Damit der Traum nicht endet

Andy Frank (rechts) und die anwesenden Familienmitglieder des Zirkusunternehmens haben sich für das Foto chic gemacht. Foto: Schäfer

Der "Dream of Circus" sitzt seit Monaten im Schlitzer Stadtteil Pfordt fest und braucht Hilfe. Das Auftrittsverbot für Zirkusunternehmen soll nach dem derzeitigen Stand bis Mai...

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SCHLITZ. Für den Fototermin haben sich die anwesenden Familienangehörigen des Zirkusunternehmens ihre bunten Kostüme angezogen, als hätten sie sich auf den Auftritt in der Manege vorbereitet. "Für die Kinder ist dies vielleicht das letzte Mal, dass sie ihre Zirkuskostüme tragen", kommentiert dies Andy Frank, seines Zeichens Direktor des in Pfordt ansässigen "Dream of Circus". Die bunte Truppe, zu der 25 Menschen und 75 Tiere gehören, sitzt seit März ohne Auftrittsmöglichkeiten und damit ohne Einnahmen in ihrem Quartier am Pfordter Sportplatz fest. In einem Hilferuf wenden sich die Zirkusleute an die Öffentlichkeit.

Im März hatte der "Dream of Circus" in Lauterbach und Schlitz seine letzten Auftritte. Danach ging wegen Corona nichts mehr. "Ein Traum, der nie endet", steht auf der Karte des Zirkusdirektors Andy Frank, der vor 48 Jahren als Zirkuskind geboren wurde und das Familienunternehmen in der inzwischen sechsten Generation leitet. Das Auftrittsverbot für Zirkusunternehmen werde nach dem derzeitigen Stand bis Mai 2021 dauern, so die jüngsten Informationen. Bis zuletzt hatten sie auf den Weihnachtszirkus in Fulda gehofft, den der "Dream of Circus" seit Jahren mit Erfolg bestreitet. Doch der wurde genauso wie der Fuldaer Adventszauber abgesagt. Und so bleibt Rudolf, der Rentierbulle, mit seinen Rentierdamen im Stall in Pfordt. Die Rentiere aus Lappland wären ein Höhepunkt des Weihnachtszirkus in Fulda geworden, sie hätten den Schlitten des Weihnachtsmannes in die Manege gezogen und nicht nur Kinderherzen höher schlagen lassen. Aus der Traum vom "Dream of Circus" und damit für ein altes Kulturgut?

Schon im März, während des ersten Lockdowns, hatte sich die sympathische Truppe an die Öffentlichkeit gewandt und traf auf die Hilfsbereitschaft vieler Menschen, die die Zirkusleute mit Futter für die Tiere und auch Geldspenden unterstützten. Zu den 75 Tieren gehören neben den vier Rentieren auch Pferde, Ponys, Alpakas, sibirische Kamele, Schafe, Ziegen, gescheckte Esel und Seidenhühner, die alle in der Manege mitwirken würden. Sie brauchen teilweise sehr spezielles Futter. Heimische Landwirte haben den Zirkus mit Heu unterstützt, sodass zumindest davon für die nächsten Wochen genug da ist. Außerdem bekamen sie eine Fuhre Runkelrüben geliefert. Denn in Schlitz ist das diesjährige Runkelrübenfest Corona zum Opfer gefallen. Jetzt lassen sich unter anderem die Esel des Zirkus die Rüben schmecken. Ein befreundeter Tankstellenpächter spendierte Andy Frank Dieseltreibstoff für die Fahrzeuge, wobei der betagte Scania-Truck das "Lieblingsfahrzeug" des Zirkusdirektors ist. Irgendwie sieht man dieser rot lackierten Zugmaschine an, dass sie zu einem Zirkus gehört, auch wegen der Plakate, die daran befestigt sind. Auf einem daran hängenden großen Transparent ist zu lesen: "Rettet unsere Kultur - Die Show muss weiter gehen." Mit diesem Transparent und diesem Scania-Truck ist Andy Frank im Juni bis nach Berlin gefahren, um an einer großen Demonstration des Verbandes der deutschen Circusunternehmen (VdCU) teilzunehmen. Es nützte nichts, bis heute hat der Bannstrahl des Auftrittsverbotes die deutschen Circusunternehmen getroffen. Anders als andere Branchen hätten sie bis jetzt keine Coronahilfe des Staates bekommen - abgesehen von der "Novemberhilfe", die ihnen jetzt durch den Staat angeboten worden sei. Andy Frank berichtet, dass sich diese Hilfe nur auf den Monat November beziehe. Er sollte demnach Einkommensnachweise für die November-Monate der drei letzten Jahre beibringen. Da sich der Zirkus aber im November in der Winterpause befinde, gebe es kein Einkommen, das für die "Novemberhilfe" angerechnet werden könnte. Zwar wurde der Familie Frank und ihren Mitarbeitern Grundsicherung - Hartz IV - bewilligt, sodass sie wenigstens etwas zum Essen haben. Das reicht aber nicht, um alle anfallenden Kosten zu decken. Dazu gehören unter anderem Futter für die Tiere, Tierarztrechnungen und Versicherungen für die Fahrzeuge.

Deswegen der erneute Hilfeaufruf des "Dream of Circus" - damit der Traum nicht endet. Sachspenden wären ebenso willkommen wie Geld. Kontakt: Andy Frank kann unter der Telefonnummer 0178/3875024 oder E-Mail maik.frank.1@gmail.com kontaktiert werden. Die Nummer des Spendenkontos ist DE46 2505 0000 0002 3850 78.