Vorerst finden im Dannenröder Forst keine großflächigen Fällungen statt. Das bestätigte unserer Zeitung am Freitagnachmittag Michael Zarth von der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges).
Die Stellungnahme hat vor wenigen Minuten auch die Aktivisten im Dannenröder Forst erreicht. Sie beratschlagen derzeit, ob sie ihre Aktion fortsetzten. Archivfoto: Kaminski
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Dannenrod/Berlin (beg/cl)"Wir sind erst einmal erleichtert", sagte Christoph Schulze-Gockel, Vorsitzender der lokalen Schutzgemeinschaft Gleental, in einer ersten Stellungnahme: Denn vorerst sollen auch im Dannenröder Forst nicht großflächig Bäume fallen. Das bestätigte unserer Zeitung am Freitagnachmittag Michael Zarth von der Deutschen Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges) in Berlin. Hauptgrund dafür seien noch nicht abgeschlossene Ausgleichsmaßnahmen und eine daraus folgende Vertragsänderung. Mit den Aktivisten, die im Wald bei Dannenrod seit fast zwei Wochen Bäume besetzt halten, habe das Verschieben der Fällungen nichts zu tun, so der Pressesprecher. Laut einer Pressemitteilung der Deges sollen die großflächigen Baumfällarbeiten um ein Jahr verschoben werden.
"Das gilt für die gesamte geplante Trasse der A49, dazu gehört der Dannenröder Forst", konkretisierte Zarth gegenüber dieser Zeitung. "Wir haben mit Absicht ,großflächig' gesagt, weil es einzelne Arbeiten gibt." So müsste vielleicht vereinzelt Bäume gefällt werden, weil unter anderem noch archäologische Grabungen gemacht werden müssten. "Das ist Vorschrift, wenn man eine Straße bauen will." Das großflächige Roden aber - "das wird tatsächlich diesen Winter nicht passieren".
Den genauen Hintergrund erklärt die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH in ihrer Pressnotiz. Demnach strebe die Deges einen zügigen Abschluss des Vergabeverfahrens für das Autobahn-Projekt in öffentlich-privater Partnerschaft (ÖPP) - Anschlussstelle (AS) Fritzlar bis Ohmtal-Dreieck, das den Neubau der A 49 zwischen der AS Schwalmstadt und dem Ohmtal-Dreieck enthält - an. Gleichzeitig verantworte sie die Einhaltung aller notwendigen naturschutzfachlichen Maßnahmen, die zur Vermeidung, Verringerung und zum Ausgleich des Eingriffs in die Natur erfolgen.
Einzelne Maßnahmen zur Umsiedlung geschützter Tiere konnten laut der Deges noch nicht wie geplant abgeschlossen werden und müssen im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Daraus resultierten eine Änderung der Vertragsunterlagen und in der Folge spätere Termine für die Abgabe der Angebote und den potenziellen Zuschlag an einen Auftragnehmer.
Die Deges wolle sicherstellen, dass für Bau und Betrieb der A 49 im Rahmen eines ÖPP-Projekts wirtschaftliche Angebote vorliegen. Darüber hinaus müsse im Vergabeverfahren anhand der Wirtschaftlichkeit der abschließend vorgelegten Angebote noch einmal nachgewiesen werden, dass das ÖPP-Projekt wirtschaftlicher sei als der Bau und Betrieb durch die öffentliche Hand. Erst danach sollten die für die Trasse der A 49 notwendigen großflächigen Baumfällungen beginnen. Da aber wegen der dargestellten Verschiebung des Termins für die Abgabe der Angebote für das ÖPP-Projekt die abschließende Prüfung der Angebote auf ihre Wirtschaftlichkeit erst Anfang 2020 erfolgen könne, "werden diese Baumfällungen um ein Jahr in die Fällperiode Oktober 2020 bis Februar 2021 verschoben".
Gemäß des neuen Zeitplans soll der Zuschlag an einen Projektpartner im zweiten Quartal 2020 erfolgen. Weil die Baumfällungen ein Jahr später als geplant vorgenommen werden, müsse der Bauablauf angepasst werden. Die Verschiebung der Fällungen bedeutet jedoch nicht, dass sich der Bau der A 49 um die gleiche Zeit verzögere: Der "Baubeginn ist weiter für 2020 vorgesehen, und die Inbetriebnahme ist im Jahr 2024 geplant", so die Deges.
Die bereits begonnenen Maßnahmen zur Bauvorbereitung werden laut Pressenotiz aber fortgesetzt, so zum Beispiel Bodensanierungen im sogenannten WASAG-Gelände (im Kreis Marburg-Biedenkopf), Leitungsumverlegungen und archäologische Erkundungen. Für diese Arbeiten könne es erforderlich sein, vereinzelt Bäume zu fällen.
Christoph Schulze-Gockel, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Gleental, wertete das Aussetzen der Fällungen entlang der geplanten Autobahntrasse als einen "ersten Erfolg", auch wenn Ende 2020 die Rodung stattfinden soll. "Jedes Jahr, das der Wald länger stehen bleibt, kann er seine Funktion zur Senkung der CO2-Werte erfüllen", so Schulze-Gockel. Er sieht sich und das Vorhaben der Schutzgemeinschaft bestärkt. "Wir fühlen uns in unserer Kritik bestärkt, dass aus unserer Sicht die ausgeführten Ausgleichsmaßnahmen nicht korrekt vorgenommen worden sind." Beispiele seien die Maßnahmen am Diebachsgraben beziehungsweise am Sörenteich in der Gemarkung Maulbach. "Wir werden auf jeden Fall dranbleiben", so Schulze-Gockel. Den von der Deges in der Pressemeldung als "nicht abgeschlossenen Ausgleichsmaßnahmen" habe aus Sicht der Schutzgemeinschaft an einer "fachmännischen Überwachung" gefehlt, wie es Schulze-Gockel formulierte. Deswegen wolle man an einem "starken Monitoring" der Ausgleichsmaßnahmen festhalten, denn es gebe "eine Vielzahl fraglicher Maßnahmen". Die Verschiebung des Fällungsbeginn bedeute für die Schutzgemeinschaft einen Zeitgewinn. Vor allem für das laufende Klageverfahren sei dies von Vorteil.
Auch die Fraktion der Grünen im Vogelsberger Kreistag reagierte noch am Freitagnachmittag auf die Mitteilung der Deges. "Der von uns vorgetragene Vorwurf, dass die A49 auf Basis der nicht ordnungsgemäß ausgeführten Ausgleichsmaßnahmen nicht weitergebaut werden darf, hat sich auch im Land und dem grünen Ministerium durchgesetzt", schreibt der Fraktionsvorsitzende Udo Ornik. Das sei erstmal ein großer Erfolg für die Umwelt. Nun werde es jedoch weitere Diskussionen geben. Landrat Manfred Görig (SPD) und seinem CDU-Vertreter Jens Mischak wäre es laut ihrer eigenen Presserklärung in der OZ-Donnerstagsausgabe völlig egal gewesen, kritisieren die Grünen. "Er kannte das Problem mit den Ausgleichsmaßnahmen und wollte trotzdem weiterbauen. So darf es nicht weiter gehen. Umwelt und Klimaschutz müssen Prio 1 bekommen."
Was die neue Entwicklung für die Aktivisten bedeutet, steht noch nicht endgültig fest. Die Besetzer des Dannenröder Forstes hat die Mitteilung der Deges, die großflächigen Baumfällarbeiten zu verschieben, am Freitagnachmittag erreicht. Ein Aktivist bestätigte dies gegenüber der OZ. "Wir haben Kenntnis von der Pressemeldung der Deges", sagte er. "Die Verschiebung der Rodung bedeutet aber keinen Stopp", unterstrich er. "Wir werden den Wald also nicht verlassen", meinte der Waldbesetzer. Es habe allerdings noch keinen Austausch in der Gruppe gegeben. "Wir sind alle im Wald verteilt, müssen erst zusammenkommen", meinte der Aktivist. Das genaue Vorgehen müsse zunächst noch im Plenum abgesprochen werden. Nach Information unserer Zeitung sollte noch ein Strategietreffen stattfinden, um das weitere Vorgehen zu planen.