Vierbeinige "Co-Therapeuten" in der Psychiatrie

Wencke Schneider mit den "Co-Therapeuten". Foto: Klinikum Fulda

Die drei Hunde Ronja, Joel und Brutus erweitern im Klinikum Fulda das Angebot für stationäre Patienten.

Anzeige

FULDA. Die neuen "Kollegen" im Therapie-Team in der von Dr. Solveigh Hilliard geleiteten Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Fulda heißen Ronja, Joel und Brutus. Mit den drei neuen Therapie-Hunden kann jetzt auch stationären Patienten eine tiergestützte Therapie ermöglicht werden.

"Patienten, die unter Antriebsschwäche, Sprachbarriere, vermindertem Selbstbewusstsein, kognitiven Einschränkungen oder auch Ängsten leiden, profitieren von einer Tiergestützten Therapie besonders", erklärt Dr. Solveigh Hilliard, Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Fulda. "Tiere nehmen uns so an, wie wir sind, Tiere begegnen uns vorurteilsfrei." Die tiergestützte Therapie arbeite im Kontakt zum und in der Interaktion mit dem Tier. Hilliard weiter: "Enger Kontakt zum Tier (ebenso wie Nähe zu Menschen) setzt vermehrt das Hormon Oxytocin - auch Bindungshormon genannt - frei. Dies führt unter anderem zu Wohlgefühl, Entspannung und zur Senkung von Stress."

Therapie-Hunde sind speziell ausgebildete Hunde, die nur im Team mit dem Besitzer zur Therapiearbeit zugelassen sind. Neben verschiedenen Ausbildungen des Hundes muss auch der Besitzer über eine therapeutische oder pädagogische Ausbildung verfügen.

Gute Erfahrungen

Anzeige

Die Klinik verfügt über langjährige Erfahrung mit der tiergestützten Therapie. "Bereits im Jahr 1987 wurde die Therapie mit dem Pferd bei uns etabliert", erklärt Regina Hoffmann, Bewegungstherapeutin und Gesundheitspädagogin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. "Auch Pferde eignen sich gut als ,Co-Therapeut', da sie über ausgezeichnete Intuition und Beobachtungsgabe verfügen und letztendlich als Spiegel fungieren", so Hoffmann weiter.

Die Tiere sind sehr sensibel und nehmen kleinste Veränderung und Signale wahr. Für Patient en kann daher die tiergestützte Therapie ein Weg sein, sich auszudrücken, Probleme erlebbar zu machen oder Erlebtes in einer Gesprächstherapiesitzung, Gestaltungstherapie oder in der Körperwahrnehmung zu verarbeiten.

Da die tiergestützte Therapie mit dem Pferd nur für mobile Patienten geeignet ist, wurden kürzlich die drei ausgebildeten Therapiehunde Ronja, Joel und Brutus "eingestellt". Von dem neuen Angebot profitieren besonders ältere Patienten mit körperlichen und geistigen Einschränkungen, die auf den gerontopsychiatrischen Stationen behandelt werden. "Die drei Hunde sind speziell für die Therapie ausgebildet", erläutert Wencke Schneider, Physiotherapeutin und BeNaTi-Therapeutin (Bewegung, Natur, Tiere - tiergestützte Fördermaßnahmen). Jeder Therapiehund bringt - neben der Ausbildung zum Gehorsam - eine spezielle Ausbildung zum Therapiehund mit. "So verschieden unsere Patienten sind, so verschieden sind auch die Einsatzgebiete unserer Therapiehunde. Hündin Ronja ,betreut' Patienten, die intensiven Körperkontakt benötigen und Störungen im sensomotorischen Bereich haben. Rüde Joel ist besonders für ängstliche Patientinnen und Patienten mit verlangsamter Motorik oder Antriebsschwäche geeignet. Und Brutus hilft Patienten, die im Rollstuhl sitzen beziehungsweise überwiegend sitzenden Patienten", erklärt Schneider, die unterschiedlichen Einsatzgebiete der drei.