Kleines, aber feines Konzert in Borsdorf

Ein kleines, feines Jubiläums-Orgelkonzert gaben Dekanatskantorin Katrin Anja Krauße und Hans Martin Kaiser. Foto: Maresch

Mit eher schlichtem Prospekt schuf Orgelbauer Hartmann Bernhard aus Romrod 1821 die Orgel der evangelischen Kirche in Borsdorf. Anlässlich des 200. Geburtstages des Instruments...

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BORSDORF. Mit eher schlichtem Prospekt, nur mit zwei Sonnensymbolen verziert, schuf Orgelbauer Hartmann Bernhard aus Romrod 1821 die Orgel der evangelischen Kirche in Borsdorf. Anlässlich des 200. Geburtstages des Instruments lud die Kirchengemeinde zu einem Konzert ein, das Dekanatskantorin Anja Katrin Krauße und Hans Martin Kaiser spielten.

Pfarrer Michael Clement wies während der Begrüßung auf einen weiteren musikalischen Pluspunkt der Kirchengemeinde Borsdorf und Ober-Widdersheim hin: Organist Kaiser begleitet seit 43 Jahren fast jeden Sonntag die Gottesdienste. Der musikgeschichtlich interessierte Mann ist überregional in der Christian-Heinrich-Rinck-Gesellschaft Darmstadt aktiv. Er schätzt diesen Komponisten des frühen 19. Jahrhunderts und bewundert den Brückenschlag zwischen barocker Kontrapunktik und Stilelementen der Klassik und Frühromantik in dessen Werk.

Kaiser begann das Programm mit dem kraftvoll-rhythmischen Fughetto Allegro moderato in C-Dur von Georg Friedrich Händel samt einer kurzen, vorangestellten Improvisation. Krauße spielte das barocke Concerto in G von Christoph Wolfgang Druckenmüller. Reiche Verzierungen, Dialogpassagen zwischen Ober- und Unterstimmen, Triller und Läufe fügten sich zu einem festlichen Klangbild zusammen. Ein Menschenalter später schrieb Franz Xaver Schnizer eine Sonate in C mit vier kontrastierenden Sätzen, ebenfalls von Krauße gespielt: ein Allegro mit raschen perlenden Motiven, ein weiches filigranes Minuetto, eher stilisiert als eine tatsächliche Tanzmelodie, ein Intermezzo und ein schwungvoll schließendes Presto.

Kaiser ließ "O, du mein Trost", eine Choralkomposition von Johann Wolfgang Franck, mit steigenden und fallenden Melodielinien folgen. Anschließend spielte er eine höfisch-anmutige Komposition: das Präludium Allegro moderato in G-Dur von François Couperin le Grand, einem der Hofkomponisten des Sonnenkönigs.

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In die musikalische Romantik führte Krauße mit einem Andante, das Felix Mendelssohn-Bartholdy als 14-Jähriger komponiert hatte. Amüsant waren Joseph Haydns folgende "Stücke für Flötenuhr": hell, lieblich und ein wenig simpel, als wollte der Komponist ironisch darauf hinweisen, dass Spieluhr-Melodien zwar Ohrenschmeichler sind, aber an andere Musikgenres nicht heranreichen. "Bezeichnenderweise trägt eines der Haydn-Stücke den Titel ,Kaffeeklatsch'", verriet Krauße.

Ausführlich stellte Pfarrer Clement die Geschichte der Kirche und der Orgel dar. Schon 1316 war Borsdorf Filiale der selbstständigen Pfarrei Ober-Widdersheim. In vorreformatorischer Zeit hatte die Gemeinde, die dann zum evangelischen Bekenntnis wechselte, eine baufällige Kirche, die aber erst 1620 durch einen Neubau ersetzt werden konnte. Zumindest die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts war eine Armutsepoche in Oberhessen. Weil sich damals Risse im Ostchor und in der Südwand zeigten, wurden behelfsmäßig sieben Stützen angebracht. Im Frühjahr 1868 wurde die Kirche abgerissen. Den Neubau plante Bauakzessist Stein, nach fünf Jahren konnte die jetzige Kirche am 14. September 1873 eingeweiht werden. Die Saalkirche im neuromanischen Stil ist ein hessisches Kulturdenkmal. In der Bauzeit wurde die Orgel in der alten Kirche ab- und 1873 im Neubau durch den Enkel des ursprünglichen Orgelbauers, Theodor Carl Bernhard, wieder aufgebaut.

1960 erweiterte die Licher Firma Förster & Nicolaus die Orgel mit einer Pedallade mit den Registern Subbass 16' und Choralbass 4', ergänzte zwei Register im Manual und senkte die Tonhöhe durch das Umhängen der Traktur um einen Halbton. Eine zweite Restaurierung folgte 1978 durch die Orgelbaufirma Bosch (Kassel).

Pfarrer Clement brachte eine erneut notwendige Überholung der Orgel zur Sprache und fand die Zustimmung Kraußes und Kaisers, die sich eine Reinigung sowie eine Überholung der Traktur und einzelner Verschleißteile wünschen. Allerdings muss die gesamte Elektroanlage der Kirche erneuert werden, das soll mit einer Innenrenovierung verbunden werden, auch am Dach muss etliches gemacht werden. Erst nach dem Abschluss dieser Arbeiten macht eine Orgelrenovierung Sinn.

Mit dem Nachspiel G-Dur opus 139 Nr. 3 von Rinck erinnerte Kaiser an den 175. Todestag seines Lieblingskomponisten. Es folgte das Larghetto aus dem Concerto Grosso h-moll von Händel, das Kaiser für die Orgel arrangiert hatte. Mit dem Allegro vivace assai beendete Krauße das kleine, aber feine Orgelkonzert.