Eine Alternative für Raucher in Alsfeld?

Geschäftsführer Richard Zieske und der leitende Verkäufer in Alsfeld, Nico Martin, erzeugen mächtige Dampfwolken.    Foto: Dickel

Immer häufiger sind junge Leute mit Dampfgeräten auch in Alsfeld unterwegs und blasen dicke Wolken in die Luft.

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ALSFELD. Dichte Wolken wabern in der Luft beim Betreten des Dampfshops Vapor Ape in der Innenstadt. Dabei riecht es nicht nach Rauch, sondern nach einer Mischung aus verschiedenen Früchten, ein wenig nach Kaugummi und einem Hauch von Vanille. Seit knapp einem halben Jahr gibt es den Laden in Alsfeld. Geschäftsführer Richard Zieske erklärt im Gespräch, was es mit dem Dampfen und der Vielzahl an E-Zigaretten auf sich hat.

Im Gegensatz zum Rauchen findet beim Dampfen keine Verbrennung statt, erklärt der 26-Jährige aus Fulda. Mit sogenannten Liquids befüllt der Verbraucher seine E-Zigarette. In den Dampfgeräten wird die Flüssigkeit so erhitzt, dass sie verdampft. Dazu benötigt der Konsument eines der vielen am Markt erhältlichen Geräte, ein USB-Kabel zum Laden des Akkus und ein Liquid seiner Wahl - nach Wunsch mit oder ohne Nikotin. "Es ist ein Ersatz für die Zigarette und die bessere Alternative", ist der Jungunternehmer überzeugt. Für Raucher sei es psychologisch wichtig, dass sie inhalieren und dann ausatmen. Trotzdem könne man das Dampfen nicht mit dem Rauchen gleichsetzen.

In den Liquids seien lediglich vier Inhaltsstoffe (Propylenglycol, Glycerin, Wasser, Aroma sowie auf Wunsch Nikotin) enthalten, die aus der Lebensmittelindustrie stammen. In einer normalen Zigarette dagegen seien bis zu 4 000 Inhaltsstoffe zu finden. "Wir nennen Zigaretten Pyros und dort sind jede Menge Chemikalien wie etwa Hustenblocker drin", ruft einer der Stammkunden. "Dampfen ist besser als Rauchen - definitiv. Aber keiner sagt, dass Dampfen gesund ist. Frische Luft ist immer noch am besten", gibt Zieske unumwunden zu. Das würde er auch Neukunden in Beratungsgesprächen immer mit auf den Weg geben, damit kein falscher Eindruck entsteht. Lediglich, wenn die Geräte nicht rechtzeitig mit Liquid nachgefüllt würden, verbrenne die Watte in den Verdampfern. "Dann entsteht das giftige Formaldehyd", ergänzt der leitende Verkäufer Nico Martin. Jedoch sei auch dieses Gift deutlich geringer als in einer herkömmlichen Zigarette. Bei richtiger Anwendung der Produkte wird eine aromatisierte Flüssigkeit durch einen meist mit Watte bestückten Heizdraht erhitzt, um sie zu inhalieren.

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Oft werde Zieske gefragt, ob Dampfen billiger als Rauchen sei. Seine Antwort: "Jein." Das hänge damit zusammen, dass es schnell zum Hobby werde, weil es so viele Produkte gibt. Viele Kunden würden eine regelrechte Sammelleidenschaft entwickeln.

Unter den Dampfern hat sich eine eigene Community entwickelt, erzählen einige Stammkunden. Man trifft sich untereinander in Kneipen und Gaststätten, um über neue Geschmacksrichtungen und Geräte zu sprechen. Dabei seien viele Freundschaften und ein "neues soziales Umfeld" entstanden. Die Besonderheit: Vom arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger bis zum erfolgreichen Geschäftsmann seien dort alle sozialen Schichten vertreten, die sich sonst niemals kennengelernt hätten, ergänzt ein weiterer Stammgast im Laden. Zieske selbst meidet die Treffen nach eigener Aussage jedoch, damit es nicht so wirkt, als ob er dort seine Produkte promoten will.

Allerdings gibt es auch noch viele Vorurteile gegenüber E-Zigaretten. So sei im Internet nach der Eröffnung zu lesen gewesen: "Noch so ein Giftshop" oder "Die Geräte werden zum Drogeninhalieren benutzt". "Jeder ist eingeladen, sich im Shop alles erklären zu lassen. Wir distanzieren uns klar von jeglichen Betäubungsmitteln", macht der Geschäftsführer deutlich. Immer wieder gebe es tendenziöse TV-Berichte. Dort wird das Dampfen als Einstiegsdroge dargestellt, erzählt Martin. Dabei seien geschätzt 95 Prozent aller Erstkunden Raucher auf der Suche nach einer Alternative zur Zigarette. "Keiner, der reinkommt, hat noch nie eine Zigarette geraucht", ist Zieske überzeugt.

Erst ab 18

Was allerdings nicht von der Hand zu weisen ist, sind die vielen Jugendlichen, die sich für die Produkte interessieren, räumt der Geschäftsführer ein. "Wir kontrollieren täglich Ausweise. Im Schaufenster ist deutlich ,ab 18' zu lesen", berichtet der 26-Jährige. Er habe auch schon erlebt, dass Eltern für ihren Heranwachsenden einkaufen. Dann könne er nichts machen, auch wenn er es selbst für unverantwortlich hält. Mittlerweile würden auch viele ältere Raucher umsteigen, aber Zieske schätzt das Durchschnittsalter seiner Kunden auf 25 bis 30 Jahre.

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"Dampfen ist kein Trend. Es ist definitiv die Zukunft", ist er überzeugt. Nach Großbritannien, Italien und innerhalb Deutschlands vertreibe er seine Produkte - überall steht Alsfeld als Absender drauf. Außerdem plane er, weitere Ladengeschäfte in Deutschland zu eröffnen.

Was ihn jedoch ein wenig ärgere, ist, dass in wenigen Wochen ein weiterer Dampfshop in unmittelbarer Nähe in der Untergasse eröffnen möchte. Trotz des Dampfbooms erscheine ihm die Stadt dafür zu klein. Bisher laufe das Geschäft gut bis zufriedenstellend. "Wenn der Laden rote Zahlen schreibt, mache ich ihn sofort dicht, dann steht eben als Absenderadresse nicht mehr Alsfeld drauf", sagt Zieske.