„Erwirtschaften statt verwalten“

Einzelkämpfer und „Vollkaufmann“: Dr. Lutz Pape stellt in Engelrod seine Ideen und Vorstellungen für Lautertal vor. Foto: Hack  Foto: Hack

Kameradschaft – das fasziniert Dr. Lutz Pape. Er wird im Laufe des Abends öfters darauf zu sprechen kommen. Der parteilose und unabhängige Lautertaler...

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ENGELROD. Kameradschaft – das fasziniert Dr. Lutz Pape. Er wird im Laufe des Abends öfters darauf zu sprechen kommen. Der parteilose und unabhängige Lautertaler Bürgermeisterkandidat steht im Dorfgemeinschaftshaus Engelrod vor seinem Publikum. Rund 25 Bürger sind gekommen, um den 56-jährigen Geschäftsmann, wohnhaft in Meiches, kennenzulernen.

Parteilosigkeit – auch das betont Pape mehrmals in dieser Veranstaltung – ist ihm ebenfalls sehr wichtig. Beides, so sein Credo, ist nötig, um ein erfolgreicher Bürgermeister zu werden – ebenso wie Erfahrungen in der freien Wirtschaft. Und die hat er gesammelt – auf nationaler und internationaler Ebene, wie aus seiner Vita zu erfahren ist: Verkaufsleiter, Vertriebsleiter, Key-Account-Manager und aktuell Selbstständiger und Geschäftsführer sowie Firmenberater. Und Reservist der Bundeswehr. Er ist ledig, hat zwei Kinder wohnte 28 Jahre in Hannover anschließend in Rodgau für 25 Jahre und seit drei Jahren in Meiches – ein „Vollkaufmann“, wie er sich bezeichnet. „Erwirtschaften statt verwalten“ will er – auch wenn er sich nun um den Posten des obersten Verwaltungschefs von Lautertal bewirbt. Nach etwa 15 Minuten schaltet er den Beamer aus. Gespannt schaut der Kandidat ins Publikum, das Publikum schaut gespannt zurück. „Sie haben sicher viele Erwartungen an den, der hier vorne steht“, sagt er und stellt selbst gleich die erste Frage: „Warum bin ich parteilos?“ Parteien, diese Einstellung macht der Kandidat an diesem Abend mehr als einmal klar, sind seine Sache nicht. Dr. Lutz Pape sieht sich als unabhängigen Einzelkämpfer. „Wir haben im Wahlkampf zwei große Parteien mit im Boot. Aber Sie sehen ja, was sich in Deutschland abspielt mit den Parteien. Ich finde es schade, wie wir mittlerweile gesteuert werden“, sagt er, führt diese These aber nicht weiter aus.

„Fair, ehrlich und Mensch geblieben“ sei er in all den Jahren und das wolle er auch als Bürgermeister sein. Eine klar ausformulierte Punkt-für-Punkt-Agenda stellt der Kandidat an diesem Abend nicht vor. Auch das große Thema Gemeindefusion wird an diesem Abend nicht angesprochen. Erst mal geht es um das Grundsätzliche: die Kameradschaft, der Zusammenhalt, das Landleben. „Einer für alle, alle für einen“, das hat Pape in der Bundeswehr erlebt, und das will er auch als Bürgermeister leben. „Seien Sie froh, dass Sie auf dem Land leben“, erinnert er seine Zuhörer. „Hier weiß man, wo man hingehört.“ In der Stadt lebe man abgeschotteter, im Umkreis steigender Kriminalität. Immer wieder wird der Kandidat aus Meiches an diesem Abend in seinen Ausführungen und Antworten Exkursionen in die große Politik machen. Man merkt schnell, dass er „denen da oben“ mit äußerstem Misstrauen entgegentritt. Aber er findet immer wieder den Bogen zurück in die lokale Welt Lautertals. Einmal erinnert ihn auch ein Besucher daran, dass es ja heute um die Gemeinde geht und nicht um die Missstände in der großen weiten Welt.

Aber natürlich hat er sich auch um Lautertal seine Gedanken gemacht. Die soziale und die wirtschaftliche Infrastruktur vor Ort ist ihm wichtig, wie er beteuert. Die möchte er verbessern. „Miteinander statt Gegeneinander“ sollte es hier zugehen. Auch die Vereine spielten hier eine herausragende Rolle, als „Garant für den dörflichen Zusammenhalt“. „Vereine liegen mir am Herzen. Deren Engagement um die sinnvolle und gemeinnützige Gestaltung der wenigen Freizeit, die die Menschen noch haben, muss man fördern“, sagt Pape, ebenfalls Vereinsmensch und unter anderem Mitglied im Geflügelzuchtverein Rodgau. Aber auch die weitere Infrastruktur müsse stimmen – auch die digitale. Die Qualität des Mobilfunks und der Internetverbindung seien in Lautertal noch sehr ausbaufähig. Hier wolle er als Bürgermeister aktiv werden.

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Wie genau er das denn zu tun gedenke, will dann Engelrods Ortsvorsteher Erwin Stertz wissen, der ebenfalls im Publikum sitzt. Papes Idee, sich mit den Anbietern und Windkraftanlagenbetreibern zusammenzusetzen, um dort Mobilfunksender zu installieren, kontert Stertz damit, dass die Telekom dort schon einige Antennen installiert habe. Das müsse man dann für jedes Dorf einzeln in Angriff nehmen. Pape nimmt die Anregungen auf. „Das ist alles eine Frage der Kalkulation“, findet der Geschäftsmann. Bei Verhandlungen mit der Telekom werde er jedenfalls hartnäckig bleiben. „Da kann ich durchaus ein Wadenbeißer sein.“ Kritische Fragen oder Einwürfe greift er auf. Am Ende wird er sich auch dafür bedanken. „Ich finde es gut, wenn man auch mal kontroverser diskutieren kann.“ Die ländliche und soziale Infrastruktur sowie die lokale Wirtschaftsentwicklung sind für Pape das Wesentliche. Zum Einwurf eines Zuhörers, der eine Aussage des Kandidaten aufgreift und fragt, warum man denn froh sein müsse, auf dem Land zu leben, wo es hier doch, bei aller Idylle, kaum noch Geschäfte oder Banken gebe, verspricht er, hier Ideen zu entwickeln. Einig ist er sich mit seinen Zuhörern darin, dass die Menschen auf dem Land auch selbst aktiv werden müssten, etwa in dem sie die noch vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten stärker nutzen. Hinsichtlich der Wirtschaft komme es darauf an, Unternehmen etwas zu bieten. Eine gute wirtschaftliche Infrastruktur sei wichtig, um junge Familien, um junge Menschen generell, in der Gemeinde zu halten. Sein Vorschlag: „Warum nicht Unternehmen, die sich in von der Gemeinde erschlossenen Gewerbegebieten ansiedeln für eine gewisse Zeit, vielleicht fünf bis zehn Jahre, die Steuern erlassen?“ Also „Gewinne privatisieren und Kosten sozialisieren?“, wie Ortsvorsteher Stertz fragend einwirft. Wichtig sei, dass die Menschen eine Perspektive haben, hierzubleiben und gemeinsam die Gemeinde mit voranzubringen, reagiert Pape. „Ich habe konkret vor, die Infrastruktur auszubauen. Aber ich kann mich nur anbieten, mehr kann ich nicht tun“, resümiert der Kandidat am Ende der Veranstaltung. „Einer für alle – alle für einen“. Nur so könne es eben gehen.