Hoffen in Leusel und Angenrod auf Verkehrsentlastung durch Lückenschluss an A 49
Mehr als 600 Unterschriften haben Anette Schmidt und Axel Möller an Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule übergeben. Damit fordern Bürger aus Leusel und Angenrod den Weiterbau der A 49.
Von Günther Krämer
Anette Schmidt und Axel Möller übergeben 600 Unterschriften aus Leusel und Angenrod an Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule und fordern den Weiterbau der A 49. Foto: Krämer
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LEUSEL - Gegner und Befürworter der geplanten A 49 streiten weiterhin für ihre Interessen: Auf der einen Seite die Umweltaktivisten, die Bäume im Dannenröder Forst besetzt halten, um die Rodungen zu verhindern; auf der anderen Seite diejenigen, die sich die Autobahn herbeisehnen. So auch in Leusel, wo am Dienstag Verfechter des Autobahnbaus aus diesem Alsfelder Stadtteil sowie aus Angenrod eine Unterschriftenliste an Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule (CDU) übergaben, mit der sie gemeinsam grünes Licht für den Weiterbau sowie die Fertigstellung der A 49 fordern. Davon versprechen sie sich eine nachhaltige Verkehrsentlastung der Ortsdurchfahrten entlang der B 62.
Seit fast 50 Jahren wird die A 49 und damit eine Entlastung des überörtlichen, insbesondere des Lastwagenverkehrs diskutiert, seit mehr als 30 Jahren wird geplant; jetzt steht das letzte Teilstück zwischen der Anschlussstelle Schwalmstadt und dem Ohmtal-Dreieck kurz vor der Vollendung. Doch die Umsetzung ist ins Stocken geraten. Es hat sich Widerstand formiert. Bürgerinitiativen richten sich gegen den Weiterbau. Stand der Dinge ist, dass vollziehbares Baurecht auf der Grundlage bestandskräftiger Planfeststellungsbeschlüsse von 2018 besteht. Auch wenn der BUND aktuell gegen das Vorhaben klagt. "Das ÖPP-Vergabeverfahren wird unbeschadet der Klage fortgeführt", erläutert die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH. Alle bereits begonnenen Maßnahmen zur Bauvorbereitung würden fortgesetzt. Eine Beauftragung zum Bau werde dann erfolgen, wenn für den öffentlichen Auftraggeber und für den privaten Vertragspartner Rechtssicherheit zur planmäßigen Ausführung des Projekts besteht. Die Anwohner in Leusel und Angenrod sehen die Umsetzung des Weiterbaues gefährdet und haben deshalb den "Spieß" umgedreht. Deshalb lief in den vergangenen Monaten eine Aktion. Mehr als 600 Unterschriften - 319 davon aus Leusel (645 Einwohner) und 300 Unterschriften aus Angenrod (506 Einwohner) - übergaben Anette Schmidt und Angenrods Ortsvorsteher Axel Möller jetzt an Paule.
Schmidt machte dabei deutlich: "Wir fordern den zügigen und planmäßigen Weiterbau. Wir sind nicht gegen Umwelt und Natur. Auch wir wollen, dass solche Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschützt werden. Aber auch wir Menschen an der B 62 wünschen uns Schutz vor dem ständig steigenden Verkehrsaufkommen mit seinen umweltschädlichen Konsequenzen - darunter große Lärmbelästigung durch hohes Lastwagenaufkommen. Obwohl Baurecht geschaffen ist, ruht momentan die Umsetzung. Wir hoffen, dass durch unsere Aktionen deutlich wird, auch die Menschen, die Anwohner, haben einen Anspruch auf Wohn- und Lebensqualität." Ein Leben an der stark befahrenen Ortsdurchfahrt der B 62 sei manchmal "lebensgefährlich".
Zu den nun übergebenen Unterschriften werden in absehbarer Zeit weitere hinzukommen: Die CDU im Vogelsbergkreis hatte im vergangenen Jahr eine Unterschriften-Aktion für den Weiterbau der A 49 gestartet. In vielen Stadt- und Kreisverbänden wurden laut Vorstandsmitglied Alexander Heinz (Alsfeld) Unterschriften zum Weiterbau und der Fertigstellung gesammelt. Noch seien die Listen bei den jeweiligen Parteigliederungen - auch in den Nachbarkreisen in Marburg, Stadtallendorf und Neustadt. "Schon jetzt kann ich aber überschlägig feststellen: Auch hierbei zeichnet sich eine große Resonanz für die Fertigstellung des letzten Teilabschnittes nach dem Planfeststellungsbeschluss ab", erläuterte Heinz. Wie Anette Schmidt erläuterte, sollen nun alle Unterschriftenlisten durch Bürgermeister Stephan Paule zusammengeführt und aus dem Rathaus an den zuständigen Hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir (Grüne) weitergeleitet werden mit dem Hinweis auf eine nachhaltige politische Unterstützung der Forderungen der Bürger.
Die Überreichung der Unterschriften "Pro Weiterbau A 49" stieß auf überregionales Medieninteresse. Dreimal äußerten sich Anette Schmidt und ihre Mitstreiter im Hessischen Rundfunk (HR) - Rundfunk und Fernsehen - zu ihrer Forderung. Auch die Hessenschau berichtete am Dienstag aktuell.
Für wie wichtig und dringend die Bürger den Weiterbau der A 49 und die Entlastung erachten, war der Tatsache zu entnehmen, dass fast 100 Personen - darunter Bürger aus Angenrod und Kirtorf - innerhalb kürzester Zeit den Weg in die Leuseler Ortsmitte gefunden hatten. Genau dort, wo die Aktion vor zwei Monaten angekündigt worden war, fand nun die Überreichung der Unterschriften-Listen statt: mitten auf Ortsdurchfahrt an der B 62. Für zehn Minuten standen alle Fahrzeuge, darunter viele Lkw im "Demonstrations-Stau" in Leusel.
"Glaubt nicht den Worten der Politik - es wird zu keiner wesentlichen Entlastung des Lkw-Aufkommens kommen, wenn nicht grundsätzlich in der Verkehrspolitik umgesteuert wird", betont indes einer der Aktivisten aus dem Dannenröder Forst, der sich selbst Haselmaus nennt. Diese Botschaft der A 49-Gegner kam im Rahmen der Unterschriftenüberreichung direkt aus einem Baumhaus. "Ich kann das Anliegen der Anwohner an der B 62 nachvollziehen; aber eine langfristig wirkende Lösung zur Verkehrsreduzierung ist das nicht. Denn: Mit der A 49 wird eine Mega-Nord-Süd-Strecke europaweit entstehen, auf der die gesamte Wirtschaftslogistik mit Lastwagenverkehr dann aufbaut." Und genau das werde mittelfristig und langfristig das Verkehrsaufkommen auf den Bundesstraßen erhöhen, weil die Autobahnen nicht mehr ausreichten. "Anstatt global auf die Änderung des Lebensumfeldes und Konsumverhaltens und damit auch auf eine Verringerung des Transportes der Wirtschaftsgüter auf der Straße und stattdessen vermehrt auf den Schienenverkehr zu setzen, nimmt man eine Zerstörung von Landschaft, Umwelt und Natur in Kauf.