Neun Jahrzehnte Schutz für Dirlammen

Nicht nur die Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Dirlammen freut sich auf das Festwochenende. Foto: Ganz

Am 18. und 19. August will die Freiwillige Feuerwehr Dirlammen ihr 90-jähriges Bestehen feiern. Verbunden damit ist auch der Gemeindefeuerwehrtag der Gemeinde Lautertal.

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DIRLAMMEN. (gst). Am 18. und 19. August will die Freiwillige Feuerwehr Dirlammen ihr 90-jähriges Bestehen feiern. Verbunden damit ist auch der Gemeindefeuerwehrtag der Gemeinde Lautertal. Nach 90 Jahren wollen sich die Aktiven der Einsatzabteilung natürlich noch „jung“ präsentieren und hoffen auf viele Besucher an den beiden Festtagen.

Über die vorher bestehende Pflichtfeuerwehr liegen keine schriftlichen Aufzeichnungen vor. Ältere Mitbürger von Dirlammen erzählen von einer Brandkatastrophe, die sich am 26. September 1921 ereignet hatte. Zu dieser Zeit hatte der Schreinermeister und Landwirt Friedrich Hansel die Dreschmaschine. Während der Frühstückspause zündeten spielende Kinder einen in der Nähe des Gebäudes lagernden Strohhaufen an, wodurch das Anwesen Hansel in Brand geriet. Das Feuer griff auf weitere Häuser über und vernichtete außerdem die Gebäude von Karl Roth, Heinrich Luft, Heinrich Rück und Johannes Schwarz. Da Trockenheit und Wassermangel herrschte, mussten die Wehrmänner Jauche zum Löschen benutzen. Am 8. August 1928 war es dann soweit und die Freiwillige Feuerwehr Dirlammen wurde aus der Taufe gehoben. Im Gründungsprotokoll ist darüber nachzulesen: „Die seitherige Pflichtfeuerwehr trat mittags um ein Uhr am Gerätehaus an und marschierte unter dem Kommando des ersten Kommandanten Schmidt zum Dorfausgang nach Lauterbach, um den Herrn Kreisfeuerwehrinspektor Bechthold, welcher um 1.30 Uhr einzutreffen gedachte, zu begrüßen. Der Herr Kreisinspektor traf zur fraglichen Zeit pünktlich ein und marschierte die Front der Wehr ab. Er stellte nun folgende Aufgabe: Das Schulhaus brennt und der Wehr fällt die Aufgabe zu, das Feuer zu bekämpfen und die Nachbargebäude zu schützen. Nachdem nun der Brandangriff zur vollsten Zufriedenheit des Herrn Feuerwehrinspektors ausgefallen und die Geräte wieder eingebracht waren, versammelte sich die Wehr im Saale des Gasthauses Seling, um der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr näher zu treten. Herr Bechthold streifte nur kurz die heutige Übung und kam dann auf die Entstehung der Freiwilligen Feuerwehren zu sprechen. (...) Nach den Ausführungen des Redners entspann sich eine kurze Debatte und sämtliche Feuerwehrleute, mit Ausnahme des Wehrmannes Karl Ziegenhain II., erklärten ihren Beitritt. Es wurde nun zur Wahl der Kommandanten und Führer, welche gleichzeitig den Vorstand bilden, geschritten. Die Wahl erfolgte durch Zuruf und der seitherige Kommandant Christian Schmidt sowie dessen Stellvertreter August Funk wurden auch für die Freiwillige Feuerwehr wieder gewählt. (...) Der Herr Feuerwehrinspektor machte darauf aufmerksam, dass die freiwilligen Wehren einen Beitrag erheben würden. Aus der Versammlung wurde der Vorschlag gemacht, monatlich 10 Pfennig ab 1. Jan. 1929 zu erheben, was einstimmig angenommen wurde (...).“ Dies alles und mehr ist im Gründungsprotokoll nachzulesen und 58 Personen erklärten ihren Beitritt als aktive Mitglieder und acht Personen als passive Mitglieder.

1934 gab es am 20. April den ersten Einsatz für die Freiwillige Feuerwehr Dirlammen. Um 4.30 Uhr erfolgte der Alarm und bei großer Trockenheit kann zwar das Abbrennen des Hauses nicht verhindert werden aber die Nachbargebäude können geschützt werden und bleiben damit verschont. Am 24. September 1936 gibt der Kommandant Schmidt bekannt, dass die Wehr ab sofort auch als Polizeitruppe gilt. Christian Schmidt legt das Amt als Kommandant (Wehrführer) nieder. Am 29. Dezember erscheinen Regierungsrat Bracht und Kreisfeuerwehrinspektor Stöppler wegen Klärung beim Bürgermeister. Verpflichtet werden daraufhin als Wehrführer Heinrich Hansel und als Stellvertreter Johannes Beppler. Beide werden sofort in ihr Amt eingewiesen.

Nach langem Aussetzen durch den Krieg alarmierte der langjährige Ortsbrandmeister Hansel die FFW, um sie wieder in ihre Aktivität zurückzurufen. Als erstes wurden die erforderlichen Jahrgänge der Jugend, wie schon früher üblich, in die Wehr aufgenommen. Die neu hinzugekommenen Wehrmänner wie auch alle anderen wurden nun durch Geräteübungen wieder zu einer tüchtigen Wehr erzogen. 1951 wurde wegen akuten Wassermangels im Sommer dann im Oktober von der Feuerlöschgerätefabrik Albert Ziegler für 2280 Deutsche Mark eine neue Motorspritze TS 4 gekauft. Ebenso 90 Meter B-Schläuche. Infolge der Verlegung der Ortsdurchfahrt wird das alte Feuerwehrhaus im Juni 1963 abgerissen. Im Rahmen der Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses wurde auch das neuerbaute Feuerwehrgerätehaus am 10. November 1963 eingeweiht. Im April 1991 war die Inbetriebnahme der 100 Kubikmeter fassenden Löschwasserzisterne hinter dem DGH. Die hierzu benötigte Wasserleitung sowie der Brunnen vor dem DGH wurden in Eigenleistung von der FFW Dirlammen hergestellt.

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Immer wieder bauliche Verbesserungen der Feuerwehrunterkunft und der Kauf von Ausrüstungsgegenständen sorgten dafür, dass die Freiwillige Feuerwehr immer schlagkräftig geblieben ist. Aber auch das Vereinsleben war von vielen Aktivitäten geprägt: Es gab Theaterabende, viele Ausflüge wurden unternommen und auch Veranstaltungen mit kulinarischen Höhepunkten bestimmten das Vereinsleben. Dies alles wird bei der 90-Jahrfeier noch einmal in Erinnerung gerufen werden.

Der aktuelle Vorstand der Feuerwehr besteht aus: Vorsitzendem Thorsten Wrona, Stellvertreter Patrick Günther, Wehrführer Björn Seling, Stellvertreter Kevin Tamm, Rechner Florian Bernges, Schriftführer Hubert Greb, den Gerätewarten Thomas Braun und Alexander Döring, Zeugwart Thorsten Roth und Jugendvertreter Mirko Wiegel. Gemeinsam mit den 125 Mitgliedern, davon 32 in der Aktivenabteilung, wollen sie dafür sorgen, dass die Feuerwehr Dirlammen eine weitere sichere Zukunft vor sich hat und auch Hab und Gut der Bürger geschützt werden.

Die Vereinschronik wird der Öffentlichkeit beim Festkommers am Samstag, 18. August, ab 19.30 Uhr auf dem Dirlammer Festplatz noch einmal detailreich erläutert. Ab 21.30 Uhr sorgt dann „Stimmt so!“ für Stimmung und Unterhaltung. Am Sonntag, 19. August, beginnt um 9:30 Uhr der Gemeindefeuerwehrtag der Gemeinde Lautertal mit einer Großübung aller Lautertaler Feuerwehren sowie dem DRK-Lautertal mit verschiedenen Übungsschwerpunkten. Ab 12 Uhr ist Frühschoppen mit Mittagessen, Fahrzeugausstellung, Übung der Jugendfeuerwehr, Kaffee und Kuchen, Feuerlöschtraining sowie wieder Livemusik mit „Stimmt so!“

Die Aktiven des im Jahre des 90-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Dirlammen in 2018 wollen auch die Vereinshistorie weiterschreiben.