Schutzgemeinschaft Vogelsberg zweifelt Renaturierungen in ihrer heutigen Form an
Erneut spricht sich die Schutzgemeinschaft Vogelsberg gegen weitere Wasserlieferungen vom Vogelsberg in das Rhein-Main-Gebiet aus. Am Mittwoch, 14. Januar, soll dazu eine Dokumentation vorgestellt werden.
Von red
Die Schutzgemeinschaft Vogelsberg sieht das Überleben des Feuersalamanders und anderer Arten im Landkreis durch Trockenperioden in Gefahr. Archivfoto: dpa
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VOGELSBERGKREIS - Ein Landesprogramm gegen das Artensterben hat das Hessische Umweltministerium im November 2019 gestartet. Als eine Symbolfigur für diese Kampagne wurde aus gutem Grund der Feuersalamander gewählt. Denn bei ihrer Vorstellung beklagte Ministerin Priska Hinz (Grüne) angesichts der trockenen Sommer 2018 und 2019, dass das wiederholte Trockenfallen insbesondere der Bäche im Vogelsberg zu einem Verlust der dortigen Feuersalamander führen könne, berichtet die Schutzgemeinschaft Vogelsberg in einer Pressemeldung. Das Ministerium wolle hier mit einem Förderprogramm dabei helfen, Bäche und Quellen zu renaturieren, um für Salamander und Co. bessere Lebensräume zu schaffen.
Ob solche Maßnahmen allerdings, so gut wie sie gemeint sind, das Überleben des Vogelsberger Feuersalamanders sichern können, ist laut Schutzgemeinschaft fraglich. Nicht nur weil sie mit großer Verspätung daherkämen, sondern auch weil alles Renaturieren nichts nutze, wenn das Wasser fehle. Und das werde im Vogelsberg immer rarer, weil die Grundwasserneubildung abnehme. Für Bäche, Quellen und Feuchtgebiete aber seien die Grundwasservorräte gerade in langen Sommern die einzigen Speicher, aus denen sie gespeist werden könnten. Und so hätten fehlender Schnee, schnellere Oberflächenabflüsse und immer längere Trockenperioden dazu geführt, dass in den vergangenen 30 Jahren in manchen Gebieten bis zu 70 Prozent der Quellen verschwunden seien und dass zunehmend Gewässer trockenfielen, führt die Schutzgemeinschaft aus.
Dieser Wassermangel werde durch die Grundwasserentnahmen für das Rhein-Main-Gebiet gewaltig verschärft. Besonders in langen, heißen Sommern, also in Zeiten, in denen der Naturraum mehr denn je auf Grundwasser angewiesen ist, werde in den großen Vogelsberger Gewinnungsgebieten gepumpt, was das Zeug hält. Dass dann die Entnahme von Tagesspitzenmengen das Todesurteil für bedrohte Tier- und Pflanzenarten sein kann, scheine bislang noch nicht wirklich verstanden zu werden.
Schließlich hätten die Genehmigungsbehörden ansonsten die sommerlichen Höchstfördermengen schon längst reduzieren müssen. Denn das Grundwasser im Boden zu belassen, sei eine der wenigen Handlungsmöglichkeiten, die zu einer Verbesserung der unterirdischen Vorkommen und damit auch zum Überleben des Vogelsberger Feuersalamanders beitragen könnten. "So weiterzumachen wie bisher und dabei auf Regen zu hoffen, der die Vorräte wieder auffüllen möge, ist dagegen in unserem Jahrhundert des Klimawandels, in dem es zu letzten Mal 2002 ein Nassjahr gegeben hat, nicht nur riskant, sondern auch naiv und gefährlich", betont die Schutzgemeinschaft.
Auf all diese Probleme und Risiken weise die Schutzgemeinschaft schon seit vielen Jahren vehement hin. Und doch werde die Gewinnung von Grundwasser für Rhein-Main auch heute noch eher ausgeweitet denn eingeschränkt. Um hier kräftiger als bisher gegenzusteuern, habe die Schutzgemeinschaft diese Zusammenhänge, die Ursachen und die Verursacher sowie die notwendigen Problemlösungen analysiert und wissenschaftlich dokumentiert. Die Schutzgemeinschaft geht davon aus, dass ihre neue Dokumentation "Zukunftsfähige Wasserversorgung Rhein-Main", die am Dienstag, 14. Januar, in Niddatal vorgestellt wird, auf großes Interesse stößt. Näheres hierzu findet sich unter http://www.sgv-ev.de.