Gedenkschrift für Theo Jülich

Zwölf Autoren schreiben in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Kunst in Hessen und am Mittelrhein“ zu Ehren des verstorbenen Landesmuseumsdirektors Theo Jülich.

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DARMSTADT. Auf dem Titelblatt der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Kunst in Hessen und am Mittelrhein“ ist ein Kunstwerk gezeigt, dessen Restaurierung und Erforschung Theo Jülich (1956–2018) am Herzen lag: Das um 1180 in Köln entstandene Turmreliquiar ist ein Highlight der Sammlungen, die ihm zunächst als Leiter der Mittelalterabteilung, dann als stellvertretender Direktor und zuletzt als Direktor des Hessischen Landesmuseums Darmstadt anvertraut waren.

Und schon in der Auswahl dieser Abbildung wird deutlich, was für alle zwölf wissenschaftlichen Aufsätze der museumseigenen Publikation gilt: Die Ausgabe „2018 / NF 11“ von „Kunst in Hessen und am Mittelrhein“ ist nicht nur der Erinnerung an den Frühverstorbenen gewidmet, sondern die Gedenkschrift spiegelt auch thematisch seinen Einsatz für dieses Haus.

Theo Jülich hat seit 1980 nicht nur als Angestellter mit dem Landesmuseum gelebt, sondern auch für das Landesmuseum: für dessen Präsentationen, aber auch für die Wissenschaft, die dort betrieben wird. Er hat sich selbst für die Erforschung der Geschichte des Museums genauso eingesetzt wie für neue Erkenntnisse über einzelne Werke, dabei immer wieder die Zusammenarbeit mit Kollegen anderer Museen oder der Darmstädter Archive gesucht. Im Jahr 2005 war es denn auch Jülich, der die bereits seit 1961 herausgegebene, dann aber 1997 eingestellte, jährlich erscheinende Reihe „Kunst in Hessen und am Mittelrhein“ als „Neue Folge“ wiederbelebt hat.

Die Aufsätze des jetzigen Hefts reichen von der antiken Kunst bis zur Moderne, und sie können mit ihren Bezügen zu Darmstädter Ausstellungen und Historie jedem Kunst- und Geschichtsliebhaber der Region etwas bieten.

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Neues über Turmreliquiar und Georg Moller

So widmet sich beispielsweise Rainer Kahsnitz dem „Stil der Propheten-Platten am Darmstädter Turmreliquiar“, und die ehemalige Direktorin des Kölner Schnütgen-Museums Hiltrud Westermann-Angerhausen schreibt über die mittelalterlichen Darmstädter „Sternfibeln“, die 2018 eine wichtige Rolle in der Landesmuseums-Ausstellung über den „Mainzer Goldschmuck“ gespielt haben. Thomas Foerster lädt zum „Erinnerungsrundgang durch die Sonderausstellung ,Beschaffenheit des Himmels‘“ ein: eines Projekts, das die Ergebnisse der neuen Erforschung der mittelalterlichen Altäre des Landesmuseums vorgestellt hat, die von Jülich angestoßen worden war. Elisabeth Krimmels Text zu „Jüdischen Erinnerungen in Stefan Lochners ,Darbringung im Tempel‘ von 1447“ gilt einem weiteren Hauptwerk des Museums, und Heidrun Ludwigs Seiten zeigen den Darmstädter Maler Johann Conrad Seekatz (1719–1768) als Kopisten.

Besonders spannend sind auch die Aufsätze von Mechthild Haas und Peter Engels. Während Engels auf wenigen Seiten „Die Einführung der Reformation in Hessen und in Darmstadt (1526) und die Folgen“ vorstellt und dabei erläutert, wie Südhessen sehr früh unter Philipp dem Großmütigen protestantisch wurde, stellt Haas ein neu entdecktes „Klebealbum aus dem Nachlass von Helene Moller“ vor. Das private Album hat der große Darmstädter Architekt Georg Moller 1848 für seine zweite Ehefrau zusammengestellt. Darin findet sich ein Potpourri von Zeichnungen: vom Bild der gemeinsamen drei Kinder bis hin zu Ansichten seines noch nicht verwirklichten Projekts für Darmstadts „Runde Kirche“.

Von Annette Krämer-Alig