Kleine Kreaturen

aus Tatort & Polizeiruf 110

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Ahmad Elmahi (Josef Mohamed) hat sich versteckt.  Foto: BR/Luis Zeno Kuhn

Wenn Regisseur und Autor Max Färberböck die Zügel in der Hand hält, kann nichts schiefgehen. Das Nürnberger Team um die Kommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs), Paula...

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. Von Kirsten Ohlwein

Wenn Regisseur und Autor Max Färberböck die Zügel in der Hand hält, kann nichts schiefgehen. Das Nürnberger Team um die Kommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs), Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel), Wanda Goldwasser (Eli Wasserscheid) und Sebastian Fleischer (Andreas Leopold Schadt) glänzt inhaltlich auf allen Ebenen. Vor allem die Interaktion zwischen Voss und Ringelhahn ist bemerkenswert intensiv. Färberböcks Dialoge für die beiden sind pointiert, tiefsinnig, nachvollziehbar.

Zum Fall: In einem Haus werden zwei Leichen gefunden. Ein 58-jähriger Libyer und seine Schwester, beide wurden grausam mit einer Betonstahlstange erschlagen. Sie kamen vor 15 Jahren nach Deutschland, waren voll integriert. Ahmad (Josef Mohamed), Ziehsohn der Opfer, ist verschwunden. Kurz darauf stirbt ein Kollege aus dem Betrugsdezernat während einer Autofahrt an einer fatalen Wechselwirkung von Medikamenten. Ein am Tatort gefundenes Indiz führt den Mord an den beiden Geschwistern und den toten Kollegen zusammen.

Die Verknüpfungen zwischen Personen, Umständen und Taten wirken wie so oft im "Tatort" etwas konstruiert, vielleicht sogar zu einfach. Dies ist jedoch der einzige Schwachpunkt in "Ich töte niemand". Färberböck zieht den Zuschauer in die dunkle Welt der Neonazis und der Islamisten: "Wir sind umgeben von kleinen, hasserfüllten Kreaturen, die ihr Fressen nicht wert sind. Dumm, primitiv, überflüssig."

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Die Gewalt der Gedanken ist in jeder Szene greifbar, auch wenn Gewalt selbst fast nie sichtbar ist. Höhepunkt des Films: die Schlussszene zwischen der groß;artigen Manzel und Ursula Strauss (Gudrun Leitner).