"Alsfeld Mittelpunkt hessischer Universitäten"

Warum nicht Planung und Einstellung von Referendaren in Hessen von Alsfeld und Gießen aus planen? Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule hält die Pläne der Landesregierung für richtig und die Standorte für geeignet. Fotos: Paule, contrastwerstatt - fotolia.de

Bürgermeister Stephan Paule wirbt nach Kritik für seine Stadt als Standort der Lehrkräfteakademie. Entscheidung für Alsfeld sei "richtig, sinnvoll und zukunftsorientiert".

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. Alsfeld (au). Noch ist die Hessische Lehrkräfteakademie mit ihrer Zentrale in Frankfurt angesiedelt. Doch 2024 soll sie nach Gießen umziehen und eine Außenstelle in Alsfeld erhalten. Gegen diese Entscheidung, die das Kultusministerium Anfang Juli veröffentlich hatte, regt sich nun Widerstand seitens des Hauptpersonalrates beim Hessischen Kultusminiserium im Geschäftsbereich Verwaltung. Die Bedenken kann Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule (CDU), der sich im Juli erfreut über die Pläne der Landesregierung zeigte, zwar verstehen. Den Umzug hält er aus der Gesamtperspektive für das Land und die Institution hingegen für "richtig, sinnvoll und zukunftsorientiert".

"Ein berufsbedingter Umzug über eine Strecke von rund 100 Kilometern birgt für die Betroffenen Belastungen und Ängste, zumindest aber große Mühen und Umstellungen mit sich. Dass sich also die Personalräte als Vertreter derjenigen Mitarbeiter, die ihr Arbeitsleben auf die bisherigen zentralen Standorte der Lehrkräfteakademie eingestellt haben, gegen örtliche Veränderungen ausspricht, ist nachvollziehbar", räumt Paule ein. Schließlich war dies einer der Kritikpunkte: Weniger als eine Handvoll Mitarbeiter der Lehrerakademie lebe näher als 100 Kilometer an der Stadt im Vogelsberg. "Organisationsentscheidungen müssen jedoch mehr als nur die aktuelle Betroffenheit in den Blick nehmen. Sie müssen eine Behörde organisatorisch und örtlich zukunftsfähig aufstellen", argumentiert Paule.

Dazu stellt der Alsfelder Bürgermeister - früher selbst Lehrer für Englisch und Geschichte sowie Referent im Referat für Lehrerbildung beim Kultusministerium - fest: "Das Land als wichtiger Arbeitgeber verlagert Arbeitsplätze aus dem Verdichtungsraum in den ländlichen Raum. Es folgt daher einer Strategie, auch hochwertige Arbeitsplätze nicht nur in den Ballungszentren vorzuhalten." Laut dem Bürgermeister wäre auch nicht erklärbar, warum Arbeiten wie die Planung der Einstellung der Referendare, die Organisation der landesweiten Fortbildung oder die Erstellung der zentralen Abschlussarbeiten für die Schulen "nur" im Rhein-Main-Gebiet stattfinden könnten. "Alsfeld und Gießen liegen mitten in Hessen und sind verkehrlich exzellent angebunden", konstatiert er. Alsfeld habe zudem nicht die für Großstädte typischen Verdichtungsprobleme. Das von GEW-Vertretern vorgetragene Argument, warum die bisherigen Standorte in Frankfurt, Wiesbaden und Kassel zentral für Besprechungen und so weiter liegen sollen, zeuge von der Ballungsraumperspektive einzelner Funktionäre. "Nicht nur zum Arbeiten, sondern auch zum Wohnen und Leben, gerade mit Familien bietet Alsfeld im ländlichen Raum Qualitäten, die keine Großstadt bieten kann", wirbt der Alsfelder Bürgermeister für seine Stadt.

Das Land hebe mit dem Umzug auch einen stark einschränkenden Faktor in der Personalgewinnung auf. "Staatliche Arbeitgeber konkurrieren in Frankfurt/Rhein-Main mit zahlreichen ,global Playern', was Bezahlung, Personalgewinnung in der Verwaltung und so weiter angeht. Im ländlichen Raum sind staatliche Stellen ,Premium-Arbeitgeber'", so Paule und folgert: Für Interessenten aus ganz Hessen - nicht nur aus dem Speckgürtel Frankfurts - würde die Arbeit in der Lehrkräfteakademie in Alsfeld und Gießen interessant. Der Akademie werde hier, wo sie genau in der Mitte der fünf hessischen lehrerbildenden Universitäten liege, die Möglichkeit eröffnet, aus dem gesamten Personalpotenzial des Landes zu schöpfen. "Sehr herzlich lade ich die Vertreterinnen und Vertreter der Personalräte hier zu uns nach Alsfeld ein, um sich von der Zukunftsfähigkeit unserer Region zu überzeugen. Wenn sie einmal hier sind, werden sie vielleicht gar nicht mehr so gerne in die dunklen Altbauten im Frankfurter Bahnhofsviertel zurückwollen", betont Paule.

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In der Außenstelle der Akademie rechnete Paule nach seinen Aussagen vom Juli mit 150 bis 200 Arbeitsplätzen in Alsfeld. Die Pläne der Landesregierung sahen vor, dass auch eine gemeinsame Unterbringung in einer Immobilie mit der Polizeistation Alsfeld geprüft werde, deren Räume "An der Au" inzwischen zu beengt sind. Damit sollen Synergieeffekte gehoben werden, hieß es im Juli. Als ein möglicher Standort gilt das Bücking-Gelände.