Der Sprach-Optimist fragt diesmal: Hessisch oder Bairisch?

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Sprach-Optimist Murtaza Akbar fragt sich: Wann ist nochmal Viertelzwölf?  Foto: Wortwahl

Sprach-Optimist Murtaza Akbar konnte sich einst mit rund einer Milliarde Menschen verständigen. Heute hingegen blickt er nicht mal mehr bei den bairischen Dialekten durch.

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. Hätte ich das gewusst! Mensch, schon doof für mich. Ich hätte mich ganz locker-flockig mit weit mehr als einer Milliarde Menschen jeweils in ihrer eigenen Muttersprache unterhalten können. Welch' wunderbare Vorstellung für einen Sprach-Optimisten. Ich konnte tatsächlich mal fünf Sprachen von sehr gut bis einigermaßen sprechen. Krass, wenn ich daran denke. Heute ist praktisch nur noch Deutsch und Englisch übriggeblieben und ein rudimentäres Urdu. Das sprechen die Menschen in Pakistan. Und auch in Indien, denn das gesprochene Urdu und Hindi gleicht sich sehr. Also Bollywood-Filme im Originalton sind kein Problem für mich. Dafür müsste ich nur mal drei Stunden am Stück Zeit haben und am besten eine Sonnenbrille aufsetzen, um die grellen Farben zu ertragen. Nee, stimmt nicht, das habe ich nur geschrieben, um intellektuell zu wirken. In echt finde ich manchen Bollywood-Schinken wundervoll.

Genauso wie die deutsche Sprache. Vor Kurzem war der Internationale Tag der Muttersprache. Ja, sowas gibt's wirklich, immer im Februar. Sogar ganz offiziell von der Unesco initiiert. Da wurde ich wieder vermehrt gefragt, ob ich nicht Angst habe, dass die deutsche Sprache ausstirbt. So'n Quatsch! Sagenhafte 105 Millionen Menschen haben Deutsch als Muttersprache. Klar, Chinesisch führt mit fast einer Milliarde Muttersprachler vor Hindi und Englisch. Aber Deutsch ist mit Platz zehn in den Top Ten. Deutsch wird hiermit von mir zu einer der Weltsprachen erklärt. Wunderbar, allein wenn ich an den Wortschatz denke.

Nur bei den ganzen Dialekten hierzulande blicke ich nicht durch. Geografisch bin ich übrigens auch nicht die hellste Kerze auf der Torte. Sagt man doch jetzt so, um lässig zu wirken. Dass mit den mangelnden Geografiekenntnissen gilt bei mir aber nur für Flüsse und Gebirge. Und Bayern. Ein toller Mitarbeiter aus meinem Team kommt aus Bayern. Aschaffenburg, um genau zu sein. Und er hat mir mal das ganze Regionen-Portfolio mit Oberbayern, Niederbayern, Oberfranken, Niederfranken, Schwaben und Oberpfalz erklärt. Das ist einfach zu hoch für mich. Halt, Mittelfranken habe ich noch vergessen. Das ist das Einzige, was ich mir merken kann, liegt nämlich irgendwo in der Mitte von Bayern.

Aber ich wollte ja eigentlich was zu den Dialekten sagen. Und da wird's in Bayern noch kurioser. Da gibt's zum Beispiel Nordbairisch oder Mittelbairisch, jeweils mit "i" geschrieben. Das verwirrt mich vollends. Und auch wenn der klasse Mitarbeiter aus Bayern sagt, dass er um Viertelzwölf zum Kundentermin fährt, muss ich nachfragen. Ich kann es mir einfach nicht merken. 11.15 Uhr hat er mir dann in einwandfreiem Hochdeutsch zugerufen. Da kam ich mir schon ein wenig wie ein Sprach-Amateur vor. Dabei bin ich doch Profi, zumindest in Hessisch. Das ist einfach der wahre Dialekt. Horsche ma, da gibt's nix, gell?

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Und die hessischen Regionen sind auch klar: Südhessen, Mittelhessen und Nordhessen, ganz einfach, oder hab' ich was vergessen? Letztens fragte mich tatsächlich ein Tourist, ob Frankfurt nicht eine eigene Region wäre. Frankfurt und Hessen wären doch zwei Paar Schuhe - so wie New York und USA. Ich gebe zu, der Vergleich schmeichelt einem gebürtigen und überzeugten Frankfurter wie mir, aber nein, Frankfurt ist Ur-Hessisch. Absurderweise fragte er mich das in einer Ebbelwoi-Kneipe in Sachsenhausen. Also, hessischer geht's ja kaum. Ich hatte dann noch kurz überlegt, ob ich mit ihm Stadt, Land, Fluss nur bezogen auf Hessen spiele. Aber womöglich kennt der gute Tourist den von mir noch zu schreibenden hessischen Reiseführer - "Das wunderbarste Bundesland der Welt" - schon auswendig. Nee, dann doch lieber zusammen Handkäs mit Musik genießen. Sehr zu empfehlen übrigens, zumindest wenn Sie am nächsten Tag keinen Kundentermin haben ...

Murtaza Akbar ist Trainer, Coach und Redner zum Thema Sprache und Kommunikation. Der gebürtige Frankfurter mit pakistanischen Wurzeln ist zudem Geschäftsführer der Agentur Wortwahl und Dozent an der Hochschule Darmstadt im Studiengang Onlinekommunikation. Zu erreichen im Internet unter www.akbar.de

Von Murtaza Akbar