Handball: Torschützenkönig Philipp Weber über Gründe der...

Der Torjäger hat Pause. Nachdem sich Philipp Weber mit 224 Treffern die Torjäger-Krone der Bundesliga-Saison 2016/17 verdient hat und bevor er wieder nach Leipzig zurückkehrt, kann er sich erst einmal einen Schluck aus der Pulle gönnen.  Foto: Bergmann

Nur eine Saison hat Philipp Weber für den Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar gespielt. Doch in diesem Dreivierteljahr hat der 24-jährige Rückraumspieler nachhaltigen...

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WETZLAR. Nur eine Saison hat Philipp Weber für den Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar gespielt. Doch in diesem Dreivierteljahr hat der 24 Jahre alte Rückraumspieler nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Zum einen ist er unter HSG-Trainer Kai Wandschneider zum Nationalspieler avanciert, zum anderen hat er sich mit 224 Treffern (66 davon per Siebenmeter) die Torjägerkrone der Eliteliga herausgeworfen. Zum Rundenabschluss in Flensburg markierte er bei der Wetzlarer 31:34-Niederlage noch einmal satte zehn Tore. Im Interview äußert er sich zu seinem persönlichen Erfolg und zu dem der HSG Wetzlar, die Weber wieder in Richtung seines ehemaligen Vereins SC DHfK Leipzig verlässt.

Wie fällt Ihre Saisonbilanz mit der HSG Wetzlar aus?

Die Saison hätte für uns nicht besser laufen können. Sie war fantastisch und einfach unfassbar. Wir waren eine zusammengewürfelte Mannschaft mit neun neuen Spielern, die Trainer Kai Wandschneider aufgrund seiner unfassbar guten Arbeit schnell als Einheit zusammengeformt hat. Wir haben irgendwann eine Selbstverständlichkeit in unserem Spiel entwickelt und die Sachen haben simpler funktioniert, weil wir uns in einen Rausch gespielt und genügend Selbstbewusstsein hatten. Wir haben absolut am Limit gespielt. Mehr als Platz sechs war nicht möglich. Wir können deshalb unheimlich stolz auf uns sein.

Wenn Ihnen vorher jemand gesagt hätte, dass die HSG Sechster, Sie Nationalspieler und Torschützenkönig werden, hätten Sie ihn wohl für verrückt erklärt.

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Definitiv. Ich habe vorher schon gesagt, dass Platz acht möglich ist, wenn alles funktioniert. Dass Melsungen, Hannover und Göppingen geschwächelt haben, kam uns bei unserem verdienten sechsten Platz zu Gute. Auch für mich selbst lief es noch besser, als ich es erwartet habe, wobei mein großes Plus war, dass ich endlich einmal mehr oder weniger verletzungsfrei durch die Saison gekommen bin und alle Spiele bestreiten konnte. Ich habe zudem das Vertrauen des Trainers, der Mannschaft und des Vereins gespürt, was es mir einfacher gemacht hat. Deshalb habe ich mir auch keinen Kopf gemacht, zu versagen. Wenn mit vorher jemand gesagt hätte, dass ich 224 Treffer mache und Torschützenkönig werde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. So war es auch für mich persönlich eine sensationelle Saison, in der ich ein konstant hohes Niveau an den Tag legen konnte. Dass ich dann auch noch so schnell den Sprung in die Nationalmannschaft geschafft habe, den ich mir vorgenommen hatte, ist natürlich fantastisch.

Was war der Höhepunkt der Saison für Sie?

Der 24:23-Sieg gegen Leipzig, weil es nach der Bekanntgabe meiner Rückkehr zum SC keine einfache Situation für mich war. Dass ich dann auch noch das Siegtor gemacht habe, war wie im Bilderbuch. Aber auch der Sieg gegen Kiel war ein Highlight und etwas Besonderes, weil man nicht alle Tage gegen den THW gewinnt. Das gilt auch für den Sieg über Rhein-Neckar Löwen. Zudem darf man auch die zwei Derbysiege gegen Melsungen nicht vergessen. Es sind viele unfassbare Sachen in dieser Saison passiert.

Wie schwer fällt es Ihnen auch deshalb Wetzlar zu verlassen?

Es ist für mich nicht einfach wegzugehen, weil alle sportlichen Sachen, die ich mir vorgenommen habe, in Erfüllung gegangen sind. Aber meine Entscheidung nach Leipzig zurückzukehren, war auch keine sportliche, sondern eine private Entscheidung. Ich werde Wetzlar vermissen, gar keine Frage. Vor allem die Mannschaft, weil sie eine echt eingeschworene Truppe ist und wir immer Spaß beim Training hatten. Auch Trainer Wandschneider, den ich nicht vergessen darf und die Geschäftsstelle, wie auch die ganze HSG-Familie, auch weil alles sehr familiär war. Sie haben mir alle geholfen, dass ich so konstant so gut gespielt habe. Ich freue mich schon in der nächsten Saison mit Leipzig in Wetzlar zu spielen. Aber ich bin natürlich auch glücklich, wieder nach Hause zu kommen. Ich freue mich riesig, wieder in Leipzig leben zu dürfen, in der Stadt, in der ich meine ganzen Freunde habe und von der der Weg zu meiner Familie nicht weit ist.

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Wie sehen Sie die Perspektiven der HSG?

Ich glaube, dass die HSG den Weg, den sie eingeschlagen hat, weitergehen wird. Sie haben in der nächsten Saison außer mir, Tobias Hahn und Emil Berggren keine Abgänge und können so auf eine eingespielte Mannschaft, zu der Olle Forsell Schefvert, Alexander Hermann und Jugendspieler Tim Rüdiger stoßen werden, zurückgreifen.

In der Nationalmannschaft gehörten Sie zuletzt bei den ersten Pflichtspielen unter dem neuen Bundestrainer Christian Prokop und den Siegen über Slowenien in der Qualifikation zur Europameisterschaft, Ihren Länderspielen vier und fünf, schon zu den besten Spielern und Torschützen. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Spiele morgen (20.30 Uhr) in Gondomar gegen Portugal und am Sonntag (15 Uhr) in Bremen gegen die Schweiz?

Wir wollen zwei Siege einfahren, was aber gerade in Portugal nicht einfach werden wird. Aber wir gehen mit großem Selbstbewusstsein nach den bisherigen vier Siegen in der EM-Quali in die Spiele, auch weil wir zuletzt gegen Slowenien sehr überzeugt haben. Dabei hatte ich natürlich auch den Vorteil, dass ich das System, das Prokop spielen lässt, schon viele Jahre aus Leipzig kannte und ich aus Wetzlar viel Selbstvertrauen mitgebracht hatte. Auch deshalb lief es für mich gegen Slowenien sehr gut.