Für den natürlichen Lebensraum im Vogelsberg

Klaus Pfarrer, im Schottener Forstamt für den Naturschutz zuständig, an der renaturierten Nesselberg-Quelle.  Foto: Weil

Die Renaturierung von Quellen ist wichtig für den Naturschutz. Das Vorkommen der Rhönquellschnecke und des Alpenstrudelwurms gilt dabei als Zeichen für die gute...

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SCHOTTEN. Der Vogelsberg ist sehr wasserreich. In den höheren Lagen gibt es zahlreiche Quellen, aus denen Wasser ans Tageslicht sickert. Die allermeisten von ihnen sind in den offiziellen Karten nicht verzeichnet. Die Quellbereiche sind Biotope. So ist es im Paragrafen 30 des Bundesnaturschutzgesetzes verankert. In den vergangenen Jahren hat der hessische Landesverband für Höhlen- und Karstforschung zahlreiche Quellen im Vogelsberg kartiert und untersucht. Ziel ist es, so der Vorsitzende Stefan Zaenker, das Vorkommen der Quellen zu dokumentieren und ihre Wasserqualität zu erfassen. Hohe Bedeutung hat auch die Analyse, inwieweit diese Qualität gefährdet ist und welche geeignete Schutzmaßnahmen im Sinne einer Renaturierung ergriffen werden können.

So wurde zum Beispiel mit Unterstützung des Schottener Forstamtes vor mehr als drei Jahren die Quelle "Sauborn" am Wanderparkplatz in der Senke zwischen Breungeshain und Sichenhausen in einen natürlichen Zustand zurückversetzt werden. Neuestes Projekt ist die Quelle "Nesselberg" unterhalb des Parkplatzes "Buschhorn" an der Oberwaldstraße nach Ilbeshausen-Hochwaldhausen. Hier war vor vielen Jahren, wie bei größeren Quellen früher üblich, das Wasser beim Erdaustritt in eine Betonfassung geleitet worden. Das Problem dabei war die Beschneidung beziehungsweise Gefährdung des Lebensraumes der Quellwasserbewohner, die mit bloßem Auge meist kaum zu erkennen sind. Die Nesselbergquelle ist zum Beispiel das Refugium des Grundwasserkrebses. Die winzigen Tiere sind nachtaktiv und verlassen zur Nahrungssuche ihr schützendes Umfeld im Grundwasser. Aufgrund ihrer Lichtempfindlichkeit müssen sie tagsüber Schutz im Grundwasser suchen.

Durch die frühere Verrohrung der Quelle war den Krebsen häufig der Rückweg versperrt. Durch den im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Vogelsbergkreises durchgeführten Rückbau der Verrohrung konnte der ursprüngliche Zustand der Quelle wiederhergestellt werden. Zu den Arbeiten gehörten auch umfangreichen Erdbewegungen mit dem Bagger, um das Gelände für einen natürlichen Wasserlauf zu modulieren. "Solche Maßnahmen sind enorm wichtig, wenn wir auf Dauer eine gute Trinkwasserqualität erhalten wollen", erläutert Stefan Zaenker. Der Experte hofft jetzt darauf, dass die Rhönquellschnecke und der Alpenstrudelwurm, deren Vorkommen im Vogelsberg nachgewiesen sind, die renaturierte Quelle wieder besiedeln. Die rund zwei Millimeter große Rhönquellschnecke kommt außer im Vogelsberg weltweit nur noch in der Rhön vor. Der Alpenstrudelwurm ist ein Eiszeitrelikt. Sein Vorkommen gilt als Parameter für eine sehr gute Wasserqualität. Die beiden winzigen Tiere benötigen konstante Lebensverhältnisse. Auf Störungen reagieren sie sehr empfindlich.

Der dauerhafte Schutz der Quellbiotope ist eine vordringliche Aufgabe, sind sich die Beteiligten an den Renaturierungsmaßnahmen einig. Nur so könnten sie für die Nachwelt erhalten und die Trinkwasserqualität geschützt werden. Das Schottener Forstamt engagiere sich schon seit geraumer Zeit für dieses Ziel, so der für den Naturschutz zuständige Klaus Pfarrer. Die Behörde hat mit Fördermitteln aus der hessischen Biodiversitätsstrategie des Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie Ersatzgeldern der Unteren Naturschutzbehörde in den vergangenen Jahren verschiedene Maßnahmen umgesetzt. So wurden im Rahmen von Quellsanierungen neben der Beseitigung von Rohren und Betoneinfassungen auch Nadelhölzer entfernt. Diese Baumart hat eine Versauerung der Böden zur Folge, was sich schädlich auf die Quellbereiche auswirkt.