Vogelsbergkreis: "Lage in Heimen spitzt sich zu"

Das Alten- und Pflegeheim Haus Martin in Wingershausen steht wegen eines Corona-Ausbruchs unter Quarantäne.  Foto: Weil

Jede dritte Einrichtung der Altenpflege im Vogelsbergkreis ist von Corona-Fällen betroffen. Und jede zweite der Behindertenhilfe. Einen Ausbruch gibt es auch in einem Alten-...

Anzeige

SCHOTTEN/VOGELSBERGKREIS. Das Alten- und Pflegeheim Haus Martin in Wingershausen ist von einem Corona-Ausbruch betroffen. Wie die Leiterin Andrea Martin am Mittwoch auf Anfrage des Kreis-Anzeigers mitteilte, verlief der PCR-Test für 30 Heimbewohner positiv. Vom 47-köpfigen Mitarbeiterteam sind zwölf positiv getestet worden. Die Ergebnisse von sechs Tests aus dem Mitarbeiterkreis standen noch aus.

Sieben der Heimbewohner hatten eine erhöhte Temperatur und wurden daraufhin in ein Krankenhaus eingeliefert. "Glücklicherweise war die Aufnahme problemlos möglich", so Andrea Martin. Die anderen infizierten Bewohner sind weiterhin in der Einrichtung in Wingershausen. Hier wurden separate Quarantänebereiche eingerichtet, um eine Übertragung des Virus auf die gesunden Heimbewohner zu vermeiden. Alle Gemeinschaftsräume wurden geschlossen, die Bewohner müssen in ihren Zimmern bleiben.

Am späten Dienstagabend hatte die Heimleitung die Öffentlichkeit im Internet unterrichtet. Demnach hatte das Gesundheitsamt am vergangenen Samstag mitgeteilt, dass ein Bewohner in einer Klinik positiv auf Corona getestet worden sei. "Daraufhin haben wir alle Bewohner und das Personal einem Schnelltest unterzogen. Hierbei waren 21 Bewohner und 13 Mitarbeiter positiv", so Andrea Martin. Am Montag wurden dann alle Bewohner und Mitarbeiter einem PCR-Test unterzogen, deren Ergebnisse am Mittwoch bekannt wurden. "Die Mitarbeiter weisen alle eine leichte Symptomatik auf." Das zur Verfügung stehende Personal könne die Arbeit noch leisten. Auch erhalte das Haus Unterstützung von externen Kräften. "Wir schaffen es noch", betonte die Heimleiterin. Wie sie weiter mitteilte, sei das Personal des Ambulanten Pflegedienstes Andrea Martin nicht mit dem Corona-Virus infiziert.

In den Alten- und Pflegeheimen des Vogelsbergkreises spitzt sich nach Darstellung der Kreisverwaltung "die Lage von Minute zu Minute zu". "In zahlreichen Einrichtungen gibt es Covid-19-Fälle mit einem teils eklatanten Ausbruchsgeschehen, was auch zu einem Besuchsverbot in diesen Einrichtungen führt." Darauf weist das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises am Mittwoch in einem Schreiben hin, das an alle Alten- und Pflegeheime verschickt wurde.

Anzeige

Die seit Mittwoch gültige Corona-Einrichtungsschutzverordnung des Landes sehe diverse Verschärfungen in Bezug auf Personaltestungen (mindestens einmal wöchentlich) und das generelle Tragen von FFP2-Masken für Personal und Besucher vor, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreisverwaltung. "Zudem gilt ein Besuchsverbot in Einrichtungen, in denen ein meldepflichtiges Infektionsgeschehen oder eine Infektion mit SARS-CoV-2 vorliegt", stellt Dr. Henrik Reygers, der Leiter des Vogelsberger Gesundheitsamtes, fest. "Aus infektionshygienischen Gründen ist die Umsetzung der Verordnung durch die Heime hinsichtlich des Besuchsverkehrs strikt einzuhalten", so Reygers weiter. Ausnahmen für enge Familienangehörige und nahe stehende Personen seien aus ethisch-sozialen Gründen, beispielsweise im Rahmen von Sterbeprozessen, durch die Einrichtungsleitung zu genehmigen, aber prinzipiell möglich.

Positiv getestete Bewohner einer Einrichtung erhielten eine Zimmerquarantäne, ebenso die Kontaktpersonen der Kategorie 1. Für mobile Bewohner mit einem negativen Testergebnis werde empfohlen, das Grundstück nicht zu verlassen, um das Einschleppen von Infektionen von außerhalb zu verhindern. Positiv getestetes Pflegepersonal bleibt, so Dr. Reygers weiter, in häuslicher Quarantäne, mindestens für sieben Tage. Auf Antrag könne die 14-tägige Quarantäne verkürzt werden, wenn der Mitarbeiter 48 Stunden symptomfrei sei.

Den Heimen, aus denen bislang noch keine Covid-19-Fälle bekannt sind, wird aufgrund ständig steigender Infektionszahlen und kaum noch nachvollziehbarer Infektionsketten nachdrücklich empfohlen, diese Regelungen "unbedingt und ausnahmslos zu übernehmen", sagt Dr. Reygers.

Nach einem Bericht der Hessenschau vom Wochenende, die sich auf Zahlen des Regierungspräsidiums Gießen beruft, ist jede dritte Einrichtung in Hessen von Corona betroffen. Das ist mittlerweile auch im Vogelsbergkreis der Fall, wie den Zahlen des Landkreises zu entnehmen ist. Aktuelle Ausbrüche gibt es demnach in acht der 23 Altenheime und zwei der vier Einrichtung der Behindertenhilfe: 86 Bewohner von Altenheimen sind aktuell erkrankt, vier in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Bei den Mitarbeitern sind es 40 beziehungsweise einer. Von den insgesamt 31 Verstorbenen, die es im Verlauf der Pandemie im Kreis bis Mittwoch zu beklagen gab, lebten 22 in solchen Einrichtungen. Größere Corona-Ausbrüche in Altenheimen sind in den vergangenen Wochen und Tagen im Haus Stephanus in Alsfeld, im Heim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Lauterbach und aktuell im Alsfelder Rambachhaus bekannt geworden. Und am Dienstagabend kam dann die Meldung aus Wingershausen.