Kreisfinanzen: Finanzdezernent Walther legt Anlagerichtlinie vor

Finanzdezernent Matthias Walther und die Leiterin des Fachdienstes Finanzen, Inga Wagner. Foto: Elsaß

Der Wetteraukreis hat keine Anlage bei der Greensill Bank in Bremen und muss demnach auch nicht um Verluste bangen. Unabhängig davon hat der Kreisausschuss dem Kreistag eine...

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WETTERAUKREIS. Vor einigen Wochen sorgte die Nachricht für Aufsehen, dass mehrere deutsche Kommunen möglicherweise Einlagen in Millionenhöhe bei der Greensill Bank in Bremen abschreiben müssen. Der Wetteraukreis hat dort eigenen Angaben zufolge kein Geld und muss demnach auch nicht um Verluste bangen. Unabhängig davon hat der Kreisausschuss auf Vorschlag von Finanzdezernent Matthias Walther (CDU) dem Kreistag eine Anlagerichtlinie zur Beschlussfassung vorgelegt.

Die Kapitalflüsse einer Kreisverwaltung mit einem Haushaltsvolumen von mehr als 450 Millionen Euro sind komplex. Der Wetteraukreis muss sicherstellen, dass die notwendigen Mittel termingerecht zur Verfügung stehen. Kein leichtes Unterfangen bei monatlichen Zahlungsaus- und -eingängen in zweistelliger Millionenhöhe. Wie ein Unternehmen verfügt der Wetteraukreis daher über eine bedarfsgerechte und vorausschauende Liquiditäts- und mittelfristige Finanzplanung. So werden auch die Mittel für die anstehenden großen Investitionen und die Tilgungen von Altschulden bereitgestellt. Der Landesgesetzgeber schreibt zudem vor, liquide Mittel in bestimmtem Umfang vorzuhalten.

Niedrige oder sogar negative Zinsen sorgen nicht nur Sparer und Anleger, sondern auch die Kreisverwaltung. "Wir wollen es natürlich soweit wie möglich vermeiden, für die liquiden Mittel Zinsen zu zahlen", sagt Walther. "Dafür prüfen wir regelmäßig die verschiedenen Anlagemöglichkeiten. Zentral für unsere Entscheidungen ist dabei die Sicherheit der Anlage. Mit unserer neuen Richtlinie sehe ich den Wetteraukreis gut aufgestellt." Der Kreis müsse finanzielle Risiken grundsätzlich minimieren. Spekulative Finanzgeschäfte seien laut Hessischer Gemeindeordnung verboten, ebenso Fremdwährungsgeschäfte und die Aufnahme von Fremdmitteln zur Geldanlage. Ebenfalls verboten seien die Geldanlage in Aktieneinzelwerten, beispielsweise durch Kauf von Aktien eines einzelnen Unternehmens, Fremdwährungsanlagen, Investitionen in Edelmetalle oder Rohstoffe sowie die Geldanlage in Kryptowährungen.

"Ziele der Geldanlage sind stets die Sicherung des Kapitalstocks, die Sicherheit des wirtschaftlichen Ertrags und die Angemessenheit des Ertrags", umreißt Kreiskämmerer Matthias Walther die Ziele der Anlagerichtlinie. "Wenn wir die eingeholten Anlagevorschläge sichten, nehmen wir sofort die Einlagensicherungssysteme und das positive Rating der Anbieter in den Blick. Wir achten zudem auf eine ausreichende Streuung über unterschiedliche Kreditinstitute. Die Richtlinie gibt hier einen klaren Handlungsrahmen vor", sagt Inga Wagner, Leiterin des Fachdienstes Finanzen des Wetteraukreises. Zuständig für die Entscheidung bei kurz- und mittelfristigen Anlagen ist der für die Finanzen zuständige Dezernent. Bei Anlagen über zehn Millionen Euro muss die schriftliche Zustimmung des Landrates eingeholt werden. Die Entscheidung für langfristige Geldanlagen bedarf der Zustimmung durch den Kreisausschuss.

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Die erforderlichen liquiden Mittel sicher und ohne Negativzinsen anzulegen, sei eine Herausforderung, betont Walther. "Wir haben im Wetteraukreis ein komplexes Liquiditäts- und Zinsmanagement, das im Fachdienst Finanzen der Kreisverwaltung bestens aufgehoben ist", betont der Finanzdezernent abschließend.