Schottener Gewerbeverein will sich neu ausrichten

Der neue Vorstand des Schottener Gewerbevereins mit (von links)  Joachim Haas, Marco Frank, Jürgen Schwab, Ralph Koster, Angela Erichs, Arno Mangold, dem Vorsitzenden Eric Pohlmann und Markus Mergard. Es fehlt Ines Armbrust.  Foto: Weil

Die zukünftige Ausrichtung des Gewerbevereins stand im Mittelpunkt einer Tagung im Akzent Hotel Haus Sonnenberg. Eingeladen dazu waren auch Vertreter der Fraktionen der...

Anzeige

SCHOTTEN. Die zukünftige Ausrichtung des Gewerbevereins stand im Mittelpunkt einer Tagung im Akzent Hotel Haus Sonnenberg. Eingeladen dazu waren auch Vertreter der Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung sowie Stadtverordnetenvorsteher Hans Dieter Herget und Bürgermeisterin Susanne Schaab.

Coronabedingt konnte eingangs Vorsitzender Eric Pohlmann nur von wenig Aktivitäten berichten. Neben verschiedenen Vorstandssitzungen wurde lediglich der Weihnachtsmarkt 2019 durchgeführt.

Die Neuwahlen des Vorstandes waren im Schnelldurchgang erledigt, da das Führungsteam im Vorfeld erklärt hatte, für weitere zwei Jahre zur Verfügung zu stehen. Vorsitzender bleibt Eric Pohlmann, sein Stellvertreter ist Joachim Haas, Rechnerin weiterhin Angela Erichs und Schriftführerin Ines Armbrust. Als Beisitzer fungieren Marco Frank, Ralph Koster, Jürgen Schwab, Markus Mergard und Arno Mangold.

Mit deutlichen Worten führte Eric Pohlmann ins Hauptthema des Abends ein, der zukünftigen Ausrichtung des Vereins: "Wohin geht die Reise? Ist der Name Gewerbeverein noch zeitgemäß? Welche Ziele stecken wir uns?" Seine Fragen ergänzte Pohlmann mit einer Analyse des aktuellen Zustands. "Uns fällt es schwer, neue Mitglieder zu gewinnen. Die Vorteile, die der Gewerbeverein bieten könnte, sind nicht sichtbar. Der Gewerbeverein als solches steht praktisch nur noch auf dem Papier", sagte Pohlmann. Der frühere Vereinszweck sei weitgehend obsolet geworden. "Der klassische Einzelhandel existiert in Schotten praktisch nicht mehr. Wir müssen den Verein anders aufstellen", betonte der Vorsitzende. Als zukünftige Arbeitsfelder nannte er die verstärkte Information über verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsbilder in der Schottener Großgemeinde, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Ein weiteres Standbein soll die Innenstadtentwicklung werden. Für beide Bereiche hatte der Vorstand in der jüngsten Vergangenheit bereits Arbeitsgruppen gebildet. Um attraktiver und zeitgemäßer zu werden, soll der Verein zudem einen neuen Namen erhalten. Für die Umsetzung wird unter anderem ein Netzwerk mit den politischen Akteuren der Stadt angestrebt. Der Kontakt mit den Schulen soll verstärkt aufgenommen werden. "Wir müssen als Verein in die Schule gehen, um die Schüler über die Vorteile nicht-akademischer Berufe zu informieren, um nicht nur in Richtung Abitur und Studium zu denken", betonte Pohlmann. Als Frist, um etwas zu erreichen, nannte der Vorsitzende die bevorstehenden zwei Jahre. "Wenn sich dann kein Erfolg zeigt, sehe ich für den Verein keine Zukunft mehr."

Anzeige

Mehr Wertschätzung für das Handwerk zu fördern, nannte Ralph Koster ergänzend als wichtiges Ansinnen. In Sachen Stadtentwicklung bringe die Landesgartenschau 2027 genügend Motivation. "Wir sind in Aufbruchstimmung. Wir müssen jetzt die Weichen stellen." Dafür soll der Schulterschluss mit dem Ortsbeirat gesucht und die Zusammenarbeit mit der Kommunalpolitik insgesamt verstärkt werden.

Joachim Haas fragte vor dem Hintergrund des Arbeitskräftemangels nach den Erwartungen junger Menschen hinsichtlich eines beruflichen Umfeldes. "Es geht auch um ein Stück Vertrauen und Geborgenheit, das Arbeitgeber den Jugendlichen vermitteln müssen." Gastronom Karl Appel schlug für die praktische Umsetzung vor, ein Kataster über die vorhandenen Betriebe, die Ausbildungschancen sowie die beruflichen Möglichkeiten zu erstellen. "Wir müssen Schüler und Eltern detaillierter und besser informieren, was Schotten ihnen bieten kann", so Appel. Bürgermeisterin Susanne Schaab wies darauf hin, dass sich "auch im Handwerk gut verdienen lasse. "Wir sollten die Lehrer verstärkt informieren, um bei ihnen die Wertschätzung für handwerkliche Berufe zu erhöhen." Willi Zinnel schlug vor, vermehrt auf digitale Informationsangebote zu setzen, zum Beispiel Videoclips, in denen sich Firmen vorstellen könnten. Dies allein werde nicht ausreichen, so Marco Frank. "Die Jugendlichen haben schon einen sehr starken Medienkonsum. Es benötigt auch persönliche Kontakte."

Hans Dieter Herget schlug vor, einen "strukturierten Prozess" anzustoßen, in dem auch die Vorteile eines "guten Berufes" in Schotten herausgestellt werden könnten. "Wir haben in Schotten viele Stärken wie das Kita- und Schulangebot, das Krankenhaus und die Vereine. Das bekomme ich von Zugereisten immer wieder zu hören." Die Bürgermeisterin appellierte an die Betriebe. "Die Unternehmen sind auch selbst gefordert, um sich für Nachwuchskräfte interessant zu machen. Das bedarf allerdings einiger Anstrengungen."