Interview mit dem Comedian Bülent Ceylan

Auf Sendung: Bülent Ceylan (links) und 3sat-Moderatorin Nina Brunner. Foto: ZDF/Jana Kay

Der 45-Jährige beleuchtet in der Sendung „Kulturzeit extra: Hochdeutsch verboten“ den Stellenwert von Dialekt in der modernen Welt.

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MANNHEIM. Sein Mannheimer Dialekt ist sein Markenzeichen: Bülent Ceylan. Mit seinen Multikulti-Späßen im badischen Slang wurde er zu einem der beliebtesten Comedians Deutschlands – jetzt beleuchtet der 45-Jährige in der Sendung „Kulturzeit extra: Hochdeutsch verboten“ den Stellenwert von Dialekt in der modernen Welt. Dabei spricht Ceylan durchgehend seinen Heimatdialekt Kurpfälzisch und 3sat-Moderatorin Nina Brunner parliert auf Schweizerdeutsch, beide werden untertitelt.

Auf Sendung: Bülent Ceylan (links) und 3sat-Moderatorin Nina Brunner. Foto: ZDF/Jana Kay

Herr Ceylan, was lieben Sie an Ihrem Heimatdialekt?

Er ist sehr bodenständig und warmherzig, es gibt mir ein Heimatgefühl, wenn ich den Mannheimer Dialekt höre. Deshalb machen wir ja auch diese Spezialausgabe der „Kulturzeit“, um zu zeigen: Hey, es ist wichtig, dass man seine Wurzeln nicht vergisst – und man muss sich für seinen Dialekt auch nicht schämen. Manche Leute genieren sich ja, Dialekt zu sprechen, aus Angst, dass man sie dann für nicht so clever hält. Das finde ich traurig, denn Dialekt ist ja Teil der Kultur und der Herkunft. Das hat was mit Authentizität zu tun.

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Also sollte generell wieder mehr Dialekt gesprochen werden?

Ich finde, dass man Dialekt nicht verstecken muss. Wenn jemand, der das nicht kann, mit aller Gewalt versucht Hochdeutsch zu reden, dann klingt das gekünstelt – und dann ist er auch nicht er selbst. Der Dialekt verbindet die Menschen, ob sie es wollen oder nicht. Wenn ich im Fernsehen jemanden mit dem typischen Singsang aus unserer Region höre, erkenne ich das immer gleich – und dann freue ich mich riesig. Und erst recht, wenn ich im Ausland bin und jemanden erkenne, dann heißt es gleich: „Ach, du bist ja auch daher!“

Haben Sie ein Lieblingswort in Ihrem Heimatidiom?

Ich finde „Allahopp“ gut, gerade am Ende eines Gesprächs. Das kommt ja vom französischen „Allez hop“ und heißt so viel wie „los geht’s“. Es hat was Optimistisches: „Kopf nicht hängen lassen, allahopp!“ Das finde ich gerade in dieser Zeit ganz wichtig.

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Wie kam es zu der Idee für das Special der Kulturzeit?

Ich habe irgendwann mal eine „Kulturzeit“-Ausgabe gesehen, die komplett auf Latein war – mit Untertiteln. Und da habe ich gedacht, das könnte man doch auch mal auf Kurpfälzisch machen, das ist besser zu verstehen als Latein. Die Redaktion fand die Idee gleich super, aber weil sie ja eine Kultursendung sind, wollen sie ein bisschen mehr Information vermitteln, zum Beispiel über die Geschichte der Kurpfalz. Es geht jetzt unter anderem um die Nachfahren pfälzischer Auswanderer in Pennsylvania, die reden noch ein ganz altmodisches Kurpfälzisch. Wenn die zum Beispiel sagen „Meine Tochter is e bissl bleed“, dann heißt das nicht etwa doof, sondern schüchtern.

Schauen Sie regelmäßig Kultursendungen?

Als Comedian wird man gerne in eine bestimmte Schublade gesteckt, es gibt da Vorurteile – aber ich habe ja auch studiert, sag ich mal. Arte und so Sachen finde ich toll, das gucke ich gerne mit meiner Frau. Die Comedy, die ich mache, hat ja auch oft eine Botschaft – ob das gegen Rassismus ist oder für Integration, oder mal ein Satz, der in der Coronakrise Hoffnung gibt. Natürlich, viele meiner Gags sind betont naiv und voll auf die zwölf, weil die Leute ja auch einfach mal ablachen wollen. Privat bin ich ganz anders drauf, ich interessiere mich sehr für Kultur, ich liebe die Barockzeit, ich liebe überhaupt klassische Musik.

Neulich haben Sie als Gast in Max Mutzkes Talkshow „Lebenslieder“ sogar etwas von Franz Schubert gesungen …

Ich habe schon immer irgendwie gesungen, aber ich wurde nie so wahrgenommen. Die meisten Leute haben mich erst nach meinem Auftritt bei „The Masked Singer“, wo ich ja der Engel war, als Sänger registriert – seitdem will man hören, was ich singe.

Wäre eine Karriere in der klassischen Musik eine Option gewesen?

Ich habe in meiner Schulzeit Gesangsunterricht gehabt, und viele haben damals zu mir gesagt: Wenn du so weitermachst, hast du das Zeug zum Opernchorsänger. Aber ich möchte nach vorne gehen, nicht im Chor stehen. Die Superstars sind ja meistens die Tenöre, Leute wie Pavarotti – und das bin ich nicht, ich habe von Geburt an eine tiefe Stimme. Ich hab mir dann gesagt: Ich liebe das, aber die Comedy war mir näher, und im Nachhinein war es auch gut so.

Ihre frühesten Comedynummern, Parodien auf Boris Becker und Helmut Kohl, hatten auch mit Dialekt zu tun …

Das kann man so sagen. Ich habe das sehr gerne gemacht, Stimmenimitation, und das war für mich der Durchbruch, was die Mädels angeht. Ich war nicht so beliebt in der Schule, ich war zu anständig. Ich hatte Cordhosen an und so weiter, ich war nicht der Typ, den die Mädchen cool fanden – aber als ich sie zum Lachen gebracht habe, das fanden sie dann gut. Auch heute noch sind meine Fans überwiegend weiblich.

Wegen der Corona-Krise können Sie ja momentan nicht live auftreten. Wofür nutzen Sie die Zeit?

Ich nutze die Zeit für andere Dinge. Ich schreibe zum Beispiel ein Buch, über das ich aber noch nichts verraten darf, und ich genieße natürlich die zusätzliche Zeit mit meiner Familie. Das ist aber auch das einzig Gute, was ich der Krise abgewinnen kann. Ich vermisse das Touren. Fernsehen ist schön, Radio machen ist schön – aber ich bin ein Live-Künstler, und ich vermisse das Publikum sehr.

Werden Sie Corona in Ihr nächstes Programm aufnehmen?

Ich werde es nicht zum Hauptthema machen, niemand will zwei Stunden über Corona hören, aber gewisse Sachen kann man nicht ignorieren. Meinen ersten Corona-Gag habe ich schon gemacht, als die Sache mit dem Mundschutz aufkam, da habe ich gesagt: „Ey, jetzt weiß ich, was ihr Deutschen gelitten habt unter uns Türken, denn jetzt rieche ich den Knoblauch selber. Deshalb immer vorher Zähne putzen, bevor man den Mundschutz anzieht“ (lacht).