Berührende Einstimmung in die Karwoche

(red). Erstaunlich passend war der Auftakt der Karwoche in der Konzertreihe „Weltklassik“ im Melchiorsgrund. Mit einem musikalischen Paukenschlag eröffnete der in...

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HOPFGARTEN. Erstaunlich passend war der Auftakt der Karwoche in der Konzertreihe „Weltklassik“ im Melchiorsgrund. Mit einem musikalischen Paukenschlag eröffnete der in Frankreich geborene und in Berlin lebende Pianist Johann Blanchard sein Abendprogramm. Die „Funérailles“ von Franz Liszt erwiesen sich als tief religiöses Werk, das seinerzeit beispielhaft für die Suche nach gegenwärtiger geistlichen Musik war. Gleichzeitig verlangte es dem Vortragenden sein ganzes spielerisches Können ab, berichtet Melchiorsgrund, das kulturtherapeutische Dorf im Vogelsberg, in einer Pressemeldung.

Johann Blanchard wurde 1988 in Frankreich geboren und lebt seit 1992 in Deutschland. Er wuchs in einer musikalischen Familie auf, wo er die klassische Musik schätzen lernte. Im Alter von sechs Jahren erhielt er seinen ersten Klavierunterricht, den er später am Musikgymnasium Weimar fortführte. In dieser Zeit spielte er seine ersten Konzerte als Solist sowie mit Orchester. 2006 führte ihn der Weg nach Rostock, wo er sein Studium mit Auszeichnung abschloss. Parallel studierte er an der Universität in Wien. Während seiner Studienzeit war er Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes und erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen in internationalen Wettbewerben. Johann Blanchard möchte die Begeisterung für das eigene Musizieren gern teilen, daher unterrichtet er gern, unter anderem am Schweriner Konservatorium.

Die Salonmusik werde oftmals fälschlicherweise als leicht eingängige Musik bezeichnet, doch das sei ein überkommendes Vorurteil. Schließlich sei die Musik der großen Meister auch in Salons uraufgeführt und gespielt worden. Mit Sicherheit beweisen die hier präsentierten Werke von Liszt neben den „Funérailles“ auch die „Jeux d'eaux à la Villa d'Este“ – die opernhaften „Lieder ohne Worte“, die „Bilder vom Rhein“ von Bizet oder die klangschönen Melodien von Chaminade" oder Chopin sowie die improvisatorischen „Valses nobles et Sentimentale“ von Ravel – so viel mehr zu sein als nur Unterhaltungsmusik, ist der Veranstalter überzeugt.

Johann Blanchard präsentierte sich nicht nur als brillanter Vortragender der Klavierkunst, sondern moderierte sein Programm mit leidenschaftlichem Engagement. So konnten die Zuhörer nicht nur in den Genuss virtuoser Klavierkunst kommen, sondern viele Details der Musikgeschichte und aus dem Leben der einzelnen Komponisten erfahren. Mit Werken der französischen Komponistin Cécile Chaminade wurde auch diesmal wieder Musik, die ungerechtfertigterweise in Vergessenheit zu geraten droht, nur weil sie nicht in den großen Konzertsälen aufgeführt wird, dem interessierten Publikum zugänglich gemacht. Bisher war jedes Konzert der Reihe „Weltklassik“ in Melchiorsgrund ein in dieser Hinsicht besonderes Ereignis, meinen die Veranstalter. Das nächste Konzert der Reihe mit der Pianistin Susanna Kadzoyan aus Taschkent findet am Sonntag, 12. Mai, statt, wie immer um 17 Uhr. Informationen gibt es unter www.weltklassik.de.