Neues Kindertheaterstück auf dem Waldkunstpfad

Das Theater Lakritz gestaltet mit neun Kindern das diesjährige Kindertheaterstück des Waldkunstpfads. Regisseurinnen sind Nele Hoffmann (links) und Julia Lehn (rechts). Foto: Andreas Kelm

Drei Kunstwerke und der Goetheteich sind die Kulisse des Kindertheater-Stücks „Wege, Wagnisse und Waldgeister.“ Am Samstag war Premiere fürs Theater Lakritz.

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DARMSTADT. Aufgeregt versammeln sich am Samstag neun Kinder am „Forest House“, dem Hexenhaus, das Joan Backes 2010 am Waldkunstpfad erbaut hat. Die Premiere des im Wald inszenierten Kindertheaters „Wege, Wagnisse und Waldgeister“ steht kurz bevor.

Dieses Hexenhaus ist einer von vier Orten am Waldkunstpfad, welche die Kulisse abgeben. Julia Lehn und Nele Hoffmann, die Regisseurinnen vom „Theater Lakritz“, haben knapp zwei Wochen mit den Sieben- bis Zehnjährigen geprobt – und Emma, Susel, Viola, Lene, Jonna, Mila, Ida, Carlotta und Luke zeigen sich nun begeistert vom Bühnenraum Wald. „Wir haben aus Moos und Rinde Masken gebastelt“, schwärmt Ida und Susel sagt: „Unsere T-Shirts badeten wir in Schlamm, damit wir echte Waldkinder werden.“

40 Minuten Spiel an mehreren Stationen

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Erstmals ist das „Theater Lakritz“ mit der Inszenierung eines Kinderstücks im Begleitprogramm des Waldkunstpfads beauftragt worden. Eine geglückte Kooperation, befindet nicht allein Ausstellungskuratorin Ute Ritschel. Julia Lehn erklärt: „Den Wald mit allen Sinnen zu erfahren, auf Geräusche zu achten und den Boden unter den Füßen zu erspüren, war Teil der Proben.“ Lehn, die auch den Text verfasst hat, sagt, dass der Rahmen des 40-Minuten-Stücks dem Motto dieses 10. Waldkunstpfads – „Kunst, Natur und Identität“ – folge, die Kinder aber viele Ideen eingebracht haben: „Farben und Geräusche, auch gruselige Geschichten interessierten sehr.“

Während jetzt die Sonne durchs Laub fällt, startet das märchenhafte Spiel auf dem Hügel beim „Luftschloss“, einer Installation des Jahres 2012 von Anne Berlit. Beeindruckt verfolgen die Zuschauer – aufgrund der Pandemie sind es nur 50 zugelassene Gäste – die Szenen, lassen sich fesseln von der Intensität, mit der die Kinder fantasievoll agieren. Um alte, hohe Bäume darzustellen, recken sie ihre Arme wie blühende Zweige empor. Einzelne treten in Sprechrollen hervor: „Ich bin der Wald, und ich bin uralt.“ Dann wieder traben die Kinder wie Pferde, die eine Reisekutsche ziehen, über Stock und Stein: Da lauern schon gefürchtete Räuber im Gebüsch.

Zum zarten Klang der Ukulele, mit dem Nele Hoffmann untermalt, spazieren die Kinder dann samt Publikum von Kulisse zu Kulisse: Weiter geht’s zum Hexenhaus, wo der Baumstumpf der gefällten Goethebuche ein prima Podest abgibt. Mit Zipfelmützen und Zausebart treten nun allerliebste Zwerge hervor: „Hei ho, wir sind vergnügt und froh.“ Kurz darauf wird am Goetheteich die schaurige Mär um den Felsen namens „Teufelskralle“ nachgespielt. Grimmig setzen drei kleine Teufel dem geplagten Schreiner zu, dass er seine Seele für den Bau einer Kapelle gebe.

Zuletzt folgt der Tross vergnügt den lustigen, roten Zipfelmützen hügelan zum Tanzplatz, den Volker Eschmann 2012 installiert hat. In Versform regen die Kinder an, sich ganz dem Duft, dem Klang und dem changierenden Farbspiel des Waldes hinzugeben: „Lasst euer Herz spazieren gehen.“ Der Beifall ist groß, Ute Ritschels Dank nicht minder.