Frauen fliegen auf Vogelsberger "Lagerfeld"

Wilfried Kraft bei der Sonderausstellung "Karl lagerfeld. Fotografie".  Foto: Kraft

Seit Jahren wollte das Lagerfeld-Double aus dem Vogelsberg schon die international bekannte Sonderausstellung "Karl Lagerfeld. Fotografie" live besuchen.

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. Vadenrod (lb). Die Straßen sind leer, öffentliche Gebäude, Flaniermeilen, Einzelhandelsgeschäfte, Eisdielen, Cafés und Restaurants für den freien Zutritt und ausgedehnten Besuch bis auf Weiteres geschlossen. Allein Apotheken und Lebensmittelgeschäfte sowie einige andere wenige Märkte, die für das Leben wichtig sind, haben geöffnet. Vielerorts gehen die Kunden mit Schutzhandschuhen und Mundschutz unter strengen Sicherheitsmaßnahmen einkaufen. In Deutschland gilt ein Kontaktverbot, soziale Kontakte beschränken sich bei den meisten auf die eigene Familie in den eigenen vier Wänden. Sensible Menschen spüren eine getrübte Stimmung, freudiges Lachen und Zuversicht gehen buchstäblich im Fortschreiten der Corona-Krise unter. Wie schnell sich das Leben doch von heute auf morgen wandeln kann.

Ein kleines Virus versetzt die ganze Welt in Angst und Schrecken und zwingt förmlich die Leute zuhause zu bleiben. Wie in einem schlechten Science-Fiction-Film, völlig abstrus und irgendwie unbegreiflich. Vor vier Wochen sah es bei uns noch ganz anders aus. Die Menschen machten sich auf, dem Leben zu begegnen. Einer von ihnen war zweifelsohne der Vadenröder Wilfried Kraft, das hiesige Pendant zum König der Haute Couture Karl Lagerfeld.

Die sportliche Figur, weiße, lange Haare zum Zopf zusammengebunden, eine schwarze Hose, weißes Hemd, schwarzes Jackett und Handschuhe, ein Vollbart und letztlich die große Sonnenbrille im Gesicht - die Ähnlichkeit mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Modezaren aus Paris scheint verblüffend und sorgt auch immer wieder für unvergessliche Momente und kleine Schmunzler, gewährten kürzlich die Schwalmtaler Eheleute Kraft unserer Zeitung einen frischen Einblick in ihre Abenteuer auf Reisen.

Seit Jahren wollte das Lagerfeld-Double aus dem Vogelsberg schon die international bekannte Sonderausstellung "Karl Lagerfeld. Fotografie" live besuchen. Im Ausland heiß begehrt, in Deutschland eher selten, bot sich - nach Hamburg im vergangenen Jahr - für das Ehepaar Ingeborg und Wilfried Kraft Anfang des Monats die Chance zur Ausstellungseröffnung in Halle im Kunstmuseum Moritzburg. Schon beim Vorfahren und Einparken schienen manche Besucher der Vernissage ihren Augen nicht mehr zu trauen.

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"Als ich dann noch in voller Montur ausstieg, waren etliche aus dem Häuschen und zeigten mit dem Finger auf mich. Je mehr wir uns dann noch dem Ausstellungsgelände näherten, desto mehr rannten wildfremde Frauen auf uns zu, baten um ein Foto mit mir und knipsten wie die Weltmeister. Einige Besucher dachten sogar, das Kunstmuseum hätte mich als Double engagiert", beschrieb Kraft seine magische Anziehungskraft auf das vornehmlich weibliche Geschlecht am Weltfrauentag in Sachsen. "Ein unbeschreibliches Gefühl", freute sich der weltoffene, gebürtige Alsfelder auf diese ihm zuteilgewordene Ehre als Star.

Übrigens: Offiziell als "Eyecatcher" verpflichtet wurde Kraft nicht. Als eingefleischter Fan von Lagerfeld wollte sich der coole Typ aus dem Schwalmtal lediglich einen lang gehegten Wunsch erfüllen, endlich die mehreren hundert Fotografien seines Idols zu sehen und auf sich wirken zu lassen. Dass er dabei im Aussehen, Gang und der maskenhaften Mimik dem großen Meister sehr gleiche, dürfe gerne als Hommage verstanden werden, erklärte das 75-jährige Hobbymodel mit weitaus jüngerem Aussehen seine persönliche Widmung und Faszination für den charismatischen Modezaren. Wenn einer eine Reise macht, dann kann er was erzählen.