Lauterbach: Elektrobefischung in der Lauter: "Für Naturschutz"

Eine ansehnliche Bachforelle ziehen die Mitarbeiter von Hessen Mobil aus der Lauter.  Fotos: Hessen Mobil

Stromschläge im Vorfeld einer Brückenbaumaßnahme: Hessen Mobil untersucht in Frischborn mit "tierfreundlicher Methode", ob dort besonders geschützte Arten leben.

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VOGELSBERGKREIS. Was Hessen Mobil im Vorfeld einer Brückenbaumaßnahme heutzutage häufig unternimmt, ist durch Zufall im Jahr 1910 beim Bruch einer 110 Volt-Leitung entdeckt worden - und klingt zunächst eigentlich so gar nicht nach Nachhaltigkeit: Elektrobefischung.

Eine ansehnliche Bachforelle ziehen die Mitarbeiter von Hessen Mobil aus der Lauter.  Fotos: Hessen Mobil
Die Lauter. Foto: Hessen Mobil

„Diese faszinierende und überraschend tierfreundliche Methode haben wir am Beispiel in Lauterbach-Frischborn begleitet”, schreibt die Straßenverkehrsbehörde nun in einer Pressemeldung. Der Ort liegt in einem sogenannten „FFH-Gebiet”. Die Abkürzung steht für „Fauna-Flora-Habitat”. Daher seien im Bach besonders geschützte Arten zu erwarten, weshalb vor Arbeitsbeginn genauer hingeschaut wird, so Hessen Mobil.

In Frischborn wird die Ortsdurchfahrt erneuert - und dabei die alte Brücke über die Lauter gleich mit. Darin wurden seltene Arten wie das Bachneunauge oder die Groppe vermutet. Dass dieser Verdacht zutrifft, zeigte die Elektrobefischung. Auf einer Länge von 50 Metern wurde die Lauter nahe der Brücke in drei Durchgängen abgefischt. Für die Befischung waren zwei Anodenträger sowie zwei Beifänger im Einsatz. Dazwischen sei immer wieder Pause angesagt gewesen, um den Stress für die Tiere zu minimieren.

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In den mitgebrachten Behältern wurde laut Hessen Mobil so nach und nach bestimmt und vermessen. "Die Artenvielfalt so eines vermeintlich unbedeutenden Baches ist überraschend. Fünf Fischarten stehen auf der Fangliste, außerdem landen gleich 18 Signalkrebse in den Netzen", schreibt die Straßenverkehrsbehörde weiter. Der Stichling sei mit insgesamt 41 Exemplaren die häufigste gefangene Fischart gewesen und halte sich bevorzugt in den Randbereichen im Dickicht auf. Zudem wurden auf den Sand- und Kiesbänken stolze 31 Bachneunaugen gefangen. Neun Bachforellen, drei Schmerlen und eine Groppe sind außerdem mit dabei.

Die Vermutungen waren also korrekt. Geschützte Fische gibt es in der kleinen Lauter reichlich. Schnell seien sie in nicht vom Bau betroffene Bereiche des Baches umgesetzt worden. Die ermittelten Daten sollen zudem aufbereitet und mit den Naturschutzbehörden geteilt werden.

Hessen Mobil schreibt zur Methode, dass sich mithilfe der Elektrobefischung am besten und präzisesten feststellen ließe, welche Tiere in Bächen, Seen und Flüssen leben. Die Tiere würden dabei nicht verletzt oder gar getötet. Hinterher wisse man nachweislich, welche Arten in welcher Anzahl den Bach bevölkern, und könne künftig entsprechend danach handeln. Bei der Elektrobefischung werde mit einer Anode und einer Kathode ein konstanter Gleichstrom im Gewässer erzeugt. Die im Stromkreis befindlichen Fische schwimmen dann zur Anode, wo sie betäubt und eingesammelt werden können. Sobald die Bachbewohner das Stromfeld verlassen haben, lässt die Betäubung nach. Nach dem Vermessen und Wiegen werden sie dann unbeschadet zurück- oder umgesetzt. Im Vorfeld hat das Ökobüro Gelnhausen, dass die Befischung für Hessen Mobil durchführt, eine entsprechende Genehmigung beim Regierungspräsidium Gießen eingeholt - ohne ist Elektrobefischung nämlich verboten, so Hessen Mobil.