Götel widerspricht Darstellung des Alsfelder Rathauschefs

Aktuelle Informationen über den weiteren Breitbandausbau in den Alsfelder Stadtteilen Berfa, Lingelbach, Heidelbach und Fischbach gab es am Donnerstagabend wie vorgesehen nicht. Symbolfoto: RioPatuca Images - Fotolia

Der Alsfelder Bürgermeister hat Götel eine Informationsveranstaltung untersagt. Das Unternehmen widerspricht jedoch der Darstellung des Rathauschefs.

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. Alsfeld (red/gkr/cdc). Wegen unverantwortlichen Verhaltens eines Vertriebsmitarbeiters der Firma Götel hat die Stadt Alsfeld eine für den Donnerstagabend geplante Informationsveranstaltung zum Thema Breitbandversorgung für die Ortsbeiräte Berfa, Fischbach, Heidelbach und Lingelbach kurzfristig untersagt, gab die Stadt am Donnerstagnachmittag in einer Pressemeldung bekannt. Durch die unabgesprochene breite Verteilung der Einladung über das Internet sei die Einhaltung geltender Hygiene- und Abstandsregeln nicht gewährleistet gewesen, teilte Bürgermeister Stephan Paule (CDU) als örtliche Ordnungsbehörde mit.

Lorenz Keil vom Vertrieb der Firma Götel hatte dem Berfaer Ortsvorsteher Heinz Stumpf mitgeteilt, in Berfa eine Informationsveranstaltung mit wenigen Teilnehmern aus den Ortsbeiräten der genannten Stadtteile durchführen zu wollen. Dementsprechend war zu einer Ortsbeiratssitzung in Berfa eingeladen worden, zu der auch Personen aus den Ortsbeiräten der anderen Stadtteile eingeladen waren. Die Stadt Alsfeld selbst habe keine Einladung erhalten. Der Termin sei von der Firma Götel nicht mit dem Magistrat beziehungsweise der Verwaltung abgesprochen worden. Bürgermeister Paule habe die Informationen direkt von Ortsvorsteher Heinz Stumpf erhalten. Auf Anfrage unserer Zeitung heißt es dagegen aus der Firmenzentrale in Göttingen: Die für den gestrigen Donnerstag geplante Infoveranstaltung in Berfa, sei keine öffentliche Veranstaltung, sondern eine Sitzung eines politischen Gremiums, nämlich des Ortsbeirates gewesen. "Zu dieser Veranstaltung waren verschiedene Lokalpolitiker in Absprache mit der Kommune eingeladen."

Bürgermeister Paule führt weiter aus: "Parallel dazu und unter Nichteinhaltung der seinerseits gemachten Zusagen hat Herr Keil von der Firma Götel per Whatsapp weitere Personen zu der genannten Veranstaltung eingeladen." Im Internet sei die Einladung dann noch an einen unüberschaubaren Adressatenkreis weiter verbreitet worden. "Durch dieses Vorgehen hat Herr Keil das Risiko eines erheblichen Verstoßes gegen die geltenden Coronaregeln hervorgerufen", so Paule. Die Anzahl der Teilnehmer sei daher nicht abzuschätzen gewesen. Aufgrund der geltenden Abstands- und Hygieneregeln habe die Veranstaltung untersagt werden müssen. Paule bedauere dieses unabgesprochene Vorgehen eines Vertreters der Firma Götel außerordentlich.

Götel schildert dagegen den Sachverhalt folgendermaßen: "In einer Mail seitens eines Bürgers fragte dieser Bürger nach Infos zum geplanten Ausbau in der Kommune. Herr Keil hatte den Eindruck, dass diese Person auch zum Kreis der Entscheidungsträger gehörte, und wies ihn auf die Veranstaltung in Berfa hin. Dies war ein Fehler und Herr Keil hätte sich natürlich mit der Kommune in diesem Punkt abstimmen müssen." Und weiter: "Nicht richtig ist aber, dass Herr Keil mehrere Personen zu dieser Infoveranstaltung eingeladen hat, sondern es handelt sich tatsächlich nur um eine Person. Es ist auch nicht möglich, diese Einladung als offene Einladung 'für die Allgemeinheit' falsch zu verstehen, da sie sich explizit an eine Person unter Nennung des Namens richtete." Darüber hinaus sei ebenfalls nicht richtig, dass diese Einladung per Whatsapp verschickt wurde, "sondern Herr Keil hat diese per Mail an die Person geschickt". Eine persönliche Einladung per Mail als "halböffentliche allgemeine Einladung, die zu unabsehbaren Besucherströmen führt" zu verstehen, ist aus Sicht des Göttinger Unternehmens falsch und überspitze die Situation. "Einig sind wir uns mit der Stadt Alsfeld in der Einschätzung, dass die Einladung einer weiteren Person der Absprache bedurft hätte. "Gegen die Überspitzung und die scharfe Titulierung unseres Mitarbeiters als 'unverantwortlich' verwahren wir uns allerdings." Außerdem bezweifele das Unternehmen, dass die Nennung des Namens von Herrn Keil der Information der Pressemeldung diene.

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Allgemein zum Thema Breitbandausbau in den vier Alsfelder Ortschaften sagt Paule, dass nach sehr vielen Enttäuschungen über nicht eingehaltene Zusagen der Firma durch Vermittlung von Kreis und Land eigentlich in den vergangenen Wochen Bewegung in die Sache gekommen sei. Am 17. August habe die Firma beim Bauamt auch erstmals prüffähige Unterlagen für die Breitbanderschließung vorgelegt. Dass nun ein Vertriebsmitarbeiter durch solch unbedachtes Vorgehen jegliches Vertrauen in seine Firma in Zweifel ziehe, sei "sehr schade", seien sich Berfas Ortsvorsteher Heinz Stumpf und Bürgermeister Paule einig.

Die Bürger von Berfa, Fischbach, Heidelbach und Lingelbach, wollten wissen, wann sie endlich Breitband-Internet bekommen. Ein solches Vorgehen wie jetzt, zerstöre mühsam wiederaufgebautes Vertrauen.

In seiner Untersagungsverfügung schlägt Paule vor, dass der Ortsvorsteher für ein neues Datum, zu einem entsprechenden Termin unter Einbeziehung von Stadtverwaltung und des Breitbandkoordinators des Vogelsbergkreises einladen solle. Hierzu sei die Teilnehmerzahl in der Einladung auf eine den Räumlichkeiten angepasste Personenzahl zu beschränken und der Teilnehmerkreis beispielsweise durch Voranmeldungen klar zu benennen.

Rainer Staar, Bereichsleiter Bau-Süd innerhalb der Götel-Gruppe sagte auf Anfrage unserer Zeitung: "Die kurzfristige Absage der gestrigen Informationsveranstaltung durch Bürgermeister Stephan Paule kann ich nachvollziehen. Ich unterstütze das Verwaltungshandeln. Hier geht um die Gesundheit von Menschen." Aus Göttingen heißt es darüber hinaus, dass das Unternehmen die Situation rund um die aktuelle Covid-19-Pandemie sehr ernst nehme. "Seit Ausbruch der Pandemie haben wir unseren Arbeitsalltag komplett auf ein Hygienekonzept ausgerichtet, dass dabei helfen soll, sowohl unsere Mitarbeiter, unsere Kunden sowie unsere Geschäftspartner maximal zu schützen. Ein Baustein dieses Hygienekonzeptes ist der weitgehende Verzicht auf jegliche öffentliche Vertriebsveranstaltungen. Nur, wenn Veranstaltungen seitens der Kommunen durchgeführt werden, nehmen unsere Mitarbeiter als Referenten teil. Sollten Veranstaltungen innen stattfinden, sind Vorkehrungen wie Masken, Desinfektionsmittel und Abstand für uns eine Selbstverständlichkeit."