Hartmann Spezialkarosserien sichert Zukunft in Alsfeld

Zuversicht herrscht bei Hartmann Spezialkarosserien in Alsfeld.  Foto: Hartmann

Aufatmen beim Spezialkarosserie-Hersteller Hartmann und der Stadt Alsfeld: Das Traditionsunternehmen setzt den Betrieb am Standort im Vogelsberg zuversichtlich fort.

Anzeige

. Alsfeld (au). Bei Hartmann Spezialkarosserien in Alsfeld herrscht Optimismus und Aufbruchsstimmung: Nachdem der vorläufige Gläubigerausschuss bereits Anfang September 2020 einstimmig seine Zustimmung zum Insolvenzplan der Unternehmensführung erteilt hatte, haben nunmehr auch das zuständige Amtsgericht Gießen und die Gläubigerversammlung in der vergangenen Woche dem Insolvenzplan zugestimmt und diesen bestätigt. "Die Annahme und die Bestätigung des Insolvenzplanes sichern nunmehr die Zukunft und Fortführung des Spezialkarosserie-Herstellers aus Alsfeld. Die fast 100-jährige Geschichte des Karosserieunternehmens kann somit weiter Geschichte in Alsfeld schreiben", berichtet das Unternehmen.

"Mit unseren 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir nun aufatmen und in Kürze aus dem Insolvenzverfahren ausscheiden", erläutert Hartmann-Geschäftsführer Henrik Schepler erleichtert, "schließlich waren die vergangenen vier Monate für alle Beteiligten besonders aufreibend."

"Ich freue mich für alle Mitarbeiter und für Hartmann. Es ist ein großer Erfolg, dass der Insolvenzplan nach rund vier Monaten der Eigenverwaltung, in der Umstrukturierungsmaßnahmen durchgeführt und Weichen für den erfolgreichen Neubeginn gestellt wurden, verabschiedet und bestätigt werden konnte", sagt Dr. Dragica Banovic, Sachwalterin von Hartmann. Als gerichtlich bestellte Sachwalterin war Banovic an der Erarbeitung des Insolvenzplanes beteiligt. Federführend wird der Sanierungsprozess von Rechtsanwalt Bernd H. Klose und Helge Hoffman, Bachert Unternehmensberatung, begleitet.

Auch die Gläubiger haben Grund zur Freude. Gemäß Insolvenzplan werde die vereinbarte Quote einen Monat nach Aufhebung des Eigenverwaltungsverfahren ausgezahlt.

Anzeige

Der Spezialkarosserie-Hersteller hatte Mitte Mai 2020 wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie und einem befürchteten finanziellen Engpass einen Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung gestellt. Dieses sogenannte "Schutzschirm"-Verfahren ist eine Besonderheit im deutschen Insolvenzrecht, die nur zum Tragen kommt, wenn das Insolvenzgericht Aussichten auf einen erfolgreichen Weg aus der Schieflage sieht. Das war bei Hartmann der Fall. Der Sanierungsplan sieht vor, dass 85 der vormals 110 Arbeitsplätze in Alsfeld erhalten bleiben. Der dazu leider notwendige Stellenabbau erfolgte bereits Ende Juli 2020, 16 Mitarbeiter wurden in einer Transfergesellschaft aufgefangen.

Dem "vorläufigen Gläubigerausschuss" gehörte, vertreten durch Bürgermeister Stephan Paule und Ersten Stadtrat Berthold Rinner (beide CDU) auch die Stadt Alsfeld an. "Daher waren wir - und durch uns der Magistrat - über alle Schritte des vorläufigen Insolvenzverfahrens umfassend informiert", erklärt Paule auf Nachfrage und fügt an: "Der auch mit uns beratene Insolvenzplan wurde mit außerordentlich großer Mehrheit genehmigt. Schon die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die darin enthaltenen Maßnahmen, den Betrieb wieder aus dem Defizit zu führen, greifen können. Damit bliebe Hartmann als wichtiges Alsfelder Unternehmen und Arbeitgeber erhalten." Er bewerte die Annahme daher sehr positiv. Seine Erwartungen an das Verfahren seien erfüllt worden. Besonders hervorzuheben sei, dass in nur vier Monaten eine solche Einigung erzielt werden konnte. Den Fortbestand von Hartmann sei für den Standort Alsfeld immens wichtig: als wichtiger Arbeitgeber, als heimisches Traditionsunternehmen und in Partnerschaft mit der Friederichs-Stiftung und der Firma Carl Friedrichs in Frankfurt. "Sowohl gegenüber ihrer Gesellschaft Hartmann als auch gegenüber der Stadt pflegt die Heinz-und-Giesela-Friederichs-Stiftung stets enge und gute Beziehungen. Im Stiftungsvorstand ist unsere Region personell auch vertreten. Daher bin ich für jeden denkbaren Fall von der Fortsetzung dieser guten Zusammenarbeit ausgegangen. Erst jüngst hat die Stiftung eine 6-stellige Förderung für den neuen Kita-Bau ,Wichtelland' zugesagt", berichtet der Bürgermeister, der mit dem Magistrat und der Hauptverwaltung Hauptbeteiligter sietens der Stadt war. Das Unternehmensnetzwerk der Wirtschaftsförderung werde bezüglich möglicher Vermittlung von Arbeitskräften erst aktiviert, wenn individuell Klarheit über die Zukunft bestehe und die Beschäftigten dies wünschen.