Residenzfestspiele klingen auf der Mathildenhöhe wunderbar aus

Viva Italia! Aurora DeMeehl moderiert die Opernnacht auf der Darmstädter Mathildenhöhe.  Foto: Dirk Zengel

Drei Gesangssolisten, der Darmstädter Konzertchor und die Main-Philharmonie bewiesen am Sonntag mit Opernarien beim Open-Air-Konzert wie schön „Belcanto“ sein kann.

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DARMSTADT. Stimmungsvoll gehen die „Herbstkonzerte der Darmstädter Residenzfestspiele“ auf der Mathildenhöhe zu Ende: Die Kuppeln der Russischen Kapelle neben dem Festkonzert-Areal glänzen in der Abendsonne, und dieses erste der zwei Galakonzerte am Sonntag ist sehr gut besucht. Auf dem Programm steht italienischer Belcanto: Arien der italienischen Komponisten Donizetti, Bellini und Verdi aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nur Arrigo Boitos Oper „Mefistofele“ kam etwas später zur Uraufführung.

In cremefarbenem Frack betritt Wolfgang Seeliger, Dirigent und Leiter der Residenzfestspiele, sein Pult. Das Orchester, das er an diesem Abend durch dramatische und tänzerisch-leichte musikalische Erlebnisse führt, ist die Main-Philharmonie in kleiner symphonischer Besetzung. Der Konzertchor Darmstadt ist mit sieben Sängerinnen und acht Sängern dabei. Und so war der Belcanto auch gedacht: Vor überschaubarem Orchesterklang sollte die „schöne Stimme“, über Jahrhunderte ausgefeilt dank technischer Raffinesse glänzen. Diese Sangeskunst vermitteln Etleva Shemai (Mezzosopran) und Elena Daniela Mazilu (Sopran) sowie der Tenor Oscar de la Torre vor stark applaudierendem Publikum.

Gesang zwischen Dramatik und Schwerelosigkeit

De la Torre und Shemai sind bei allen ausdifferenzierten Gefühlslagen eher dem dramatisch-kraftvollen Ausdruck zugetan, mit größerer Geste und Inbrunst interpretiert der Tenor beispielsweise die Arie des Alfredo „Lunge da lei“ aus Verdis „La Traviata“, den Endton jedoch lang anhaltend und fein modulierend. Etleva Shemai bietet – obwohl ihre Stimme nach einer Krankheit an schwierigen Stellen indisponiert ist – viel Expressivität und Ausdruck mit großem Bogen und Dynamik, besonders passend in Boitos „Mefistofele“-Arie „L’altra notte...“

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Der Sopranistin Mazilu gelingen mit grandioser Atemtechnik schwerelose Linien über weite Tonspannen hinweg, diffizile Koloraturen und eine beseelte, lyrische Kantilene. In Donizettis „Wahnsinnsarie“ aus „Lucia di Lammermoor“ tritt sie mit klarer Strahlkraft in Zwiesprache mit Querflöte oder Chor. Das Orchester findet bereits zu Beginn mit der Ouvertüre zu Vincenzo Bellinis „Norma“ eine schöne Geschlossenheit, die sich unter Seeligers Dirigat im Zusammenklang mit Solisten und Chor fortsetzt.

Durch das Programm führt Aurora DeMeehl mit „Histörschen“ auf Hessisch, und zum Schluss klirren die Sektgläser zum Trinklied „Libiamo“ (La Traviata) im Walzertakt zum Mitklatschen. In der Zugabe singt der Konzertchor mit Mundschutz den ersten Teil des „Gefangenenchors“. So klingen diese Festspiele „unter Schutzmaßnahmen“ wunderbar aus.