Abschied von "unserer Gertrud" aus Freiensteinau

Gertrud Fehl wurde am Freitag als Erzieherin in der Freiensteinauer Kindertagesstätte "Arche Noah" verabschiedet und bekam nicht nur Lob, sondern auch Geschenke von Bürgermeister Sascha Spielberger, ihrer Chefin Siglinde Muth und von Astrid Heumüller seitens der Kollegen (von links).  Foto: Stock

Nach 33 Jahren Erziehertätigkeit - davon ein Großteil im Kindergarten Freiensteinau beziehungsweise in der Kindertagesstätte "Arche Noah", wie die Einrichtung heute heißt, -...

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. Freiensteinau (gst). Nach 33 Jahren Erziehertätigkeit - davon ein Großteil im Kindergarten Freiensteinau beziehungsweise in der Kindertagesstätte "Arche Noah", wie die Einrichtung heute heißt, - geht Gertrud Fehl offiziell am 1. September dieses Jahres in den Ruhestand. Am Freitag war ihr letzter Arbeitstag. Trotz der Corona-Krise ließen es sich Bürgermeister Sascha Spielberger, Kindertagesstättenleiterin Siglinde Muth sowie Kollegen und Eltern nicht nehmen, "ihre Gertrud" in den Ruhestand zu verabschieden.

Nicht nur die Dankesworte und überreichten Geschenke zeigten die große Wertschätzung, die sich Gertrud Fehl in den vergangenen Arbeitsjahren verdient hat, sondern auch die teilweise gezeigte Emotionalität unterstrich, dass an diesem Tag eine beliebte, aber auch hochgeschätzte Kollegin die "Arche Noah" verließ.

Gertrud Fehls Vita unterstrich, dass für sie nicht nur die ihr anvertrauten Kinder wichtig waren, sondern sie sich besonders um Integration von benachteiligten Kindern bemühte. Sowohl ihre große Geduld, als auch ihr pädagogisches Geschick und psychologisches Einfühlungsvermögen haben dazu beigetragen, die Kinder für Lerninhalte immer wieder zu motivieren.

Gelobt wurde auch das besondere Engagement von Gertrud Fehl, die sich sogar in der Freizeit noch für ihren "Kindergarten" engagierte und dabei auch von ihrem Mann Karlheinz unterstützt wurde. Indem sie zum Beispiel in einer Nacht- und Nebelaktion in Stuttgart Spielgeräte abholten. Oder als sie aus Anlass ihres 60. Geburtstages einen großen Spendenmarathon veranstaltete, der nicht nur viele Unterstützer fand, sondern bei dem 12 000 Euro zusammenkamen, die sie spendete.

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Bürgermeister Sascha Spielberger erinnerte, dass Gertrud Fehl am 29. Juli 1977 ihre Ausbildung zum "Staatlich anerkannten Erzieher" abschloss und in der Zeit von 1976 bis 1982 in der Zentralschule für Blinde in Friedberg tätig war. Am 1. September 1987 erfolgte die Einstellung beim Kindergarten in Freiensteinau. "Das sind insgesamt 33 Jahre - oder im Verwaltungsdeutsch 29 Dienstjahre für die Kinder im Blauen Eck", so Spielberger. Leitspruch ihrer Karriere sei gewesen: "Die Familie und die Kinder sind für mich das Wichtigste." Spielberger zitierte nicht nur aus der damaligen Stellenbewerbung - "meine Arbeit als Erzieherin bietet mir sehr viel Freunde und Anregung" -, sondern auch aus dem Zeugnis der Schule für Blinde - "Frau Fehl konnte ihre Fähigkeiten beweisen, sich auf jedes einzelne Kind einstellen, individuelle Förderungsmöglichkeiten erarbeiten und die Bedürfnisse der Kinder erkennen und in die Arbeit miteinbeziehen". Genau diese Fähigkeiten seien später im Gemeindekindergarten im Bereich Integration gefragt gewesen. Spielberger ließ nicht unerwähnt, dass sie auch die Gruppenleitung im U3-Bereich übernommen habe. Gemeinsam mit der Hauptamtsleiterin Astrid Heumüller überreichte der Bürgermeister ein Geschenk sowie eine Münze.

Siglinde Muth stellte fest: "Du hast die Kinder so angenommen, wie sie sind. Mit allem, was sie mitbringen und was sie vor sich herschieben. Du hast sie weder gebogen, noch verbogen und auch nicht in die gewünschte Richtung gezogen." Deshalb sei der Begriff "Erzieherin" auch nicht in allen Lagen so angenehm. Lieber sei es ihr und Gertrud Fehl, mit den Kindern in einem Garten gemeinsam zu leben. Von daher habe sie auch immer noch Achtung vor dem alten Begriff "Kindergärtnerin". Fortbildungen und der Gedankenaustausch über Themen der Pädagogik seien zudem Dinge, für die sich Gertrud immer zusätzlich Zeit genommen habe.

Tief bewegt bedankte sich Gertrud Fehl für die Geschenke und die Grußworte. Und sie bedankte sich bei den vielen Begleitern der vergangenen Jahre. Die langjährige Leiterin der "Arche Noah", nämlich ihre Schwester Waltraud Waldeck, drückte Gertrud Fehl dann herzlich und übernahm das stellvertretend für viele, die es gerne an diesem Tag persönlich getan hätten.