#FridaysForFuture im Vogelsberg

Auf dem Lauterbacher Marktplatz hatten sich knapp 200 Demonstranten versammelt. Foto: Stoepler

"Wir sind hier laut, weil man uns die Zukunft klaut." Am Freitag fanden auch im Vogelsberg Demonstrationen der "#FridaysForFuture"-Bewegung statt. Und das gleich an drei Orten,...

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LAUTERBACH/VOGELSBERGKREIS. "Wir sind hier laut, weil man uns die Zukunft klaut." Am Freitag fanden auch im Vogelsberg Demonstrationen der "#FridaysForFuture"-Bewegung statt. Und das gleich an drei Orten, Lauterbach, Alsfeld und Homberg. Aufgerufen dazu hatte neben "#FridaysForFuture" aber vorrangig der BUND, der NABU, das evangelische Dekanat und die evangelische Jugend, das Stadtjugendparlament Lauterbach, der Alsfelder Weltladen und weitere Interessenverbände.

68er-Generation dominiert

Die Zahl der Schüler auf dem Lauterbacher Marktplatz war überschaubar, bei der Demonstration für Klimaschutz. Die 68er-Generation dominierte eindeutig unter den rund 200 Teilnehmern die Veranstaltung. Greta Thunberg wäre über die Resonanz der "Fridays-for-Future"-Bewegung an Lauterbachs Schulen wie Sarah von der Vogelsbergschule enttäuscht gewesen. Der erwartete Ansturm nach der sechsten Stunde blieb aus. Die Polizei warf nur einen kurzen Blick auf die Veranstaltung.

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So hinterließ die Großeltern-Initiative, die mit Transparenten für die Zukunft ihrer Enkel eintrat, den nachhaltigsten Eindruck auf dieser Klimaschutz-Demo, die Maja Wink-Maraika von der evangelischen Jugend angemeldet und eröffnet hatte. Verschiedene Organisationen nutzten das Forum, um für ihre Forderungen wie etwa die Schließung aller Schlachthöfe einzutreten. Politbarde Broder Braumüller sorgte für den musikalischen Abschluss. Viele bekannte Gesichter waren unter den politisch Interessierten wie Stadtjugendpfleger Andreas Goldberg, die Pfarrer Karin Klaffehn und Sven Kießling, CDU-Kreisvorsitzender Dr. Jens Mischak und der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Ruhl oder Jutta Jawansky-Dyroff und Daniel Schmidt von den Grünen, wobei Schmidt betonte: "Ich komme allein, die Kinder haben alle Termine." Es waren aber auch etliche Großeltern und einige Väter mit Vorschulkindern anwesend.

Die Hauptrede hielt Martin Werner vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Er nannte als Ziel, die Auswirkungen des Klimawandels auf einem erträglichen Niveau zu halten. Hitzewellen, Stürme und Missernten zeigten, "die bisherigen Maßnahmen sind zu wenig, und es geht zu langsam voran". Vor einem Jahr habe Greta aus Schweden angefangen. Inwischen träfen sich Menschen aus 150 Ländern. "Wir stehen hier, weil wir die Auswirkungen des Klimawandels auf einem erträglichen Niveau halten wollen", sagte der BUND-Vertreter. Es sei wichtig, den Politikern zu sagen, dass die Menschen erkannt hätten, dass sich etwas ändern muss. Die Rede Gretas auf einem Kongress in Amerika habe er ganz toll gefunden, als sie sagte: "Hört nicht auf mich, hört auf die Wissenschaft."

Verschiedene Wortmeldungen kritisierten, dass der Vogelsbergkreis nicht den Klimanotstand ausgerufen habe, so auch Katharina Jacob. "Wir müssen aufhören, bei jeder politischen Entscheidungs ans Geld zu denken", sagte sie. "Wir müsssen anfangen, vor jeder poltischen Entscheidung zuallerst an den Umweltschutz und an unser eigenes Überleben zu denken. Sonst werden wir Ihre Kinder und Enkel verrecken sehen."

Fritz Habel aus Schlitz war mit dem Rad nach Lauterbach gekommen und forderte den Bau eines Radweges über Willofs in die Kreisstadt. Dr. Mischak erläuterte am Rande der Veranstaltung: "Ich bin gekommen, um zu dokumentieren, dass ich die Anliegen sehr ernst nehme, wenn ich auch nicht alle Forderungen eins zu eins teile." Er verwies wie der CDU-Landtagsabgeordnete Michael Ruhl darauf, dass die Region Vogelsberg Vorreiter beim Klimaschutz sei. Ruhl betonte zudem, dass diese Anliegen ernst genommen würden. Es sei wichtig, im Gespräch zu bleiben.

Seifenblasen

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Die vom Veranstalter mitgebrachte Straßenmalkreide und die Seifenblasenspiele wurden kaum genutzt. Schon bei den Abschlussliedern löste sich die kleine Demonstration langsam auf. Die wenigen Schüler berichteten, dass der Klimaschutz fächerübergreifend Unterrichtsthema sei. Es gebe auch Verständnis bei den Lehrern, wenn Schüler während des Unterrichts an einer "Fridays-for-Future"-Demo teilnähmen, nur müssten die Eltern eine Entschuldigung für die Fehlzeit schreiben. Warum das Schülerinteresse an der Lauterbacher Veranstaltung aber so gering gewesen sei, konnten auch die jungen Leute nicht erklären.

In Alsfeld am Schwälmer Brunnen hatten sich etwa 150 Demonstrationsteilnehmer versammelt. Die Auswirkungen des Klimawandels auf einem erträglichen Niveau halten, sei der Grund der Protestaktion, eröffnete Yvonne Jordan die Kundgebung. Auf sie folgte der im Gießener Raum bekannte Umweltaktivist Jörg Bergstedt von der Projekt-Werkstatt Saasen. Er forderte den radikalen Rückbau der Automobilindustrie, stattdessen, jede zweite Straße ausschließlich für Fahrräder freizugeben, Haltestellen in jeder Ortschaft entlang der Vogelsbergbahn, den Wiederaufbau der Bahnstrecke nach Bad Hersfeld sowie komplett autofreie Städte. Barbara Schlemmer von den Grünen in Homberg und Paul Runkel vom Freiwilligenzentrum Alsfeld folgten als weitere Redner.

Eine unerwartet hohe Anzahl von rund 100 jungen Leuten demonstrierte am Vormittag in Homberg, zu denen sich bei der Abschlusskundgebung am Rathaus auch ein Dutzend Erwachsene gesellten. Holger Schäddel, der für die "schulbezogene Arbeit des Evangelischen Dekanats Vogelsberg" den Streik beziehungsweise die Demonstration gegenüber den Ordnungsbehörden verantwortete, zeigte sich mit der Resonanz zufrieden. Er machte deutlich, dass die Initiative zu der Aktion Schülern der Ohmtalschule selbst ausgegangen war. Deren Anliegen machten Sarah Wiegand und Aaron Osiecki deutlich. Sie stellten die Forderungen der internationalen Bewegung für den Klimaschutz dar.