Sanfter Tourismus in Stornfels

Stornfels ist der höchstgelegene Stadtteil von Nidda. Von dort bieten sich großartige Blicke in die Landschaft. Foto: Frühbis
© Frühbis

Übernachtungen im Baumhaus sind ein Tourismus-Trend, der sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Jetzt will eine Familie in der Nachbarschaft zum Berghotel drei Stelzenhäuser...

Anzeige

STORNFELS. Bundesweit erfreuen sich Ferienparks mit bewohnbaren Baumhäusern zunehmender Beliebtheit. Während der Trend in anderen Bundesländern mittlerweile recht verbreitet ist, müssen Gäste in Hessen diese außergewöhnliche Übernachtungsmöglichkeit lange suchen. Eine Familie aus Stornfels plant, dies zu ändern.

"Sanfter Tourismus im Baumhaus" lautet das Motto, unter dem Familie Gonglach ihr geplantes Projekt jetzt vorstellte. Während einer Ortsbeiratssitzung erläuterten die drei Brüder Lukas, Jonas und Philipp Gonglach im Bürgerhaus ihre Gedanken: Auf einem Grundstück, wenige Meter südöstlich des Berghotels Stornfels und nahe der Straße "Im Fürstengarten" gelegen, sollen die drei geplanten Holzferienhäuser in etwa vier Metern Höhe über dem Erdboden schweben.

Knapp 50 solcher Ferienhausanlagen finden sich deutschlandweit. Einzig das Baumhaushotel im nordhessischen Witzenhausen kann jedoch in Hessen mit dieser Idee aufwarten. Viele dieser Ferienparks bieten kleine, meist Ein-Zimmer-Häuschen an, die tatsächlich an alten, hochgewachsenen Bäumen in mehreren Metern Höhe aufwendig befestigt worden sind.

Gleich zu Beginn stellten die potenziellen Betreiber aus Stornfels allerdings klar, dass ihre Vision keine Baumhäuser in diesem klassischen Sinne umfasse. Es handele sich vielmehr um jeweils rund 30 Quadratmeter große Holzhäuser, die auf Stelzen montiert werden sollen.

Anzeige

Vorteile sehen die Gonglachs in erster Linie in ökologischer Hinsicht. Durch die Stelzen-Montage werde der Flächenverbrauch der Häuschen auf ein Minimum reduziert. Eine Beweidung, beispielsweise durch Schafe, könne zwischen den Stelzen problemlos weiterhin stattfinden.

Die Anlage mit dem Arbeitstitel "Das Liebholz" soll in den Augen der drei Brüder mit Strom-, Wasser- und Abwasseranschluss eine Vollausstattung haben und völlig autark von jeweils bis zu vier Personen bewohnbar sein. Zielgruppe seien Paare, kleine Familien und - im Hinblick auf den in unmittelbarer Nähe vorbeiführenden Vulkanringwanderweg - auch Wanderfreunde.

Während Ortsvorsteher Mario Schneider das Projekt als touristische Aufwertung grundsätzlich begrüßte, stieß die Präsentation beim Ortsbeirat und den anwesenden Gästen auf geteiltes Echo. Stadtverordnetenvorsteherin Susanne Repp gab zu bedenken, dass sich das anvisierte Grundstück derzeit im Eigentum der Stadt Nidda befinde.

Da Familie Gonglach nach eigenen Angaben plane, das Gelände zu erwerben, müsse das Vorhaben die städtischen Gremien durchlaufen und letztendlich das Stadtparlament dem Verkauf zustimmen. Fragen hinsichtlich Bebauungsplan und Anschluss ans öffentliche Kanalnetz kamen aus dem Plenum genauso auf wie Fragen bezüglich Naturschutz, Jagdrecht und bestehender Pachtverträge. Familie Gonglach betonte, dass sich das Vorhaben noch in einem sehr frühen Stadium befinde. Gespräche bei den zuständigen Behörden seien nach der Projektvorstellung vor dem Ortsbeirat die nächsten Schritte. Für die notwendigen formalen Vorgänge plane man mindestens ein Jahr ein.

Zwar stieß die Vorstellung, dass die Ferienhäuser nicht als "echte" Baumhäuser, sondern als Stelzenhäuser konzipiert würden, auf leichte Enttäuschung bei einzelnen Bürgern. Mit fünf Ja-Stimmen und zwei Enthaltungen begrüßte der Ortsbeirat dennoch das Projekt.