„Opa Capone“ im Netz unterwegs

Im Hause Sabbeling musst des Öfteren der Haussegen gerade gerückt werden. Foto: Buchhammer

(lb). Was passiert, wenn ein liebreizender Opa in einem Theaterstück das Internet für sich entdeckt? Die Zuschauer im Publikum haben eine Menge Spaß und ordentlich zu...

Anzeige

ROMROD. (lb). Was passiert, wenn ein liebreizender Opa in einem Theaterstück das Internet für sich entdeckt? Die Zuschauer im Publikum haben eine Menge Spaß und ordentlich zu lachen, wie im Bürgerhaus Romrod zu beobachten war: Nach ihrem erfolgreichen Bühnendebüt im letzten Jahr machte die enthusiastische „Theatergruppe von der Rolle“ ihrem Namen alle Ehre und lud zur Premiere der Posse „Opa entdeckt das Internet“ von Stefan Koch.

Gut 160 Theaterfreunde konnte Bürgermeisterin Birgit Richtberg als Schirmherrin im Saal begrüßen, bevor sich der Vorhang der großen Bühne nicht nur fiktiv, sondern erstmals mit allerhand Metern roten Stoff mithilfe zweier charmanter „Vorhanggirls“ mehrfach öffnete.

Neu war genauso die echte, von Schreinerhand gezimmerte Bühnenkulisse als behaglicher Wohnraum mit intakten Türen, tapezierten Wänden, Küche, Essplatz und Wohnzimmer. „Da haben die Aktiven mitsamt ihren Heinzelmännchen im Hintergrund wirklich ganze Arbeit geleistet“, staunten in den vorderen Rängen begeisterte Leute mit dem Blick für die Feinheiten noch bevor „Opas Sturm“ so richtig losging.

Amüsant schlüpften sodann Thomas Hager, Sabine Seim, Conny Stehr, Anja Lemcke, Silke Gonder-Kaksch und Tatjana Engel in die Rollen der Familienangehörigen um Opa Theo und Oma Ilse Sabbeling. Wie füreinander geschaffen, hauchten die Romröder ihren Charakterfiguren mächtig Leben ein, dass der „Haussegen“ des Öfteren deutlich sichtbar schief hing. Für den Fall der Fälle war zudem Barbara Schmehl als Souffleuse vor der Bühne zur Stelle und behielt das Schauspiel gut im Auge.

Anzeige

Derweil Oma Ilse bei ihren Shoppingtouren zum Trödel förmlich aufblühte und immer wieder exotischen, unverzichtbaren Ramsch für ihr trautes Heim fand, mutierte ihr Angetrauter lieber zur Couchkartoffel und genoss (für sich) die himmlische Ruhe in vollen Zügen. „Das muss sich ändern, Opa braucht eine Beschäftigung“, dachte sich die Familie und setzte alle Hoffnung in die Kurssammlung der Volkshochschule.

Nachdem Theo sich weder für das Kursangebot „Senioren im Netz“ begeistern konnte – für den Großvater hatte allein schon der Titel etwas von „Sadomaso, Sex, Drugs und Rockk‘n‘Roll“ – noch für fernöstliche Bewegungspraktiken, die nach chinesischen Tütensuppen klangen, entschied sich der Herr, das Internet zu inspizieren.

Schnell entwickelte er eine große Leidenschaft fürs „ebay“, legte sich den Internetnamen „Opa Capone“ zu und verhökerte Omas hässliche Schätze vom Trödel. Selbst der heißgeliebte Gartenzwerg mit Roberto-Blanco-Gesicht fand zur Freude von Theo zum Schnäppchenpreis einen neuen Abnehmer.

Völlig unwissend, was der Oldie wirklich machte, dachten die Angehörigen zunächst, ihr Opa besuche schmuddelige Pornoseiten. Nachdem Oma Ilse aber das stete Verschwinden ihrer neuen Lieblingsstücke bemerkte, an einen heimlichen Dieb dachte und Enkelin Jaqueline noch dazu einige vermisste Gegenstände auf der Verkaufsplattform eines gewissen „Opa Capone” im Internet entdeckte, wurde das Tohowaboho perfekt. Kurzum setzte der Schwiegersohn seine Tochter Jaqueline auf den Opa an und sie kamen dem alten Herrn auf die Schliche. 91 Verkäufe hatte der Geschäftstüchtige bereits getätigt und seine Einnahmen natürlich am Fiskus vorbeigeschleust.

„Theo muss auf seinem kriminellen Internet-Raubzug gestoppt werden“, schmiedeten die jungen Leute einen „teuflischen“ Plan mit einem unechten Finanzbeamten, der die Steuern für die Einnahmen aus den Internetverkäufen eintreiben sollte. „Wie wäre es mit der Spaßbremse Frederick Klawuppdich aus dem Kegelclub?“, hatte der Schwiegersohn bereits ein geradezu prädestiniertes Gesicht vor Augen. Einen Augenblick später klingelte es an der Haustüre und Finanzbeamtin „Viola Koranthenkieker“ fragte nach Opa Theo. Wie das Fiasko jedoch endete, soll noch ein kleines Geheimnis bleiben, damit auch die Zuschauer der zweiten Aufführung am kommenden Samstag, 30. März, um 19 Uhr das Stück in vollen Zügen genießen können.

Anzeige

Beifallsstürme

So viel sei noch gesagt: Die Theatergruppe war dermaßen von der Rolle, dass zahlreiche Besucher im Zuschauerraum Bauchweh hatten vor Lachen. „Es hat unheimlich viel Freude gemacht, euch zu sehen“, brachte es Bürgermeisterin Richtberg beim großen Finale im Beifallssturm des Publikums auf den Punkt.