Späthippies geben in Hörgenau den Takt an

„Rumpelstilzchen“ Sylvia Suckow beleuchtete das Ortsgeschehen (links), und es wurde auch erklärt, worauf es geschlechtstypisch beim Duschen ankommt. Fotos: Eigner

Die traditionellen Narrenkappen blieben beim Kappenabend in Hörgenau zu Hause im Schrank – die gute Stimmung glücklicherweise nicht. Statt gepflegtem gutbürgerlichem...

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HÖRGENAU. (eig). Die traditionellen Narrenkappen blieben beim Kappenabend in Hörgenau zu Hause im Schrank – die gute Stimmung glücklicherweise nicht. Statt gepflegtem gutbürgerlichem Humba-Täterä herrschte auf der Bühne im DGH Hörgenau stilechte Flower-Power-Atmosphäre. „Born to Be Wild“ – mit der (auf der aufgeblasenen Gummi-Gitarre „gespielten“) inoffiziellen Hymne der 68er-Generation gab das Moderatorenduo Danny Tamm und Thomas Ruppel gleich vom Start weg den Takt vor.

„Rumpelstilzchen“ Sylvia Suckow beleuchtete das Ortsgeschehen (links), und es wurde auch erklärt, worauf es geschlechtstypisch beim Duschen ankommt. Fotos: Eigner

Ganz locker vom Hocker und stilecht im Regenbogenhemd führten die „Zwillinge“ durch die Sitzung. Zeitgenössische Einspieler wie die eines Interviews über langhaarige Jugendliche oder zur Einführung des Farbfernsehens durch Vize-Bundeskanzler Willy Brandt trugen zur gelungenen Einstimmung in die späten 1960er Jahre bei. Auch Unterhaltungen im typischen Soziologendeutsch oder Kommentare zur sexuellen Revolution durften da nicht fehlen. Und anstelle von Karnevalsorden gab es für die Darsteller natürlich Blumenkränze um den Hals.

Als bewährter Faktor der Hörgenauer Fastnachtsabende nahm Silvia Suckow in ihrer mittlerweile schon traditionellen Rolle als „Rumpelstilzchen“ die große und kleine Politik aufs Korn. Ob Dieselskandal, Hitzesommer, die diversen Eskapaden des Donald Trump oder die Straßenausbaubeiträge – da wurde kaum etwas ausgelassen, und kein Auge blieb trocken. Auch die geplante Sanierung des Hörgenauer Dorfgemeinschaftshauses sparte Silvia Suckow nicht aus und spekulierte, ob da nicht vielleicht eine ähnliche finanzielle Überraschung warte wie bei Stuttgart 21 oder beim Berliner Flughafen.

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Ein besonderes „Phänomen“ betrachtete Birgit Weller in ihrem Solobeitrag, nämlich das der Krims-Krams-Schublade in der Küche. „Die ist wie ein schwarzes Loch im Universum, sie zieht alles an, es kommt aber nie wieder etwas heraus“, meinte sie, denn hier fänden sich mindestens 200 aufgehobene Kugelschreiber oder abgebrochene Bleistifte und vertrocknete Einweckgummis. Als „geplagte Hausfrau“ klagte dann Roswitha Graumann über die „unstillbare Lust“ und den „unzählbaren Frust“ und damit über ein Thema, das noch in den 1960er Jahren „Up to Date“ war.

Irmtraud Hanisch schlüpfte in die Rolle einer Fremdenführerin im Pariser Louvre und berichtete gekonnt im französischen Akzent über das dortige Gemälde „Die Vertreibung aus dem Paradies“ samt der Menschwerdung und dem Schicksal von Adam und Eva. Über männliche Eigenarten und Beziehungsprobleme ging es in dem Zwiegespräch der „Zwei Nachbarinnen“ Irmtraud Hanisch und Birgit Weller.

Den kleinen Unterschied zwischen den Geschlechtern hatten sich auch die vier Akteurinnen beim gelungenen Abschlusssketch zum Thema erwählt – genauer gesagt den Unterschied zwischen Männern und Frauen beim Duschen. Eine fulminante gelungene Choreografie zu einer feuchten Angelegenheit, bei der viel gelacht werden konnte und kein Auge trocken blieb.

Zwischen den einzelnen Sketchen sorgten die Gardetanzformationen aus der Gemeinde Lautertal sowie aus Herchenhain für Abwechslung. Die Damentanzgruppe aus Eichenrod wurde als rotverkleidete Feuerteufelinnen vom Publikum bejubelt. Mia Wiegand und Paula Hansel schließlich glänzten zu zweit als die „kleinste Garde der Welt“.