200 Teilnehmer bei Ukraine-Demo in Mainzer Innenstadt

aus Krieg in der Ukraine

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Gegen Russland und für eine Bewaffnung der Ukraine richteten sich Plakate und Forderungen der Demonstranten am Samstagabend auf dem Liebfrauenplatz.        Foto: hbz/Kristina Schäfer

Blau und Gelb waren am Samstagabend die dominierenden Farben auf dem Liebfrauenplatz. Rund 200 Menschen zeigten hier friedlich ihre Solidarität mit der Ukraine.

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MAINZ. Blau und Gelb sind die Farben, die am Samstagabend auf dem Liebfrauenplatz dominieren. Auf Fahnen, Mützen, T-Shirts, auf selbst gebastelten Schildern, als gemalte Streifen in Gesichtern, als Fußball-Fanschal oder als runde Schmucksteine in Herzform auf dem Kleid eines kleinen Mädchens. Es wirkt, als hätten die Menschen, alles herbeigeschafft, was die Nationalfarben der Ukraine zeigt – um ihre Solidarität mit dem Land zu zeigen, das sich seit dem 24. Februar gegen einen Angriff der russischen Armee verteidigt. Darauf sollte die Demonstration aufmerksam machen, zu der der Ukrainische Verein Mainz aufgerufen hatte. Wie die Mainzer Polizei im Anschluss mitteilte, verlief die Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse.

Die Zahl der Demonstranten blieb derweil hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Ursprünglich hatten diese eine Veranstaltung mit 500 Teilnehmern angemeldet. Letztlich waren es nach Schätzung der anwesenden Polizeibeamten dann aber doch eher 200 Personen, die sich auf dem Platz neben dem Dom eingefunden hatten. Die Vorsitzende des Ukrainischen Vereins, Viktoriya Jost, erklärte das auch mit der Veranstaltung, die ihr Verein erst am Donnerstag anlässlich des ukrainischen Nationalfeiertags exakt sechs Monate nach dem Beginn des russischen Angriffs rund um die Theodor-Heuss-Brücke organisiert hatte, zu der nach Polizeiangaben mindestens 700 Menschen gekommen waren (wir berichteten). Einigen sei wohl nicht bewusst gewesen, dass direkt einige Tage später wieder eine Demonstration in Mainz stattfinden würde, mutmaßt Jost – dennoch sei es wichtig, an diesem Tag erneut ein Zeichen zu setzen.

"Die Ukraine bleibt unabhängig"

„Die Ukraine war, ist und bleibt unabhängig, das ist die wichtigste Botschaft heute“, ruft Jost einige Minuten später dem in seine vielen blau-gelben Facetten gewandeten Publikum zu, das sich zum überwiegenden Teil aus Menschen zusammensetzt, die erst im Laufe des vergangenen halben Jahres auf der Flucht vor dem Krieg nach Rheinhessen gekommen sind. Doch auch Ukrainer, die wie Jost selbst schon länger in Deutschland leben und auch Deutsche sind gekommen. So auch Martin Geyer: „Wir Deutsche sollten Solidarität zeigen mit einem Volk, das eine Freiheit und unsere europäischen Werte verteidigt“, sagt der Mainzer, ebenfalls mit einer blau-gelben Fahne um die Schultern.

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Es ist eine außergewöhnliche Stimmung, die während der Veranstaltung auf dem Platz herrscht, die mal zwischen äußerst bedrückend, wenn eine Frau aus Butscha ihre Eindrücke aus der von Russland zeitweise besetzten Stadt schildert, mal fast schon ausgelassen schwankt, wenn ein zwölfjähriger Junge einen traditionellen Volkstanz der Ukraine präsentiert. Wenn sich dann noch Fußballfans auf dem Heimweg oder einmal sogar ein Bier-Bike mitsamt singender Besatzung ihre Wege am Rand der Kundgebung entlang bahnen, prallen unter den Türmen des Doms völlig konträre Lebensrealitäten ziemlich krass aufeinander.

Man wolle mit der Veranstaltung einen Appell an Pazifisten und Gegner von Waffenlieferungen senden, sagt Jost im Gespräch mit dieser Zeitung noch. „Es geht uns um Frieden und darum, dass wir uns verteidigen können.“ Gefordert wird neben der Lieferung von schweren Waffen auch Freiheit für die gefangenen Verteidiger der Hafenstadt Mariupol. „Freiheit“ ist dann auch das Wort, das die Demonstranten in einer Mini-Performance auf dem Platz formen. Auf Ukrainisch, ebenso wie das Wort „Frei“ auf Deutsch. Dazu werden Papierschilder in die Höhe gehalten. Sie sind, natürlich, blau und gelb.