Notfallmediziner im Austausch

Neben Corona standen für die Notfallmediziner auch weitere Themen auf dem Programm. Symbolfoto: Van Hope/stock.adobe

(red). Um der aktuellen Situation gerecht zu werden, hat der gemeinsame Qualitätszirkel Notfallmedizin der Landkreise Vogelsbergkreis als Veranstalter, Gießen und...

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VOGELSBERGKREIS/REGION. (red). Um der aktuellen Situation gerecht zu werden, hat der gemeinsame Qualitätszirkel Notfallmedizin der Landkreise Vogelsbergkreis als Veranstalter, Gießen und Marburg-Biedenkopf das Format für das Mittelhessische Rettungsdienst-Symposium von einer zweitägigen Präsenzveranstaltung mit Workshops und Vorträgen auf ein Online-Symposium umgestellt. Das Mittelhessische Rettungsdienst-Symposium hat bereits zum 20. Mal Ende Januar stattgefunden.

„In zweifacher Hinsicht eine Premiere: Zum einen war der Vogelsbergkreis erstmals der Ausrichter des Rettungsdienstsymposiums, zum anderen hat das Symposium zum ersten Mal komplett online stattgefunden“, sagt Landrat Görig (SPD) in einer Pressemeldung. „Das 20. Jubiläum des Rettungsdienstsymposiums war ein erfolgreiches, das auch in Zukunft einen festen Platz in der Zusammenarbeit des Qualitätszirkels Notfallmedizin haben wird“, konstatiert Görig.

Das Angebot sei sehr gut angekommen – knapp 400 Interessierte hatten sich im Vorfeld für die überregionale Fortbildungsveranstaltung angemeldet. Die Themenschwerpunkte der Vorträge bildeten „Covid-19 – ein aktueller Überblick“, „Schwangerschaft und Geburt“ sowie „Pädiatrische Notfälle“.

Referent Dr. Andreas Jerrentrup (Marburg) gab einen Einblick in die aktuelle Situation um die Corona-Pandemie in der Klinik und im Rettungsdienst. Die ersten Fälle traten im Marburger Raum Anfang März 2020 auf. Schnell sei festgestellt worden, dass es auch sehr schwere Covid-19-Verläufe gibt, in deren Folge eine Reihe von Patienten ECMO-pflichtig (Hier übernimmt eine Maschine teilweise oder ganz die Atemfunktion des Patienten) wird. Aktuelle Zahlen aus Baden-Württemberg zeigten, dass das Durchschnittsalter der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen dort lediglich bei 58 Jahren liege. Die Sterblichkeit insgesamt sei sehr hoch: Sie liege bei 20 Prozent der Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen und deutlich über 40 Prozent der Patienten auf Intensivstationen. Dabei spiele das Alter der Patienten eine große Rolle. Die meisten Todesfälle habe es in Hessen in der Altersgruppe der 60- bis über 80-Jährigen gegeben. Für alle Mitarbeitenden im Gesundheitssystem sei die Dauer der Infektiosität eine relevante Frage. Dass diese nicht einfach zu beantworten ist, zeigte der Vortrag von Dr. Markus Eickmann (Marburg). Es gebe Richtwerte zur Infektionsdauer, die bei Patienten allerdings auch unterschiedlich ausfallen können. Die persönliche Schutzausrüstung sei daher bei jedem Patientenkontakt und Verdachtsfall unabdingbar.

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Im privaten Umfeld könnten die Pandemie und die Einschränkungen durch den Lockdown noch andere Folgen haben. Die ungewohnte Situation führe bei Eltern zu einem erhöhten Stressaufkommen, was die Gefahren von Kindeswohlgefährdung und Kindesmisshandlungen im häuslichen Umfeld erhöhe. „Ob es zu vermehrten Fällen einer Kindeswohlgefährdung kam, kann erst retrospektiv ausgewertet werden, wenn Daten vorliegen und mit den Daten der Monate aus dem Vorjahr verglichen werden können“, erklärt Dr. Sieglinde Ahne, Rechtsmedizinerin aus Freiburg. Trotzdem sei eine Sensibilisierung für das Thema wichtig. So erhielten die Teilnehmenden des Symposiums einige Hinweise zum Erkennen von Misshandlungen und dem richtigen Vorgehen im Verdachtsfall.

Geburt und Notfälle

Auf großes Interesse seien auch der zweite und dritte Themenblock gestoßen, bei denen die Themen Schwangerschaft und Geburt sowie „Pädiatrische Notfälle“ im Fokus standen. Professor Dr. Marritta Kühnert (Marburg) erläuterte mögliche Notfälle in einer Schwangerschaft und machte deutlich: Bei einem Notfall in der Schwangerschaft gibt es immer zwei Patienten. Eine präklinische Geburt sei ein nicht alltäglicher Einsatz für den Rettungsdienst. Durch die erfahrene Hebamme Daniela Lauer (Marburg) erhielten die Teilnehmern Informationen zu den Abläufen einer Geburt und den zu ergreifenden Maßnahmen, damit Mutter und Kind alles gut überstehen. Ist eine präklinische Geburt erfolgt, muss das Neugeborene auch präklinisch versorgt werden. Auf die Notwendigkeit der richtigen Ausrüstung für diese Einsätze wies Alexander Kauth (Karlsruhe) in seinem Vortag hin.

Die Vorträge von Dr. Jens Gesche und Dr. Martin Sassen (beide Marburg) bildeten den Abschluss des Symposiums und erläuterten verschiedene Verbrennungen und Verbrühungen sowie die notwendigen Maßnahmen bei Ertrinkungsnotfällen im Kindesalter. Zentrale Fragen dieser Vorträge waren: Wie kommt es zu den Unfällen und welche Maßnahmen können präklinisch ergriffen werden?

Insgesamt ziehen die Veranstalter um den ausrichtenden Vogelsbergkreis ein positives Fazit. Trotz des guten Verlaufs hofften alle Beteiligten, dass im nächsten Jahr wieder eine Präsenzveranstaltung mit Workshops und Vorträgen möglich sein wird.