A 49-Gegner rufen in Homberg mit Spontandemo großes...

Mit einem Dutzend Einsatzfahrzeugen rückt die Polizei in Homberg an, um die Lage aus der Entfernung zu beobachten. Foto: Krämer

Ein Harvester weckt in der Gemarkung "Meisebach" das Misstrauen von A 49-Gegnern. Eine spontane Demonstration gegen Baumfällungen sorgt für einen Polizeieinsatz mit etlichen...

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. Homberg (gkr/red). Für Aufregung haben am Mittwoch erneute Baumfällungen in der Gemarkung "Meisebach" gesorgt: Einige wenige Gegner der geplanten Autobahn 49 waren in den Mittagsstunden zum Ort des Geschehens bei Homberg-Maulbach geeilt und riefen so die Polizei auf den Plan.

Die Polizei war bei Maulbach "mit mehreren Beamten im Einsatz, um den friedlichen beziehungsweise störungsfreien Ablauf zu gewährleisten", bestätigte Jörg Reinemer von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelhessen auf Anfrage unserer Zeitung. Wobei die Polizei klar in der Überzahl gewesen zu sein scheint. Ein Mitarbeiter unserer Zeitung hatte auch knapp zwei Kilometer vom Rodungsort entfernt Polizei beobachtet. Gut ein Dutzend Polizeifahrzeuge waren auf einem Parkplatz entlang der Straße zwischen Nieder-Gemünden und Homberg abgestellt worden. Ein Polizist habe ihm bestätigt: "Wir beobachten die Entwicklung."

Am Ort der Fällungen war am Mittwoch auch Dr. Wolfgang Seim von der Vogel- und Naturschutzgruppe Maulbach. Er habe sich bereits am Dienstag über den Transport eines Harvesters gewundert, dann aber doch den Verlautbarungen der mit den Fällungen beauftragten Firma Glauben geschenkt, dass man für den Forst unterwegs sei. "Ich traute den Ausführungen nicht, auch weil der Harvester hinter Maulbach abgestellt und bewacht wurde", sagte Seim und schaute einen Tag später nach. "In der Tat, in der ,Meisebach' kam der Harvester in Verbindung mit weiteren Baumfällungen zum Einsatz."

"Für uns ist das ein weiterer Wortbruch der Deges", kommentierten die nach und nach eintreffenden Mitglieder vom lokalen Aktionsbündnis "Keine A49" und verschafften sich Zugang zu den Arbeiten in dem Waldgebiet, um die Baumfällungen zu verhindern. Damit verursachten sie zwangsläufig einen Polizeieinsatz. Denn die beauftragte Firma hatte die Polizei benachrichtigt. Die Arbeiter vor Ort sahen sich in der Ausführung ihrer Tätigkeit nicht nur behindert, sondern auch die Sicherheit der Autobahngegner gefährdet, wie ein Mitarbeiter der Firma gegenüber unserer Zeitung sagte. Kurze Zeit später trafen zwei Polizisten ein. Sie wirkten deeskalierend, sprachen mit den Demonstranten, die sich mittlerweile bereits in Richtung Harvester bewegten.

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Ein Polizei erklärte den Demonstranten, dass nach dem Kenntnisstand der Polizei "hier in kleinem Umfang Baumfällungen, die im Zusammenhang mit der Hochspannungsleitung zu sehen sind", stattfänden. Diese Arbeiten sollten vom Umfang her nicht länger als einen Tag dauern. "Wir sind hier, um sicherzustellen, dass der für die Fällung notwendige Sicherheitsbereich auch eingehalten wird. Letztlich gehe es auch um "Ihre Sicherheit", wandte sich der Ordnungshüter an die Demonstranten. Es stehe ihnen offen, die Lage weiter zu beobachten. "Aber bitte immer unter Beachtung der gesetzlichen Bestimmungen des Waldgesetzes." Obwohl Polizei und Aktivisten in einen (von beiden Seiten) durchaus freundlichen Dialog eingetreten seien, hätten sich Letztere geraume Zeit später dennoch von einer größeren Zahl - etwa 15 bis 20 - Polizisten mit schwerer Ausrüstung umringt gesehen, die aber passiv blieben, weil es zu keinerlei Übergriffen gekommen sei. Über die Polizei hätten die Waldarbeiter schließlich verlautbaren lassen, dass die Arbeiten abgebrochen würden, obwohl eine kleinere Fläche, die noch hätte gerodet werden sollen, nicht in Angriff genommen worden war. "Tatsächlich rückten die beiden Fahrzeuge auch ab. Es ist allerdings zu befürchten, dass die Rodungsarbeiten am Donnerstag fortgesetzt werden", berichtete Seim dann am Mittwochabend.

Für ihn und Barbara Schlemmer, Aktionsbündnis "Keine A 49", ist klar: "Die Deges hat schon wieder Wortbruch begangen." Denn die Zusage bis zum 1. Oktober 2020 keine Rodungen durchzuführen, sei nicht eingehalten worden. Schlemmer, die auch Vorsitzende der Grünen in Homberg ist, zeigte sich mehr als verärgert und drohte der Deges mit Klage. Auch Seim betonte nochmals: "Das sind keine Freischneidungsarbeiten für die Hochspannungsleitung; das sind Fällungen schon allein auf der Basis der Großflächigkeit und dessen, was man wohl noch beabsichtigt zu tun." Denn die Schneise gehe ja bis hoch zur Straße. Die Bilanz der Arbeiten an diesem Tag wertet Seim aus seiner Sicht als "erschreckend": Auf (geschätzt) einem halben Hektar Fläche entlang eines Bächleins, das in die Meisebach mündet, seien sämtliche Bäume gefällt worden, darunter eine prächtige, wenigstens 200 Jahre alte Eiche und mehrere stolze und vitale Fichten, beschrieb der Maulbacher. Am späteren Nachmittag ging er davon aus, dass der vermeintliche Abzug des Harvesters und Rückezugs nur vorgetäuscht gewesen sei. Tatsächlich seien Fällungsarbeiten an einer nahegelegenen Stelle fortgeführt worden. Alle Zufahrtsmöglichkeiten zu dieser Stelle seien durch die Polizei hermetisch abgeriegelt. Im Nachhinein stelle sich die Frage, ob die Aktivisten, von denen zuvor im Lauf des Nachmittags weitere in das Waldgebiet gekommen waren, vorsätzlich von der Polizei an der Nase herumgeführt worden seien, als die Beamten den Abbruch der Arbeiten bekannt machten, kritisierte Seim am Abend dann nicht nur die Deges.

Dem Vorwurf des Wortbruchs wegen großflächiger Fällungen widersprach die Deges, die stets kommuniziert hatte, dass Vorarbeiten weiterhin stattfinden, auf Anfrage erneut: "Die Fällarbeiten sind Maßnahmen zur erforderlichen Umverlegung der Avacon-Stromleitungen im Zuge des geplanten Neubaus der A 49", erklärte Pressesprecher Lutz Günther. "Es handelt sich um den Abschluss der im Januar begonnenen Fällungen für die Leitungsumlegung als bauvorbereitende Maßnahme und nicht um großflächige Fällungen für die Trasse der A 49. Die Ankündigung der Deges, die großflächigen Baumfällungen für die Trasse erst in der kommenden Fällperiode ab Oktober 2020 durchzuführen, ist weiterhin gültig."

Warum das Polizeipräsidium Mittelhessen und nicht das Polizeipräsidium Osthessen, in dessen Bereich Maulbach liegt, für den Einsatz bei dem Homberger Stadtteil zuständig war, erklärte Jörg Reinemer auf Nachfrage: "Da ein großer Streckenabschnitt der geplanten Neubautrasse im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen liegt, hat das Hessische Innenministerium und für Sport das Polizeipräsidium Mittelhessen mit der Gesamteinsatzleitung beauftragt."