Dorothea Preißer nimmt Abschied vom Bücherturm

Zum Ende des ersten Halbjahres wechselte Dorothea Preißer in den verdienten Ruhestand. Sie leitete viele Jahre die Bibliothek des Büdinger Wolfgang-Ernst-Gymnasiums.  Foto: Dippel

Dorothea Preißer, langjährige Leiterin der Bibliothek des Wolfgang-Ernst-Gymnasiums in Büdingen, geht in den Ruhestand. Schulleiter Oliver Eissing bezeichnete sie als Institution.

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BÜDINGEN. Büdingen (red). "Dorothea Preißer ist eine Institution an unserem Gymnasium", konstatierte Schulleiter Oliver Eissing mit größter Anerkennung für die Arbeit, die die Bibliotheksleiterin in den vielen Jahren ihres Wirkens am Wolfgang-Ernst-Gymnasium geleistet hat. Um einen solchen Status zu erreichen, brauche es eine lange Zeit, eine hohe Identifikation mit dem Amt und vor allem eine hohe Wirksamkeit, so Eissing weiter.

Zum Ende des ersten Halbjahres wechselte Dorothea Preißer in den verdienten Ruhestand. 33 Jahre war sie damit dem Gymnasium engstens verbunden, zunächst als Schülerin, später, während der Elternzeit, ehrenamtlich und dann 22 Jahre im Bücherturm des neuen Schulgebäudes. Die Grundidee ihres Wirkens in der Schulbücherei sei stets das Fördern von Chancen gewesen, so Preißer. "Es ging mir immer um Chancengerechtigkeit, Zuverlässigkeit und darum, ein breites Spektrum an Lernmöglichkeiten in Bezug auf Methoden, Fertigkeiten und Fähigkeiten zu schaffen." Und das war auch in jedem Winkel dieses Bücher-Universums am Gymnasium zu spüren: Wer in den Bücherturm kam, konnte nicht einfach nur Medien entleihen, sondern wurde darin unterstützt, sinnvoll Inhalte zu recherchieren, sich in der Bibliothek zu orientieren und den richtigen Schmöker oder das richtige Lehrbuch zu finden.

Dorothea Preißer sah den Bücherturm nie als ein stilles Angebot, das man aus eigenem Antrieb aufsuchen musste. Über vielfältigste Angebote verknüpfte sie sich mit dem Unterricht, veranstaltete Führungen, Rallyes und Wettbewerbe oder lud zu kleinen Lesungen ein. Wichtige gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse wurden durch Ausstellungen und Quizrunden begleitet, so zum Beispiel zum Jahrestag des Mauerfalls oder zur großen Van Gogh-Ausstellung im Städel. Von den Angeboten gelockt, konnte man nicht nur Preise gewinnen, sondern sich in der sorgsam zusammengestellten Literatur weiter informieren. Alles griff ineinander und verband das Spielerische mit dem Wissenszuwachs. Neben den Viellesern, die ihre Pausen gerne mit einem dicken Wälzer im gemütlichen Wintergarten der Schulbücherei verbringen, fanden aber auch immer diejenigen einen Weg in den Bücherturm, die noch keinen so selbstverständlichen Umgang mit Büchern und anderen Medien kennen.

Das letzte Jahr des weitgehenden Lockdowns war für Preißer eine zwiespältige Erfahrung. Zum einen sei durch die reduzierten Unterrichtszeiten Gelegenheit zum Aufräumen, Erneuern und Planen gewesen. Zum anderen habe sich aber auch gezeigt, wie wichtig es sei, die Schüler immer wieder an die Hand zu nehmen und mit ihnen die Bibliothek zu erkunden. Wenn die Präsenzzeiten beschränkt sind und Lehrer und Schüler nur unter Wahrung großer Abstände zueinander Unterricht machen können, sind Aktivitäten im Klassenverband nur schwer zu realisieren. Aber die stellen gerade für die Jüngsten an der Schule die erste Begegnung mit der Schulbibliothek dar. Und auch bei den Abiturienten habe sich gezeigt, dass trotz der durchgehenden Öffnung des Bücherturms nur wenige in die Schule gefahren kamen, um die dortigen Lernmöglichkeiten zu nutzen. Hier sieht Dorothea Preißer eine der zentralen Aufgaben für die Zukunft: Man müsse erreichen, dass die Lernenden die Angebote aus eigenem Impuls erkennen und annehmen, damit gerade mit Hinblick auf das Abitur aus einer Studierfähigkeit nicht irgendwann eine Studierberechtigung würde.

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Mit dem nun startendem Wechselunterricht wird aber auch die nicht gerade kleine Gemeinde der Bücherfreunde am Gymnasium wieder in ihren Glasturm strömen. An Lesestoff ist dort auch dank großzügiger Unterstützung der Fördergemeinschaft ein so großes Angebot vorhanden, wie es sich so manche Stadtteilbücherei wünschen würde. Eine solche Einrichtung lässt sich nicht von einer Leiterin allein stemmen: 84 mehrheitlich ehrenamtliche Helfer zählt Dorothee Preißer für die Zeit ihres Wirkens im Bücherturm.

Ihre Nachfolge ist bereits gesichert: Schulleiter Oliver Eissing zeigte sich glücklich, dass "im Gegensatz zu anderen Lücken" die Leitungsstelle in der Bücherei übergangslos neu besetzt werden konnte. Preißers Nachfolgerin, Juliane Strehm, ist mit ihrer Wirkstätte bestens vertraut, da sie schon seit Jahren zum Team des Leseturms gehört.