Alsfelder Geschwister-Scholl-Schule testet digitales Lernen

Voller Zuversicht sehen (von links) die stellvertretende Schulleiterin Anne Christ und die Konrektoren Rolf-Dieter Aff und Marco Allendorf dem Start des „iPad-Pilotprojektes“ an der Geschwister-Scholl-Schule entgegen. Foto: Buchhammer  Foto: Buchhammer

30 Schüler der kommenden 7. Jahrgangsstufe an der GSS Alsfeld machen in Form eines kreisweiten Pilotprojektes mit einem iPad den ersten Schritt in ein neues Zeitalter des Lernens.

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ALSFELD. (lb). Zeugnisse sind ausgeteilt, Abschiedsfeiern vollzogen. Spätestens seit Freitag parken Ranzen und Schulrücksäcke in einer schnell unsichtbar werdenden Ecke eines Raumes. „Endlich Ferien“ heißt es für die Schüler des Vogelsbergkreises. Für die neuen ABC-Dötzchen des Umlandes sind indes die Tage gezählt. Mit der Einschulung im August beginnt der von älteren Generationen angepriesene „Ernst des Lebens“. Dann gibt es noch knapp 30 Schüler der abgeschlossenen 6. Jahrgangsstufe an der Geschwister-Scholl-Schule Alsfeld (GSS), die ihrem Neustart in Klasse 7 regelrecht entgegenfiebern. Sie nämlich machen in Form eines kreisweiten Pilotprojektes mit einem iPad den ersten Schritt in ein neues Zeitalter des Lernens.

Kinder lernen anders

Früher war die Schule der Mittelpunkt des Lernens, heute aber lernen die Kinder anders. PC, Spielekonsolen, Smartphones und Tablets gehören schon in früher Kindheit zu ihrem Alltag. Nahezu täglich benutzen sie diese Geräte und ergründen die Welt lieber per Wischbewegung anstelle mit dicken Büchern, Block und Stift. Als Schule könne man diese Entwicklung keineswegs aufhalten und ignorieren. Ganz im Gegenteil. Man sollte das Interesse der jungen Generationen und die Chance der digitalen Bildungsvermittlung nutzen, gewährt das Schulleiterteam der GSS einen Einblick in seine Vorreiterfunktion zum digitalen Lernen.

Schon vor zwei Jahren besuchten Anne Christ, Rolf-Dieter Aff und Marco Allendorf eine Fortbildungsmaßnahme zum schulischen Gebrauch von mobilen Endgeräten im Unterricht. Die Lehrer waren erstaunt – und begeistert zugleich – über die Anwendungsmöglichkeiten und den positiven Einfluss des modernen Mediums zur Lernbereitschaft, wie auch über die Medienkompetenz der Schüler.

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„Hier geht es nicht um die Förderung vom Tickern und Daddeln (Spielen), sondern um den Einsatz der Tablets als Lerngerät. Und auch um den sinnvollen Umgang mit der Technik auf digitaler Ebene“, stellen die Lehrkräfte deutlich den Kern ihres Konzeptes heraus.

Die traditionelle Form des Frontalunterrichts – der Lehrer gibt seinen Schülern alles vor und die Schüler lernen die Vorgaben stur auswendig – habe längst ausgedient. Heute gehe es vor allem um die Fähigkeit, selbstständig zu arbeiten und die Dinge zu ergründen. Dies wiederum könne man als Lehrer gut erreichen, indem man die innere Motivation seiner Schüler reize und fördere. „Was einem Spaß macht, macht man doch besonders gerne und ausdauernd“, bringt die Runde einen wichtigen Aspekt zur Motivationsförderung auf den Punkt.

Ein weiteres Positivum bestehe in der Stärkung der individuellen Sozialkompetenzen. Ruhigere Kinder bekommen eine greifbare Chance, sich in ihrem Denken und Tun zu beweisen – beispielsweise bei den Hausaufgaben oder durch das Erarbeiten einer Präsentation, die man dank Netzwerkanschluss direkt auf das Whiteboard übertragen kann.

Lernwerkzeug

Dementsprechend soll das iPad neben Schulbüchern, Arbeitsheften, Papier und Mäppchen ein selbstverständliches Lernwerkzeug werden, auf das man in der Regel in allen Fächern zurückgreifen könne. Ob zur Recherche, für die Geometrie in Mathematik oder als Instrument im Fach Musik, die Anwendungsmöglichkeiten scheinen dank feinster Software schier grenzenlos. „Selbst im Fach Sport“, berichtet Anne Christ vom beispielhaften Einsatz der Video-Technik zum Erklären und Verfeinern der eigenen Lauf- oder Sprungtechnik.

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Nach einem Elternabend in der vergangenen Jahreshälfte kam der Stein ins Rollen. Mehr als 30 Eltern der Jahrgangsstufe waren von dem Vorhaben begeistert, signalisieren den Lehrern die Übernahme der Anschaffungskosten für die Tablet-Computer ihrer Sprößlinge.

„Das ist ein bemerkenswertes Pilotprojekt, das die Innovationsbereitschaft der Geschwister-Scholl-Schule herausstellt. Das Projekt wird technisch von unserem Amt für Schulen und Liegenschaften begleitet“, stehen ebenso Landrat Manfred Görig (SPD) und der Vogelsbergkreis dem Vorhaben positiv gegenüber und unterstützen das digitale Schulprogramm auf breiter Ebene.