Drei "Stolpersteine" für Bobenhausen

Um den erforderlichen Abstand zu wahren, fand die Parlamentssitzung der Ulrichsteiner Stadtverordneten im Innovationszentrum statt. Foto: Graulich

Ulrichsteiner Stadtverordneten tagen im großen Saal. Um den Wald steht es schecht.

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. Ulrichstein (dgr). "Die guten Jahre für den Wald sind für die nächste Zeit vorbei", resümierte Revierleiter Peter Kraus bei seinen Ausführungen zum Waldwirtschaftsplan 2020 der Stadt Ulrichstein. In der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses, die am Freitagabend vor der Stadtverordnetenversammlung stattfand, stellte Kraus das Planwerk vor, das diesmal mit einem Defizit abschließt. Noch im November 2019 hatte der Entwurf des Waldwirtschaftsplanes 2020 mit einem geringen Überschuss abgeschlossen. Aufgrund der Käferkalamitäten und der Stürme habe sich die Situation im Stadtwald dramatisch verschlechtert, sodass der Plan noch einmal überarbeitet und aktualisiert wurde. Die beiden Ausschüsse, der Haupt- und Finanzausschuss und der Ausschuss für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Verkehr, stimmten dem Plan zu, wie auch im Anschluss die Stadtverordnetenversammlung. Aufgrund der Corona-Pandemie fand die Sitzung im Innovationszentrum statt, um so die erforderlichen Sicherheitsabstände zu gewährleisten.

Einstimmige Zustimmung erhielt der Antrag von Norman Kleeblatt aus New York auf Verlegung von "Stolpersteinen" für dessen drei Vorfahren im Gehweg der Hoherodskopfstraße 24 in Bobenhausen II. In der Erläuterung zu dem Antrag verwies Bürgermeister Edwin Schneider darauf, dass Ulrichstein seit dem 14. Jahrhundert eine lange jüdische Geschichte habe. Kleeblatt habe bereits in 2017 Kontakt zu ihm aufgenommen und auch mit einer Abordnung Ulrichstein und Bobenhausen besucht. Auch in diesem Jahr sei er mit zwei weiteren Personen hier gewesen und habe die jüdischen Friedhöfe, das Museum im Vorwerk und das Haus, in dem seine Vorfahren, die Familie Aron, wohnten, in Bobenhausen II besichtigt. Der jetzige Besitzer ist mit der Verlegung der Stolpersteine einverstanden.

Die "Stolpersteine" sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln, sogenannten "Stolpersteinen", soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die quadratischen Messingtafeln mit abgerundeten Ecken und Kanten sind mit von Hand mittels Hammer und Schlagbuchstaben eingeschlagenen Lettern beschriftet. Die Kosten für die Verlegung der drei "Stolpersteine" in Höhe von rund 500 Euro werden von der Stadt übernommen.

Einstimmig beschlossen wurde der Verzicht auf die Erhebung der Kindergartenbeiträge für die Monate April und Mai wegen der Corona-Pandemie. Als Begründung wurde angeführt, dass es in der aktuellen Lage, wegen der Schließung der Kitas, angemessen sei, Familien, die derzeit keinen Anspruch auf Kinderbetreuung in der Kindertagesstätte hätten und oftmals auch unter finanziellen Sorgen litten, dadurch zu unterstützen. Für die Kinder in der Notbetreuung der Kindertagesstätte fallen weiterhin Beiträge an.

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Nachträglich stimmten die Stadtverordneten der Veräußerung eines Baugrundstückes im Baugebiet "Fügweg" im Stadtteil Ober-Seibertenrod zu, da die letzte Sitzung ausgefallen war und die Käufer bereits einen Bauantrag für Haus und Carport beantragt haben.

Wegen der Dringlichkeit der Maßnahme war auch bereits von der Betriebskommission des Eigenbetriebes und des Magistrates der Auftrag für den Ausbau des Brunnens auf dem Gelände des Hochbehälters in der Kernstadt Ulrichstein an die Firma Nottuln/Westfalen vergeben worden. Diese hat inzwischen schon die äußere Hilfsverrohrung gezogen und die innere Verrohrung bis über 50 Meter bereits gelockert und teilweise herausgezogen. Die Rohre müssen aber mit einem Bohrgerät entfernt werden, das gleichzeitig halten und drehen kann, da die Rohre verschraubt sind. Dieses Gerät sei allerdings noch nicht vor Ort. Der Auftrag für die anschließend einzusetzenden Filterrohre sei ebenfalls schon erteilt. Sie würden Mitte Juni geliefert. Für den Ausbau des Brunnens seien zwölf Wochen vorgesehen. Brunnenkopf und die Brunnenhaube sollen nach 20 Wochen Bauzeit fertig sein. Die veranschlagten Kosten bezifferte Bürgermeister Schneider mit rund 166 600 Euro.