IHK Gießen-Friedberg: Gesamtvertretung der Wirtschaft

Präsident Rainer Schwarz mit dem Redner, Professor Ferdinand Kirchhof, und Hauptgeschäftsführer, Dr. Matthias Leder (v.l.).  Foto: Diedolph

Im kommenden Jahr feiert die Industrie- und Handelskammer das 150-jährige bestehen. Zum Auftakt kam Professor Ferdinand Kirchhof und referierte darüber, warum der...

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REGION. Von den Ursprüngen der französischen "Chambre Superieur de Commerce" Ende des 16. Jahrhundert bis hin zur heutigen Industrie- und Handelskammer (IHK): "Es zeigte sich immer deutlicher, dass man eine Selbstverwaltung der Wirtschaft brauchte, auch um den Bürger für den Staat zu interessieren", erläuterte der ehemalige Richter des Bundesverfassungsgerichts, Professor Ferdinand Kirchhof, in seinem Festvortrag anlässlich des 150-jährigen Bestehens der IHK Gießen-Friedberg. Sein Vortrag "Perspektiven in die Zukunft: die IHK als gelebte Unternehmerselbstverwaltung" leitete das Jubiläumsjahr der IHK Gießen-Friedberg im kommenden Jahr ein.

Aus der vielfältigen Historie, darunter finden sich auch frühere Aufgaben wie Gewerbesteuereinzug oder die Idee der IHK als Modell für eine Räterepublik, greift das IHK-Gesetz die Vereinsidee von früher auf. Denn eine Körperschaft, so die heutige Rechtsform, sei nichts anderes als ein öffentlicher-rechtlicher Verein und damit eine Absage an die ursprünglich französische Vorstellung, dass die IHK nur der verlängerte Arm des Staates seien. Mit dem Zusatz einer Körperschaft des öffentlichen Rechts zeige sich dagegen, dass die IHK, wenn auch dezentralisiert und autonom, angebunden an staatliche Vorgaben seien.

Die Pflichtmitgliedschaft begründete der ehemalige Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts mit der Gesamtvertretung der Wirtschaft durch die IHK, was wiederum ihre gesetzlich zugewiesene Aufgabe sei. Die Vorteile der IHK kämen allen Mitgliedern zugute, daraus leite sich die Rechtfertigung des Zwangsbeitrags ab. Allen Mitgliedern stünden Stimmrechte, Rederechte oder Partizipation in den Gremien offen.

Welche zukünftigen Aufgaben zeichnen sich am Horizont ab? Im Zuge der Digitalisierung konnte sich Kirchhof vorstellen, dass die IHK IT-Netze planen, schalten oder betreiben. Wenn ein allgemeines Interesse der Wirtschaft bestünde, dürfte sich die IHK auch an Unternehmen beteiligen. Auch denkbar seien IHK als Wirtschafts-Cicerone, also als Fremdenführer durch die Unternehmenslandschaft für ausländische Unternehmen. So könne die IHK ein Türöffner werden, auch für Deutschland als Exportland.