Gut ausgebildete Hunde in Reichelsheim

Erster Platz in der Fährtenhund-Prüfung: Thomas Lapp aus Niddatal und Herbert Kraus aus Gelnhaar (v.l.). Platz drei geht an Helmut Hüther aus Ranstadt.  Foto: Schneider

Zwei Teams erreichen das Traumergebnis und die Wertung "vorzüglich" bei der Fährtenhund-Prüfung. Lob gibt es für die Organisation der Ortsgruppe des Vereins für deutsche...

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. REICHELSHEIM (mü). "Wir haben ein Luxus-Problem", stellten die Leistungsrichter Gunter Endmann, Paul-Werner Koch und Reiner Beitel nach der Auswertung der Fährtenhund-Prüfung (FH) der Landesgruppe Hessen Süd in Reichelsheim gemeinsam fest. "Gleich zwei Hund-Halter-Gespanne haben die FH2 mit der Wertung 'vorzüglich' und der vollen Punktzahl von 100 absolviert." Es sind Thomas Lapp, Niddatal, Züchter im von ihm begründeten Zwinger von den Wölfen in Maintal, mit seinem bereits mehrfach ausgezeichneten Rüden Xioux von den Wölfen - sowie Herbert Kraus aus Gelnhaar mit seiner ebenfalls hoch qualifizierten Hündin Otessia vom Salztalblick aus der Zucht in Bad Soden-Salmüster. Platz drei gehörte Helmut Hüther aus Ranstadt mit Hündin Teckie vom Salztalblick, die 98 Punkte und somit ebenfalls die Wertung 'vorzüglich' erreicht hatte.

Alle Jury-Mitglieder lobten die Arbeit der Reichelsheimer Ortsgruppe des Vereins für Deutsche Schäferhunde unter ihrem Vorsitzenden Günther Opificius, dankten für die exzellente Organisation und Bewirtung sowie für die reibungslose Kooperation mit Landwirten und Jagdpächtern beim Fährtenlegen im Gelände. Letztgenannte hob auch der Schirmherr dieser Landesmeisterschaft, Dr. Erich Sehrt (CDU), selbst Jagdpächter im Gebiet, besonders hervor.

Seinen Abschied nahm der langjährige Leistungsrichter Gunter Endmann: Er habe sein Amt 30 Jahre lang mit Leidenschaft ausgeübt, die Arbeit mit Hunden und Haltern in freier Natur sei ihm immer eine große Freude gewesen, die er nur wegen des Erreichens der vorgeschriebenen Altersgrenze von siebzig Jahren hinter sich lasse, sagte Endmann, der ein Präsent aus den Händen von Leistungsrichter Paul-Werner Koch entgegennahm.

Leistungsrichter Reiner Beitel erläutert das Prüfungsprozedere: "Unsere vier Fährtenleger sind seit dem frühen Morgen um sieben Uhr unterwegs. Gemäß den Richtlinien umfassen Länge und Schwierigkeitsgrad bei der FH1 für Sporthunde 1200 Schritte Fremdfährte in Form von Duftspuren über Acker- oder Wiesengrund, eine Liegedauer der Fährte von zirka drei Stunden, bevor der Hund die Verfolgung aufnimmt, eine Route von sieben Schenkeln und sechs Winkeln. Hinzu kommen vier Gegenstände, etwa aus Holz, Filz, Leder oder Kork, die der Hund entlang der Fährte finden und anzeigen muss, sowie eine sogenannte 'Verleitungsfährte', eine fremde Duftspur, die den erwünschten Weg kreuzt, welcher der Hund aber nicht folgen darf." Die schwierigere FH2 umfasst 1800 Schritte Fremdfährte bei gleicher Liegedauer, acht Schenkel, davon einer als Halbkreis, sieben Winkel, davon sieben spitze Winkel, sieben zu findende Gegenstände und eine Verleitungsfährte.

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Was schon für die menschlichen Fährtenleger nach einer echten Herausforderung klingt, ist auch für den Hund eine Aufgabe, die gründlich trainiert werden muss. "Erwünscht und bewertet wird ein ruhiges, konzentriertes, positives und selbstständiges Suchverhalten des Hundes, mit tiefgesenkter Nase, in gleichmäßigem Tempo, ohne von der Fährte abzukommen oder Gegenstände auszulassen, ohne Einwirkung des Halters, der das Tier an einer zehn Meter langen Leine hält, aber nicht führt oder beeinflusst", erklärte Leistungsrichter Reiner Beitel das anspruchsvolle Prüfungssetting.

"Die Erfahrung des Trainings und solcher Landeswettbewerbe wie dem heutigen lehrt, dass derartige Anforderungen dennoch auch eine große Freude für den Hund sind, der sich an der Fährte mit Hingabe seiner Aufgabe widmet und das anschließende Lob seines Halters und die Leckerli genießt." So auch an diesem Tag des Landesentscheids mit 14 Teilnehmern, die ihre Tiere ab 10 Uhr die Fährten "ausarbeiten" ließen, wie es im Fachjargon heißt.

"Alters- und Generationengrenzen gibt es im Verein für Deutsche Schäferhunde nicht", sagte Reiner Beitel abschließend. "Die Welpen können ab einem Alter von acht Wochen mit dem Training, zum Beispiel auf die Fährte, beginnen und bis in ihre reifen Jahre Freude daran haben. Und die Halter? Jugendliche sind willkommen - und der älteste Teilnehmer des Tages ist der über 80 Jahre alte Friedrich Biehler aus Ebsdorfergrund, zweimaliger Weltmeister der Sparte Fährtenhund und mit seinen Tieren noch immer im Gelände.