Der Sprach-Optimist: Denglisch, sehr nice

aus Der Sprach-Optimist

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Foto: Wortwahl

Diesmal gesteht Murtaza Akbar in seiner Kolumne, dass er Anglizismen gar nicht schlimm findet - im Gegenteil.

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REGION. In meiner ersten Kolumne im Jahr 2019 möchte ich Ihnen direkt reinen Wein einschenken. Ja, ich traue mich. Es kann sein, dass Sie mich dann mit anderen Augen sehen. Schieben Sie es auf meine orientalischen Wurzeln. Auch wenn Sie bei der Überschrift mit etwas anderem rechnen: Ich finde Anglizismen gar nicht schlimm. Im Gegenteil, in gesundem Maße finde ich sie sogar sympathisch. Sorry, ich bin einfach kein Denglisch-Feind. Sorry, ich meinte natürlich: Verzeihen Sie. Und jetzt kommt es noch krasser. Social Media finde ich auch cool. Oh yes. Sehr sogar.

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Facebook, Instagram, Twitter, WhatsApp, zumindest WhatsApp nutzen Sie vielleicht selbst auch? Das machen hierzulande inzwischen mehr als 40 Millionen Menschen. Aller Generationen wohlgemerkt. Und ich darf das sogar beruflich, gleich in mehreren Funktionen. Herrlich. Connecten Sie sich gerne mit mir. Nein, das klingt selbst für meine Ohren nicht gut. Folgen Sie mir auf Social Media. Nein, stalken ist auch nichts. Stalken? Wie heißt das auf Deutsch: Nachsteigen? Ich bin schon ganz durcheinander. Jedenfalls würde ich mich freuen, wenn Ihnen meine Inhalte auf ausgewählten Social-Media-Kanälen gefallen. Ja, das klingt schon viel schöner. Sie finden mich ganz offiziell auf Instagram, Facebook und Twitter unter "Akbar_offiziell". Eines kann ich Ihnen dabei versprechen, auch auf diesen Kanälen pflege ich unsere so wunderbare Sprache voller Leidenschaft.

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Dort können Sie mir auch gerne direkt schreiben, was Ihnen so auffällt, von Lieblingswörtern über inflationären Wortverwendungen bis hin zu Floskeln. Ein großes Dankeschön wieder für die vielen E-Mails. Ich lese nicht nur jede, sondern beantworte sie auch. Das ist absolut selbstverständlich. Wobei: "Absolut" kommt heute viel zu oft vor, meint eine Leserin in ihrer Zuschrift. Da gebe ich ihr natürlich gerne absolut Recht. Zuschrift, das klingt so oldschool, hoppla, altmodisch meine ich. Aber altmodisch klingt wiederum sehr altmodisch. Wissen Sie, was ich meine? Diese Frage geht einem Leser gegen den Strich. Dieses Eingedeutsche von "Do you know what I mean" sei einfach nichts. Trotz meiner Sympathie für das Englische, da bin ich ganz bei ihm. Wobei: Sagen Sie das bitte nicht, dieses "bei einem sein". Das habe ich schon eine Millionen Mal gehört. Ja, mitunter kann eine Million auch Mehrzahl sein, was einem weiteren Leser schon öfter aufgefallen ist. Da ist der Vater Wunsch des Gedankens. Ich würde gerne mal wissen, was die Mutter darüber denkt. Jetzt habe ich in einem einzigen Absatz echt viele Ihrer Zuschriften verarbeitet. Ich liebe es.

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Apropos verarbeiten. Es ist nicht so ohne, was ich als Sprach-Optimist alles verarbeiten darf. Ich habe nämlich "meine" Studenten mal gefragt, wer von ihnen etwa WhatsApp-Nachrichten immer korrekt schreibt, also mit Groß- und Kleinschreibung, Satzzeichen und sowas. Gemeldet haben sich wenige. Sehr, sehr wenige. Okay, nice, habe ich zu mir in Denglisch gesagt, dann versuche ich auch mal, eine WhatsApp-Nachricht komplett mit kleinen Buchstaben zu schreiben. Um es kurz zu machen: Es ging einfach nicht. Ich hab' es nicht geschafft, sondern alles wieder gelöscht und nochmal richtig geschrieben.

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Als Hochschuldozent, Vater und Sprach-Optimist hat man ja eine Vorbildfunktion. Na ja, ich übertreibe natürlich, ist ja eine Kolumne hier. Aber eines liegt mir doch am Herzen, deshalb möchte ich Ihnen gerne noch eine absolut optimistische Botschaft für das neue Jahr mitgeben, wenn Sie mir das erlauben: Schreiben, sprechen und kommunizieren Sie einfach, wie Sie möchten. Wenn es mit schöner, gar wundervoller Absicht ist, einem anderen Menschen etwas Gutes zu tun, heiligt es die Mittel. Wirklich. Davon bin ich sogar mehr als eine Millionen Mal überzeugt.

Von Murtaza Akbar