Der Sprach-Optimist sagt es diesmal sozusagen

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Sprach-Optimist Murtaza Akbar

Sprach-Optimist Murtaza Akbar widmet sich in seiner Glossenreihe diesmal einem Phänomen, das bei dem Moderator Johannes B. Kerner zu entdecken ist - aber nicht nur bei dem.

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. Sie sind echt klasse. Ja, genau: Sie meine ich. Natürlich auch, weil Sie diese deutschlandweit einzigartige Kolumne lesen. Klar. Vor allem aber, weil ich so viele E-Mails von Ihnen, liebe Leser, erhalten habe. Halt, es muss heißen: von Ihnen, liebe Leserinnen - denn mehr als zwei Drittel der Mails haben mir Frauen geschrieben. Nein, leider nicht, weil sie mich so toll finden, sondern, weil Frauen doch kommunikativer sind? Mehr auf die Sprache und Wortwahl achten? Ein Klischee? Sagen Sie es mir! Jedenfalls bin ich begeistert, wie viele meinem Aufruf gefolgt sind und mir ihre Anregungen und Erfahrungen zu Worten, Floskeln, Redewendungen und überhaupt geschrieben haben. Stark. Ich verneige mich. Bleiben Sie bitte dabei. Ich freue mich über jede Mail und verspreche, dass ich aus jeder zumindest einen Vorschlag in meine Kolumne einbaue. Sie müssen mir nur etwas Zeit geben. Hier der Beweis. Es geht direkt los. Quasi jetzt gleich, sozusagen.

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Denn ein Leser hat mir geschrieben (ja, ein Herr), dass es doch tatsächlich Menschen gibt, die bei einfachen Additionen nicht ganz sattelfest sind. Bei denen ist 2 + 2 quasi 4. Manche meinen auch 4 + 4 ist praktisch 8. Oder 8 + 8 ist im Prinzip 16. So ganz sicher scheinen sie sich nicht zu sein. Das nenne ich das Johannes-B.-Kerner-Syndrom. Für was steht eigentlich das B.? Oh, jetzt habe ich auch noch so ein völlig unnötiges "eigentlich" eingebaut. Na, jedenfalls ist Ihnen bestimmt auch aufgefallen, dass der Herr Kerner, wenn er wirklich mal was Inhaltsvolles sagen will, es vorher und nachher mehrfach absichert, abschwächt oder einleitet. Gerne auch mit quasi, eigentlich, im Prinzip oder praktisch.

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Wo wir gerade bei Sportmoderatoren sind: Kennen Sie Patrick Wasserziehr? Nein, den müssen Sie nicht kennen. Der ist auch Sportmoderator, so wie der Herr Kerner. Obwohl, da bin ich mir jetzt gerade unsicher, aktuell kenne ich Herr Kerner nur aus Ratesendungen beim ZDF. Ich frage mich immer, ob sich Kerner, Jörg Pilawa und Kai Pflaume absprechen, damit sie nicht die gleichen Fragen in ihren Quizsendungen stellen. Doch zurück zu Herrn Wasserziehr von Sky Sport. Der ist nicht nur Moderator, sondern auch deutscher Fernsehmeister. Er weiß es nur nicht. Ja. Es gibt nämlich niemanden (oder heißt es keinen?), der im Fernsehen öfter "sozusagen" sagt als er. Da geht es mir, wie einer Leserin, die mir geschrieben hat, dass sie bei manchen Menschen gar nicht mehr auf den Inhalt hören kann, weil sie nur noch auf die "sozusagen" achtet. Dann warne ich davor, Herrn Wasserziehr zuzuhören. 164 Mal "sozusagen" pro Sendung ist praktisch und auch im Prinzip viel zu viel.

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Das ist jetzt wirklich ein ganzer Floskel- und Füllwörter-Dschungel geworden. Das ist gar nicht nett. Manche sagen, "nett" ist die kleine Schwester von langweilig. Eine Leserin hat mir allerdings geschrieben, dass in ihrem Bekanntenkreis das Wort "nett" quasi nicht mehr wegzudenken sei. Selbst die Skifahrkünste eines Sohnes seien nett. Das nenne ich mal konsequent. Aber wie sieht nettes Skifahren aus?

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Dann möchte auch ich konsequent bleiben und mich von Ihnen wieder mit meinem Aufruf verabschieden. Ich habe praktisch einen Anschlag auf Sie vor! Nein, das würde ich nie schreiben. Auch das entnahm ich der Zuschrift eines geschätzten Lesers. Und ich kann ihm voll und ganz zustimmen, dass das eleganter wahrlich schöner klingt. Zumal ich mir im realen Leben gar nicht mehr erlauben kann, diese "Redewendung" zu verwenden. Deshalb formuliere ich das doch viel lieber optimistischer: Schreiben Sie mir Ihre alltäglichen Spracherfahrungen an die E-Mail-Adresse info@akbar.de, quasi, was Sie sozusagen Tag für Tag erleben und erlauschen. Und ich verspreche Ihnen, dass ich das nicht nur nett finde, sondern wunderbar. Und das ist jetzt keine Floskel: Ich freue mich darauf!

Von Murtaza Akbar