel, die wegen Informationen zum Thema Abtreibung auf ihrer Webseite zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, schwelte die Debatte um den 219a.     Bild: dpa

Krankenhäuser bieten nur selten Schwangerschaftsabbrüche an und informieren kaum über das Thema. So ist die Lage in Wiesbaden.

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WIESBADEN. Der Bundestag hat vor zwei Monaten die Abschaffung des Paragrafen 219a StGB beschlossen. Das Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche ermöglichte bisher eine Strafverfolgung von Ärzten, die beispielsweise online Informationen zu Abtreibungen zur Verfügung stellten. Doch ändert die Abschaffung des Paragrafen in der Praxis tatsächlich etwas? Werden Ärzte und Krankenhäuser nun online transparenter informieren?

Eine Recherche der Netzwerke Correctiv.Lokal und FragDenStaat, bei der über 300 öffentliche Kliniken mit gynäkologischer Abteilung zum Thema Schwangerschaftsabbrüche befragt wurden, zeigte, dass bei den Krankenhäusern ein besonders Defizit an Informationen festzustellen ist. Im Rahmen der Recherche wurden die Kliniken befragt, ob sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Und wenn ja, nach welcher Indikation und Methode dort gearbeitet wird.

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Unterschieden wird zwischen drei Indikationen: Dem Schwangerschaftsabbruch nach einer Beratung mit dem sogenannten Beratungsschein, dem Abbruch wegen medizinischer Gefährdung von Mutter oder ungeborenem Kind sowie nach kriminologischer Indikation, die beispielsweise nach einer Vergewaltigung zum Tragen kommt. Darüber hinaus unterscheidet die Medizin zwischen operativen und medikamentösen Abbrüchen. Durch die Befragung ist eine umfangreiche öffentlich einsehbare Datenbank entstanden, welche Klinik welche Behandlungen anbietet. Für den Standort Wiesbaden haben wir alle Krankenhäuser um Auskunft gebeten. Das sind die Antworten:

Helios-Dr. Horst-Schmidt-Kliniken „Der Schwangerschaftsabbruch ist ein Eingriff, den wir selten bei uns sehen. Wir führen den Eingriff durch, wenn aufgrund von mütterlichen Risiken oder anatomischen Besonderheiten eine stationäre OP erfolgen muss. In diesen Fällen erfolgt die Zuweisung bereits über einen niedergelassenen Arzt. Grundsätzlich haben wir dann keine Indikationseinschränkung“, teilt Patrick Körber, Leiter der Kommunikation von Helios Wiesbaden-Taunus schriftlich mit.

Asklepios-Paulinen-Klinik Telefonisch erklärt Simone Voß, dass die Asklepios Paulinen Klinik grundsätzlich keine Schwangerschaftsabbrüche durchführe. Einzige Ausnahme sei eine „schwierige medizinische Indikation“. Das sei jedoch selbstverständlich und werde von allen Kliniken angeboten, so Voß. Beide Krankenhäuser sehen auch nach der Abschaffung des Paragrafen 219a keine Notwendigkeit, online darüber zu informieren, ob sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen.

Das St. Josefs-Hospital hat auf drei Anfragen, die erste bereits aus dem März, nicht geantwortet.